Erschütternder Bericht: Mehr als 200 Opfer von Jimmy Savile

Die Londoner Polizei hat einen umfassenden Bericht über die Verbrechen von Jimmy Savile veröffentlicht. Der einstige Star-Moderator der BBC hatte in über 54 Jahren mehr als 200 meist junge Opfer sexuell missbraucht.

«Jimmy das Monster» steht auf einem Landhaus, das Savile gehörte.

Bildlegende: Jimmy the Beast: Graffiti an einem Landhaus in Schottland, das Jimmy Savile gehörte. Reuters

BBC-Starmoderator Jimmy Savile ist im Oktober 2011 84jährig verstorben. Erst nach seinem Tod wurden die längst bekannten Vorwürfe von sexuellem Missbrauch untersucht. Die Briten sind schockiert über das Ausmass, die Dauer und die Straflosigkeit des Kindsmissbrauchs eines Prominenten. Bringt der epische Missbrauch des Jimmy Savile eine Wende im öffentlichen Bewusstsein?

Jimmy Savile wird des vielfachen sexuellen Missbrauchs bezichtigt.

Bildlegende: Jimmy Savile: Er soll laut Polizeibericht mehr als 200 Menschen sexuell missbraucht haben. Keystone

Die Aufzählung ist erschütternd: Zwischen 1955 und 2009 hatte Jimmy Savile, eines der Aushängeschilder der Unterhaltungsprogramme der BBC am Radio und am Fernsehen, mindestens 214 Opfer missbraucht. In 34 Fällen hat er sie vergewaltigt. Die Opfer waren mehrheitlich zwischen 13 und 16 Jahre alte Mädchen, aber das jüngste war ein achtjähriger Knabe.

Infolge seiner wohltätigen Aktivitäten, die Savile auch einen Ritterschlag einbrachten, hatte er ungehinderten Zugang zu Spitälern. In 13 von ihnen fand er seine Opfer. Seine Kriminalität erstreckte sich über England, Schottland, Wales und die Kanalinseln – 28 Polizeidistrikte trugen ihre Erkenntnisse zur Untersuchung bei.

Savile, der sich mit Vorliebe in schreiende Farben oder Gold kleidete und phallische Zigarren rauchte, brauchte sich nicht zu verstecken: Seine Prominenz verlieh ihm eine Tarnkappe.

Zusammentreffen von Macht und Verletzlichkeit

Peter Spindler führte die Polizeiuntersuchung und stellt fest, dass Savile seine Berühmtheit missbraucht habe. Der abstossende Fall offenbare die Konsequenzen eines Zusammentreffens von Verletzlichkeit und Macht. So, wie weniger prominente Pädophile ihre jungen Opfer mit Geschenken und Schokolade gefügig machten, so habe sich Savile die gesamte Nation gefügig gemacht, schliesst der Bericht.

BBC drückte beide Augen zu

In der Rückschau wird unübersehbar, dass Savile sein ganzes Leben darauf ausgerichtet hatte, leichten Zugang zu seinen Opfern zu gewinnen. Seine Kinderprogramme, seine karitativen Aktionen, seine Fürsorge für Spitäler und Kinderheime: alles ordnet sich seiner verschlagenen, kriminellen Energie unter. Zum Gelingen bedurfte er des institutionellen Schweigens. Die BBC drückte beide Augen zu, Kindern, die sich beklagten, wurde kein Glauben geschenkt.

Kein Strafverfahren zu Lebzeiten

Die Staatsanwaltschaft hat sich heute förmlich entschuldigt, dass sie in mindestens drei Fällen trotz ausreichender Beweislage keine Strafverfahren zu Lebzeiten des Täters eröffnet hatte. Der Leiter der Strafverfolgungsbehörde, Keir Stamer, nannte den beispiellosen Fall heute eine Wasserscheide: er drückte damit die Überzeugung, oder vielleicht auch nur die Hoffnung aus, dass gerade das monumentale Ausmass dieses Falls und die Prominenz des Täters zu einem echten gesellschaftlichen Umdenken führen könnten.

Kindern künftig Glauben schenken

 Savile ist nicht einfach ein weiterer Schwimmlehrer oder Priester, der auch ein paar Kinder missbraucht hat: er sprengt die Grenzen des bisher Vorstellbaren. Sein Fall könnte also dazu führen, dass britischen Kindern künftig mehr Glauben geschenkt wird.