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International Erdogan: «Proteste haben keine Berechtigung»

Der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan hat ein sofortiges Ende der Proteste gefordert. Die Demonstationen hätten jegliche Grundlage verloren. Zudem ist für Erdogan klar, wer eigentlich hinter den Protesten steckt.

Legende: Video Gegendemo für Erdogan in der Türkei abspielen. Laufzeit 01:59 Minuten.
Aus Tagesschau vom 07.06.2013.

Vor Anhängern seiner islamisch-konservativen AKP-Partei sagte Erdogan, die Demonstrationen müssten sofort aufhören. Sie hätten ihre demokratische Berechtigung verloren und seien zu Vandalismus geworden.

«Protest-Dorf»

Zur Kritik seiner Gegner unter Anspielung auf den Wahlsieg von 2011, dass er der Ministerpräsident von 50 Prozent der Türken sei, sagte Erdogan: «Es ist nicht wahr.» Die Regierung stehe im Dienst aller Türken. Erdogan forderte seine Anhänger auf, friedlich nach Hause zu gehen. In Slogans hatten Anhänger ein gewaltsames Vorgehen gegen die Proteste am Taksim-Platz verlangt.
 
Die Demonstranten machten keine Anstalten, ihr Protestlager am Taksim-Platz in Istanbul zu räumen. «Wir bleiben hier. Wir kämpfen weiter. Mit seinen Drohungen kann er uns nicht einschüchtern», so eine Frau. Das Camp im Gezi-Park hat nach dem Abzug der Polizei immer mehr den Charakter eines Dorfes mit Zelten, Verkäufern und Kulturveranstaltungen bekommen.

Terrorismus-Vorwurf

An der gewaltsamen Räumung des Lagers hatten sich in der vergangenen Woche die Proteste in vielen Städten entzündet. In Istanbul gab es in mindestens einem Stadtteil neue Zusammenstösse. Zehntausende waren in der Nacht rund um den Taksim-Platz auf den Strassen.

Erdogan hatte bereits zuvor klargemacht, dass er trotz der Protestwelle an einem heftig umstrittenen Bauprojekt im Istanbuler Gezi-Park festhalten will. Zugleich beschuldigte er Linksextremisten, hinter den Protesten zu stecken. «Unter den Demonstranten gibt es Extremisten, einige sind mit dem Terrorismus verbunden.»

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6 Kommentare

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  • Kommentar von Alex Bauert, Köniz
    Erdogan zeigt sein wahres Gesicht, sein islamisches, diktatorisches Gesicht. Keine Spur von Demokratieverständnis, nur autoritär-diktatorisches Vorgehen und Drohungen, die in bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen der Türkei in hohem Masse schaden könnten. Man stelle sich Demonstrationen von beiden Seiten vor, die gleichzeitig statt finden. Wirtschaftswachstum ist nicht alles, die TürkenInnen wollen auch leben!
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  • Kommentar von Amr ibn al-As, Basel
    Ist doch wirklich interessant, dass Erdogan nun vom selbsternannten Gerechten, der Assad bisher immer als Tyrannen abgestempelt hat (was er eigentlich auch ist), nun sich wandelt und selber die gleiche Rhetorik gegen sein eigenes demonstrierendes Volk anwendet. Ist das nicht ironisch? Fehlt nur noch, dass er die demonstrierenden Massen mit Waffengewalt bekämpft, und er wird sich nicht mehr von Assad unterscheiden, nur dass er ein sunnitisch-hanafitischer Autokrat ist. Nichts Neues im Osten.
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  • Kommentar von Susanne Lüscher, 9200 Gossau
    „Die Demokratie ist nur der Zug, auf den wir aufsteigen, bis wir am Ziel sind. Die Moscheen sind unsere Kasernen, die Minarette unsere Bajonette, die Kuppeln unsere Helme und die Gläubigen unsere Soldaten.“ Dies waren die Worte, welche Erdogan in einer Rede 1997 hielt.
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    1. Antwort von Juha Stump, Zürich
      Das stimmt zwar, Frau Lüscher, aber diese Worte sind inzwischen von der Wirklichkeit überholt worden. Seit dem Beginn des sog. arabischen Frühlings bekehren sich in der arabischen Welt JEDEN TAG mehrere Hundert Menschen zu Jesus Christus, so wie schon vorher im Iran jede Woche, und bald werden wir dieses endzeitliche Phänomen auch in der Türkei erleben - es gibt schon jetzt Anzeichen. Ob Erdogan weiter an der Macht bleiben wird oder nicht, spielt dabei keine so grosse Rolle.
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