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Epidemie auf Madagaskar Äusserst ansteckende Lungenpest geht um

Auf Madagaskar wütet die Pest. So heftig wie schon lange nicht mehr. Die Gründe und die Gefahren – auch für die Schweiz.

Legende: Audio Pest auf Madagaskar: Tropenarzt warnt vor Tröpfcheninfektion abspielen.
5:41 min, aus SRF 4 News aktuell vom 26.10.2017.

Auf Madagaskar geht die Pest um. Mehr als 1100 Menschen haben sich seit August infiziert, mehr als 100 sind gestorben. Die südostafrikanische Insel kämpft zwar immer wieder mit Pestausbrüchen. Doch so viele Fälle wie in diesem Jahr habe es schon lange nicht mehr gegeben, sagen Gesundheitsorganisationen.

Besonders schlimm sei, dass derzeit die Lungenpest umgehe, erklärt Christoph Hatz, Mediziner am Schweizerischen Tropen- und Public-Health-Institut in Basel. «Einerseits hat sie einen sehr raschen, tödlichen Verlauf, wenn sie nicht sofort mit Antibiotika behandelt wird. Andererseits kann sie – und das ist das super gefährliche – via Tröpfchen vom Mensch zu Mensch übertragen werden.»

Die Lungenpest unterscheidet sich in diesem Punkt von der normalen oder auch Lymphdrüsenpest, die durch Bisse von Flöhen auf Menschen übertragen wird. Zwei Drittel der Infizierten leiden an der gefährlicheren Variante der Krankheit.

Kalte Nächte könnten Schuld sein

«Die Lymphdrüsenpest muss natürlich auch behandelt werden, aber man hat etwas mehr Zeit», so der Reise- und Tropenarzt. Weshalb sich die Krankheit derzeit besonders stark ausbreitet, ist unklar. Eine Ahnung hat Hatz aber: «Ein Faktor ist, wenn viele Leute auf engem Raum leben und engen Kontakt haben.»

Auch klimatische Bedingungen werden als Grund für vermehrte Lungenpestinfektionen angeführt. Seit gut einem Monat sei es aussergewöhnlich kühl auf der Insel, mit Temperaturen von zehn Grad nachts. Das ist kalt für Madagaskar, weiss der Tropen- und Reisemediziner. «Man geht davon aus, dass das einen Einfluss haben könnte, bewiesen ist es aber nicht.»

Ausbreitungsgefahr nicht gebannt

Hinzu komme, dass das Gesundheitssystem Madagaskars nicht die nötigen Mittel hat, Pestfälle zu behandeln und Ansteckungen zu verhindern. Das führe dazu, dass sich die Pest ausbreiten kann. «Wir müssen davon ausgehen, dass es noch längst nicht vorbei ist mit der Pest in Madagaskar, obwohl die Regierung rasch und stark reagiert hat», so die Befürchtung des Tropenmediziners.

Man müsse mittels Kontrollen sicherstellen, dass keine Flöhe von Ratten auf Menschen überspringen und so die Infektion auslösen. Angehörigen von Erkrankten müsse man sofort Antibiotika geben. «Das muss schnell gehen», so Hatz. Ärzte ohne Grenzen und die WHO würden dabei tatkräftig helfen.

Schweiz auf Patienten vorbereitet

«Dass ein Tourist die Pest einschleppt, ist das Szenario, vor dem wir uns am meisten fürchten», sagt Hatz. «Ähnlich wie bei Ebola kann es vorkommen, dass jemand ohne Symptome alle Kontrollen passiert und die Krankheit zuhause voll ausbricht.» Die Gefahr, dass das passiere, sei klein, aber nicht auszuschliessen.

In der Schweiz und in anderen europäischen Ländern ist man gewappnet, wie der Arzt versichert: «Wenn ein Patient aus Madagaskar zurückkommt und Fieber hat, denkt man sofort an die Pest und macht die nötigen Abklärungen.» Man könne die Person behandeln und entsprechende Isolationsmechanismen spielen lassen.

7 Kommentare

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  • Kommentar von Heidy Rüegg (heidy70)
    Warum Warnungen ausgeben, wenn man dann trotzdem reist? Sind wir nicht mehr fähig selber zu entscheiden? Sind wir so unselbstständig. Ja dann muss ich den Schaden auch selber tragen, wenn mir etwas passiert. Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um! Dasselbe gilt für alle Extremsportler. Und wenn sie dann verunglücken, schreien sie weil nicht die ganze Welt Rollstuhlgängig ist.
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    1. Antwort von Patrick Stäubli (Surgeon)
      Wenn Sie nach sorgfältiger Abklärung und Risiko-Analyse eine gebuchte Reise nicht antreten wollen aus besagtem Grund, wird so keine Reiseannulationsversicherung für die Kosten aufkommen. Man wird genötigt sich der Gefahr auszusetzen, dem schlafendem EDA und BAG (safetravel) sei dank! Die Reisebüros sind leider nicht kulant wie man erwarten würde in der Situation!
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  • Kommentar von Ida Fischer (Ida Fiischer)
    Die Meldung betreffend der tödlichen Lungenpest wurde im Spiegel bereits am 29.9.17 verbreitet.« Madagaskar 19 Menschen sterben bei Ausbruch der Pest». Andererseits hat das Militär schon lange den absolut tödlichen Virus gesucht und angeblich vor ca. 2 Jahren schon gefunden. Danach diskutierte die Fachwelt ob man die Info preisgeben solle um ein Gegenmittel zu suchen oder nicht. Na ja bitte nicht zu viel überlegen das kann den schönen Tag verderben.
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  • Kommentar von Patrick Stäubli (Surgeon)
    Und warum wird keine Reisewarnung vom EDA ausgesprochen? Und wenn es Spanien als Reiseziel treffen würde? Welcher Tourist will da noch seine lange vorher gebuchte Reise antreten? Warum sieht das Grossbritannien, Australien und die UAE anderst und raten Ihren Bürgern davon ab? Safetravel.ch empfiehlt Antibiotika als Prohylaxe gegen Malaria mit dem Hinweis es sei nicht bewiesen dass es gegen Pest nützt. Warum wird dann nicht Malarone empfohlen? Ists doch aus Sorge wegen der Lungenpest?
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Malarone ist ein Mittel gegen Malaria
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    2. Antwort von Patrick Stäubli (Surgeon)
      Das ist mir klar Frau Wüstner, aber wenn auf safetravel.ch empfohlen wird Antibiotika (Doxycyclin) als Malaria-Prophylaxe bis zu 4Wochen nach Rückkehr einzunehmen, anstelle von Malarone welches nur 7 zusätzliche Tage verlangt, warum dies, in Zeiten von Antibiotika-Resistenzen? Komisch, das Tropeninstut ZH empfiehl mir Doxicyclin als Pest und gleichzeitig Malaria Prophylaxe?! Bei Pest verfehlt es seine Wirkung bei 10% der Patienten. Kein Grund für eine Reisewarnung?
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    3. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Das verstehe ich nicht Stäubli. Ich habemich nur bei einem Arzt wegen Malarone erkundigt. Ich hatte es mal als Notpackung im Reisegepäck gegen Malaria. Auf meine jetzige Frage, war die Antwort auch, es ist nur gegen Malaria. Aber Reisrwarnungen wären schon notwendig, dass man zumindest ein Notmedikament bei sich hat.
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