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Erdöl, Waffen und Saatgut Staatsbesuch aus Nigeria – ein Geben und Nehmen

Auf den ersten Blick mag der Besuch von Muhammadu Buhari in Washington überraschen. Denn US-Präsident Donald Trump bezeichnete doch erst kürzlich Staaten auf dem afrikanischen Kontinent als «Dreckslochländer». Weshalb lädt Trump einen Präsidenten eines Landes ein, das er verachtet? Ebenso kann man sich wundern, wieso ein afrikanischer Präsident eine solche Einladung akzeptiert.

Doch Nigeria ist nicht irgendein «Drecksloch», sondern die grösste Volkswirtschaft Afrikas. Ausserdem ist es der grösste Ölexporteur auf dem Kontinent. Allein die USA importieren jährlich für 600 Millionen Franken Rohöl aus dem westafrikanischen Staat. Es gibt für einen US-Präsidenten also durchaus strategische Gründe, etwas freundlich zu den Afrikanern zu sein und frühere Äusserungen über den Kontinent und seine Bewohner zu präzisieren.

Höfliche Zurückhaltung Buharis

Er wisse durchaus, dass einige Länder in Afrika mit allerhand Problemen kämpften und die Lebensbedingungen dort sehr hart seien, erklärte Trump im Rosengarten des Weissen Hauses. Der nigerianische Präsident Buhari seinerseits gab sich sehr diplomatisch. Da er nicht genau wisse, ob sich der US-Präsident wirklich so herablassend über afrikanische Länder geäussert habe, gebiete es die Höflichkeit, darüber besser zu schweigen.

Für Buharis Zurückhaltung gibt es ebenfalls gute Gründe. Die US-Regierung bewilligte jüngst den Verkauf von zwölf Militärflugzeugen und einer unbekannten Zahl von Kampfhelikoptern an Nigeria. «Wir produzieren die besten Rüstungsgüter der Welt, und unsere afrikanischen Freunde könnten diese nun kaufen», erklärte Trump.

Unter Präsident Barack Obama haben die USA einen solchen Verkauf aus Sorge um die Menschenrechtslage in Nigeria noch abgelehnt. Die Trump-Regierung will den Kampf gegen die islamistische Terrormiliz im Norden des Landes dagegen militärisch aktiver unterstützen.

Den Wahlversprechen verpflichtet

Es gebe ein ernsthaftes Problem in Nigeria. Immer wieder würden Christen ermordet. Man werde sehr, sehr hart daran arbeiten, das Problem nun zusammen zu lösen, so Trump. Das werden seine fundamental-christlichen Anhänger gerne hören. Buhari, muslimischer General aus dem Norden Nigerias, wird ihm vielleicht berichtet haben, dass unter den Tausenden von Terroropfern von Boko Haram mindestens so viele Muslime wie Christen waren.

Doch vielleicht hat er auch nichts gesagt, weil er für jede Unterstützung dankbar ist, die ihm hilft, das Problem Boko Haram endlich zu lösen. Auch drei Jahre nach seiner Wahl und seinem Versprechen, die islamistische Miliz auszurotten, terrorisiert sie die Bevölkerung im Norden Nigerias nach wie vor.

Gute Miene zu Trumps Kritik

Ganz ohne Gegenleistung gibt es die besten Rüstungsgüter der Welt übrigens nicht. Trump beklagte sich beim nigerianischen Präsidenten, dass amerikanische Saatgut- und Dünger-Produzenten in westafrikanischen Land zu hohe Einfuhrzölle bezahlen müssten. Auch diese Kritik nahm Buhari lächelnd entgegen. Eine Staatsvisite ist ein Geben und Nehmen.

Einen nicht unwesentlichen Teil seiner bisherigen Amtszeit verbrachte der gesundheitlich angeschlagene Buhari in einer Klinik in London. Trotzdem will er nächstes Jahr zur Wiederwahl antreten. Ein strahlender Fototermin mit dem mächtigsten Mann der Welt ist dabei mehr wert als jedes ärztliche Attest.

Patrik Wülser

Patrik Wülser

Leiter Auslandredaktion, SRF

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Patrik Wülser ist Leiter der Auslandredaktion von Radio SRF. Von 2011 bis 2017 war er Afrikakorrespondent für SRF und lebte mit seiner Familie in Nairobi (Kenia).

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