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International «Es gibt immer Bombendrohungen bei Länderspielen»

Die kurzfristige Absage des Länderspiels Deutschland – Niederlande in Hannover wirft Fragen auf. Zwar seien Bombendrohungen bei Grossanlässen die Regel, erklärt Helmut Spahn, Generaldirektor des Internationalen Zentrums für Sicherheit im Sport. Der gestrige Entscheid sei aber folgerichtig gewesen.

Helmut Spahn
Legende: Helmut Spahn: «Die Entscheidung war absolut richtig.» Reuters/Archiv

Nach den Anschlägen in Paris hätte das Länderspiel Deutschland – Niederlande in Hannover zu einem kraftvollen Zeichen gegen terroristische Gewalt werden sollen – mit Bundeskanzlerin Merkel und Innenminister De Maiziere auf der Tribüne. Mit der Absage aus Sicherheitsgründen wurde es letztlich aber nur ein weiteres Zeichen für Terrorismus.

Klare Kriterien zur Einordnung von Bedrohungslagen

Wenn aufgrund von Geheimdienstdienst-Informationen eine Gefährdung der Zuschauer nicht ausgeschlossen werden könne, gebe es im Prinzip nur diese eine Entscheidung, sagt Helmut Spahn, Generaldirektor des Internationalen Zentrums für Sicherheit im Sport in Doha.

Laut Spahn sind bei Länderspielen und grossen Veranstaltungen Bombendrohungen an der Tagesordnung. Es gebe klare Kriterien, Bedrohungslagen und Anschlagsszenarien seriös einzuordnen. Der Entscheid, ob ein Stadion befüllt werden soll, müsse dann relativ schnell getroffen werden. Für Durchsuchungsmassnahmen sei es nach dem Eintritt der Fans zu spät.

Es war hundertprozentig mit Verrückten und Wahnsinnigen zu rechnen, die auf der Welle reiten.
Autor: Helmut SpahnGenerealdirektor, Internationales Zentrum für Sicherheit im Sport, Doha

Beim geplanten Spiel in Hannover war nach den Worten von Spahn hundertprozentig damit zur rechnen, dass «es Verrückte und Wahnsinnige gibt, die auf dieser Welle reiten». Diesbezüglich sei man wohl vorbereitet gewesen. Der gestrige Fall habe aber noch eine andere Qualität erhalten, sei er doch über Nachrichtendienst, Verfassungsschutz und Innenministerium nach Niedersachsen gelaufen.

Solche Szenarien würden auch geübt, erklärt Spahn, der Sicherheitschef bei der Fussballweltmeisterschaft 2006 in Deutschland war. Mit dem damals erarbeiteten Sicherheitskonzept seien alle erdenklichen Szenarien durchgespielt worden. «Dazu gehörten ein Terroranschlag im Stadion mit Hunderten von Verletzen ebenso wie Epidemien und Gesundheitsprobleme oder verspätet im Stadion eintreffende Mannschaften.»

Hoffen auf sensibilisierte Fans

Spahn geht davon aus, dass die nochmals verschärften Sicherheitsvorschriften zu einem Ressourcenproblem führen werden. Allerdings sei es völlig normal, nun das Sicherheitsgefühl der Zuschauer mit erhöhter Polizeipräsenz zu erhöhen.

Aber auch alle Zuschauer seien sensibilisiert. «Ich hoffe und wünsche, dass sich am Wochenende die Zuschauer in den Stadien der Bundesliga benehmen, keine Böller und Pyrotechnik einsetzen und auch keinen Streit mit anderen Fangruppen suchen.»

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