Erste Kometenlandung in der Geschichte der Raumfahrt steht bevor

Die europäische Raumfahrtagentur ESA wagt sich heute an eine Premiere. Die Raumsonde Rosetta wird sich in wenigen Stunden – nach zehnjähriger gemeinsamer Reise durchs All – von ihrem Lander Philae trennen und das Minilabor auf dem Kometen Tschurjumov-Gerasimenko absetzen. So der Plan.

Grafik auf der zu sehen ist, wo Philae auf dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko landen soll.

Bildlegende: Auf dieser Stelle des Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko soll Philae landen. Keystone

Philaes Kometenlandung ist ein Wurf – im wahrsten Sinn des Wortes. Denn der Lander hat kein eigenes Navigationssystem und kann sein Ziel nicht selbständig ansteuern. Vielmehr wird er von der Raumsonde Rosetta, an der er jetzt noch hängt, abgestossen und regelrecht auf den Kometen Tschurjumow-Gerassimenko fallen gelassen.

Das klingt ziemlich primitiv, verlangt den Fachleuten vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt jedoch einiges ab. Sie steuern die optimalen Ausgangsbedingungen für Philaes Landung und müssen Rosetta in die richtige Position bringen, damit das kosmische Wurfmanöver gelingen kann.

Landung muss perfekt sein

Einmal losgelassen, wird Philae Richtung Komet schaukeln, und dort hoffentlich mit seinen drei Beinen voran auf dem angepeilten Landeplatz aufsetzen. Kippt das Minilabor um, oder landet es gar auf dem Kopf, ist die Mission Geschichte. Denn Philae wird aus dieser Position keine Funksignale senden und keine Experimente ausführen können. Dasselbe gilt natürlich auch, wenn das kühlschrankgrosse, 360 Millionen Franken teure Teil den Kometen verpasst und stattdessen in die Tiefen des Alls segelt.

Doch die Choreografie ist eine andere: Vor der Landung soll Philae sein Fahrgestell entfalten, dann mit seinen Füssen sanft auf dem Kometen aufsetzen, diese sogleich in den Boden bohren und zusätzlich zwei Harpunen auswerfen. Tschurjumow-Gerassimenko ist mit seinem mittleren Durchmesser von nur gerade 4,5 Kilometern nämlich so klein, dass er kaum eine Anziehungskraft besitzt und Philae ohne Verankerung vermutlich am Kometen abprallen und wie ein Ball hoch springen würde.

Kometen sind Zeitkapseln

Bisher wurde noch nie einer dieser urtümlichen Brocken aus Eis, Staub und organischen Verbindungen aus der Nähe erforscht. Kometen sind eine Art Zeitkapseln, die einfaches Material enthalten aus jener Epoche als sich Sonne und Planeten formten. Das Baumaterial dieser 4,5 Milliarden Jahre alten Himmelskörper interessiert die Forschenden daher ganz besonders. Denn Kometen könnten nicht nur das Wasser auf unseren Planeten gebracht haben, sondern auch die Grundbausteine für jene chemischen Verbindungen, die auf der Erde schliesslich zum Leben erwachten.