Erste Aufrufe zum Verlassen Ägyptens

Verstörende Bilder aus Ägypten: Touristen am Strand, im Hintergrund brennende Städte. Jetzt rufen die USA und skandinavische Länder ihre Bürger auf, das Land zu verlassen. Das EDA hat bis Donnerstagabend noch verzichtet, das ganze Land als kritisch einzustufen.

Hinter einem Strand mit Badenden steigt Rauch aus Gebäuden.

Bildlegende: Viele Ägypter versuchen die Unruhen auszublenden. Mehreren Ländern ist es zu brenzlig: Sie rufen ihre Bürger zurück. Twitter/@Yahyadiwer, 14.8.2013

Die USA haben nach den blutigen Auseinandersetzungen in Ägypten ihre Bürger aufgefordert, das Land zu verlassen. Die US-Botschaft soll vorerst aber geöffnet bleiben. Reisende wurden aufgerufen, sich in örtlichen Medien über die Sicherheitslage zu informieren.

Auch skandinavische Reiseveranstalter reagieren auf die Unruhen. Laut der dänischen Nachrichtenagentur Ritzau entschieden sich mehrere Firmen, ihre Kunden aus Ägypten zurückzuholen. Es sollen mehrere hundert Dänen, Norweger und Schweden betroffen sein. Künftige Reisen werden demnach bis Anfang Oktober eingestellt.

EDA klammert Rotes Meer von Warnung aus

Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) hat seine Reisehinweise ebenfalls angepasst. «Am 14. August hat die Übergangsregierung den Ausnahmezustand für mindestens 30 Tage ausgerufen. Die weitere Entwicklung der Lage bleibt ungewiss», schreibt das EDA.


«Viele haben jetzt Angst vor einem Bürgerkrieg»

3:27 min, aus SRF 4 News aktuell vom 16.08.2013

Allerdings werden die Feriendestinationen am Roten Meer noch nicht als kritisch eingestuft. Seit Anfang Juli empfiehlt das EDA den Touristen, die nach Ägypten reisen möchten, sich auf die dortigen Badeorte zu beschränken. Von Reisen in die übrigen Landesteile wird abgeraten.

Weiter schreibt das EDA: «Informieren Sie sich auch an den Bade- und Touristenorten über die Entwicklung der Lage. Befolgen Sie die Anweisungen der ägyptischen Sicherheitsbehörden (z.B. Ausgangssperren) und meiden Sie Demonstrationen und Menschenansammlungen jeder Art. Bleiben Sie in Kontakt mit Ihrem Reiseveranstalter.»

Vorläufig keine Annullationen

«Bis jetzt registrieren wir weder Umbuchungswünsche noch Annullationen», sagt Prisca Huguenin-dit-Lenoir, Mediensprecherin des Reiseveranstalters Hotelplan Suisse, auf Anfrage von SRF News Online. In den Ferienanlagen sei vorläufig alles ruhig. Solange die Gäste die Anlagen nicht verlassen, würden sie von den Unruhen nichts merken. «Wir stehen in ständigem Kontakt mit den lokalen Veranstaltern und informieren uns laufend über die Situation.»

Sharm el Sheik

Bildlegende: Sharm el Sheik: Die Reiseveranstalter stehen in ständigem Kontakt mit den lokalen Anbietern. Reuters

Beim Reiseveranstalter Kuoni teilt man diese Einschätzung. Am Mittwochabend seien die Ägypten-Reisenden kontaktiert worden, sagte Sprecher Peter Brun. Offenbar präsentiere sich die Situation unverändert. Derzeit befänden sich 450 Kuoni-Kunden im nordafrikanischen Land. Bei TUI Suisse sind es derzeit rund 200 Gäste.

Über 350 Kunden von Hotelplan Suisse sind am Roten Meer in den Ferien. Diese Zahl liegt weit unter dem Niveau von vor dem Arabischen Frühling. «Im Vergleich zu 2011 haben wir dieses Jahr 67 Prozent weniger Passagiere», sagt Huguenin-dit-Lenoir. «Entsprechend haben wir unser Angebot seit einiger Zeit verkleinert.»

Reaktion auf Vorgaben des EDA

Eine Entwicklung der Last-Minute-Buchungen für die nächsten Tage und Wochen ist noch nicht abzuschätzen. Dafür sei es so kurz nach den heftigen Zusammenstössen noch zu früh. Hotelplan versucht laut Huguenin-dit-Lenoir jedenfalls nicht, freie Kapazitäten mit massiven Preisnachlässen zu «verramschen».

Pyramide

Bildlegende: Nach EDA-Warnungen sind Ausflüge zu den Pyramiden bis auf weiteres nicht mehr im Angebot. Reuters

Hotelplan Suisse halte sich an die Vorgaben des EDA, sagt Huguenin-dit-Lenoir. Seit Anfang Juli werde generell von Reisen nach Ägypten – ausser zu den Badeorten am Roten Meer – abgeraten. Man biete deshalb Reisen nach Kairo oder Nil-Kreuzfahrten seither nicht mehr an. Falls auch von Reisen ans Rote Meer abgeraten werde, würde der Reiseveranstalter das Angebot völlig einstellen.

Auch Kuoni will in diesem Fall die Lage neu beurteilen. Gemäss Sprecher Brun seien dann von spesenfreien Umbuchungen und Stornierungen bis zu Rückholaktionen verschiedene Massnahmen denkbar.