Erdbeben in China: Wettlauf gegen die Zeit

Nach dem stärksten Erdbeben seit Jahren in Chinas südwestlicher Provinz Yunnan ist die Zahl der Todesopfer auf
rund 600 gestiegen. Die Zeit wird knapp, denn noch immer sind viele Menschen unter Trümmern begraben.

Rettungskräfte in oranger Kleidung und ein gelber Bagger an einem steilen Hang.

Bildlegende: Rettungskräfte gehen durch eine kollabierte Strasse in Ludian, Yunnan. Reuters

Nach dem schweren Erdbeben im Südwesten Chinas arbeiten sich die Retter langsam in entlegene Dörfer vor. Zwei Tage nach dem stärksten Beben seit Jahren in der Provinz Yunnan stieg die Zahl der Todesopfer auf 589; etwa 2400 Verletzte wurden gemeldet.


«Man hat 72 Stunden Zeit, um die Menschen zu bergen»

3:09 min, aus SRF 4 News aktuell vom 06.08.2014

Wasserversorgung Hunderttausender betroffen

«Es ist ein Rennen gegen die Zeit», sagt SRF-Ostasienkorrespondent Urs Morf. «Man weiss erfahrungsgemäss, man hat etwa 72 Stunden Zeit.» Die Chancen, dass Leute lebend geborgen werden können, würden nach Ablauf dieser Zeit schwinden.

Wegen starken Regens warnten Gesundheitsexperten zudem vor dem Ausbruch von Seuchen. Die Erdstösse beschädigten auf einer Länge von 300 Kilometern Wasserrohre. Die Wasserversorgung von mindestens 300'000 Menschen ist beeinträchtigt.

Helfer in einem zerstörten Gebiet.

Bildlegende: Rund 20'000 Helfer kämpfen gegen die Zeit, um noch möglichst viele Menschen lebend zu bergen. Reuters

Schwere Bedingungen für Retter

Etwa 20'000 Soldaten, Polizisten und zivile Helfer waren in die Unglücksregion geeilt. «Ich war erstaunt, wie schnell diese Rettungsaktion in Gang gekommen ist», sagt Morf. Es würden ausserdem Drohnen eingesetzt, um sich einen Überblick über die Lage in dem Gebiet zu verschaffen. Das helfe, schnell die richtigen Entscheidungen zu fällen.

Auch 800 Räumfahrzeuge wurden in die Region gebracht, um Schutt und Geröll von versperrten Strassen zu schaffen. «Die Helfer kämpfen mit grossen Widrigkeiten. Es gibt immer wieder neue Erdrutsche. Strassen, die bereits frei geräumt wurden, werden erneut verschüttet», erzählt Morf. Den Rettungskräften macht bei ihrer Bergung zudem ein grosser, nach dem Beben entstandener See zu schaffen. Über eine Breite von 300 Metern war Schutt in ein Tal gestürzt und hat einen Fluss zu einem fünf Kilometer langen See anschwellen lassen.

Wasser kontrolliert ablassen

Wegen des heftigen Regens steigt das Wasser in dem See stündlich um einen halben Meter an. Der See drohe über diesen neuen Damm zu schwappen. Dann wäre das ganze darunterliegende Gebiet zusätzlich gefährdet. Nun versuchten Soldaten der Armee Sprengstoff anzubringen, um eine Bresche in den Schutzdamm zu sprengen, «damit das Wasser kontrolliert abfliessen kann», sagt Morf.