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Trump spricht im Kongress «Er wird jeden Tag besser»

Donald Trumps ungewohnt leise und demütige Rede kommt bei Politikern unterschiedlich an. Während ihn einige hervorragend finden, halten ihn andere lediglich für einen guten Schauspieler.

Der erzkonservative Republikaner Steven King aus Iowa ist seit 2003 Abgeordneter in Washington. Auftritte des Präsidenten vor dem Kongress waren für ihn in den letzten acht Jahren eine Qual. Dieses Mal habe er sich keine Sorgen machen müssen. «Inhaltlich war die Rede voll auf meiner Linie», sagt er. Er findet, Präsident Donald Trump habe den richtigen Ton angeschlagen.

«Fokussierte Rede. Unspektakulär. Positiv.»

Auch der Republikaner Charlie Dent aus Pennsylvannia ist zufrieden: «Es war eine fokussierte Rede. Unspektakulär, und ich meine das positiv», sagt Dent. Er hatte sich vor ein paar Tagen als einer der wenigen in seiner Partei noch gegen die Einreisesperre Trumps ausgesprochen.

Nur weil Trump ein paar nette Dinge über Kranke, Soldaten und Polizisten sagt, ist er noch lange kein guter Mensch, sondern nur ein guter Schauspieler.
Autor: Keith EllisonStellvertretender Parteichef der Demokraten

Viele Demokraten scheinen dagegen vom moderaten Ton überrumpelt. Mit diesem Donald Trump hatten sie nicht gerechnet: «Ich verarbeite das immer noch», sagt Senatorin Kamila Harris aus Kalifornien. Keith Ellison, seit letztem Wochenende stellvertretender Parteichef der Demokraten und schwarzer Muslim aus Minnesota, warnt: Man dürfe sich nicht täuschen lassen. «Nur weil Trump ein paar nette Dinge über Kranke, Soldaten und Polizisten sagt, ist er noch lange kein guter Mensch. Er ist kein guter Mensch, sondern nur ein guter Schauspieler.»

Eine Frau weint in einer Menschenmenge. Die Leute um sie stehen und klatschen.
Legende: Auch an Emotionen fehlte es während Trumps Rede nicht: Beifall für die Witwe eines Soldaten, der in Jemen starb. Keystone

Inhaltlich blieb sich Trump treu. Er liess seine Wahlversprechen erneut Revue passieren: America First, strengere Kontrolle bei der Einwanderung, eine Steuerreform, ein neues Krankenkassensystem.

Mehr Fleisch am Knochen

Und ausgerechnet er, der das Land mit seinen Aussagen und Handlungen so oft spaltet, rief die Demokraten dazu auf, mit ihm und den Republikanern zusammenzuarbeiten. Senator Chris Coons, ein Demokrat aus Connecticut, kann sich das bei den Infrastrukturvorhaben durchaus vorstellen. Aber nicht, wenn sie privat finanziert seien. «Und der Teufel steckt im Detail.» Da stehe noch viel Arbeit an, sagt er. Zudem hätten sich viele Politiker etwas mehr Fleisch am Knochen gewünscht.

Es wäre scheinheilig gewesen, Trumps Hand zu schütteln.
Autor: Eliot EngelDemokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses

Paul Ryan, der Fraktionschef der Republikaner im Abgeordnetenhaus, läuft mit grossen Schritten an den Journalisten vorbei: Er müsse noch in sein Büro, sagt er lachend, und weicht so den Fragen aus. Eliot Engel, demokratisches Mitglied des Repräsentantenhauses für den Bundesstaat New York, sass in den letzten 28 Jahren immer auf einem Stuhl neben dem Gang – damit er dem Präsidenten die Hand schütteln kann. Dieses Mal nicht: «Es wäre scheinheilig gewesen, Trumps Hand zu schütteln, so, als wäre ich mit seiner Politik zufrieden. Das war mein persönlicher Protest».

«Trump wird jeden Tag besser»

Das alles kümmert Kevin McCarthy, einen der mächtigsten Republikaner im Kongress, wenig. Er ist froh, ging alles reibungslos über die Bühne. Hat er Trump ein paar Tipps für die Rede gegeben? Nein, sagt er, das habe Trump nicht nötig. Es sei wie mit jedem Job, man müsse sich zuerst einleben. «Trump wird jeden Tag besser.»

18 Kommentare

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  • Kommentar von Niklaus Bächler («Ist ein Gutmensch etwas Schlechtes»?)
    Wer seine Rede mitverfolgt hat,muss erkennen, dass am Ende eigentlich nur warme Luft produziert wurde. Wie ein narzisstischer Gockel trug Trump seine diesmal etwas weich gespülten Ideen vor. Nichts Neues und schon gar nicht, wie dies alles geschehen soll und, zu welchem Preis. Wir werden in den kommenden Monaten mitverfolgen können,was sich ändern wird.Ich vermute jedoch,dass am Schluss der kleine Mann der grosse Verlierer sein wird.Ich traue diesem Mann einfach nicht.
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    1. Antwort von E. Waeden (E. W.)
      Also wenn er, wie Sie meinen, eigentlich nur warme Luft produziert hat, müsste es mit der viel warmen Luft von Obama in seinen Amtsjahren, nicht nur in Amerika, sondern überall auf der Welt jetzt heftige, andauernde Föhnstürme geben. Kommt mir in den Sinn, dass hier in der CH für Samstag heftige Föhnstürme angekündigt sind!:-) Über den Atlantik dauert es halt länger. So ca. 8 + Jahre!
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    2. Antwort von Hans Haller (panasawan)
      Was immer Trump macht, es hagelt Kritik und in den Medien ablehnende und sogar sehr böse Worte. Genau so funktioniert Mobbig. Die Rede war wohl heisse Luft wie es voellig normal ist bei Politikern, Bloggern ob im Weissen Haus oder in Winterthur.
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  • Kommentar von Thomas F. Koch (dopp.ex)
    Wie alle Präsidenten vor und nach ihm, werden wir ihn & seine Arbeit erst am Schluss def. beurteilen können. Bisher hat er nur Erlasse auf bestehenden Gesetzen erlassen. Neue Gesetze muss er erst durch bringen. Paradox ist: über saubere Luft und Wasser zu reden, aber vor Wochen das Gegenteil zu erlassen. Gewalttaten bekämpfen zu wollen, ohne Waffengesetze zu ändern. Wenn er es schafft, KK-Prämien zu senken & Ges.-Versorgung zu erhöhen, dann wird er sogar zum Vorbild der Gesundheitspolitiker.
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  • Kommentar von Lily Baumann (Medinilla)
    Jetzt hat ER doch tatsächlich noch Kreide gefressen :-)
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