«Es gibt tausende Malalas im Swat-Tal»

SRF-Korrespondentin Karin Wenger hat vor kurzem die Schule der Friedensnobelpreisträgerin Malala Yousafzai im pakistanischen Swat-Tal besucht. Dort sei die erst 17-Jährige ein grosses Vorbild. Eine Rückkehr in ihre Heimat wäre wegen der Bedrohung durch die Taliban aber zu gefährlich.

Eine Gruppe pakistanischer Schulmädchen

Bildlegende: Für die Mädchen an der Schule im Swat-Tal ist Malala das grosse Vorbild. SRF/Karin Wenger

SRF: Malala Yousafzai hat den Friedensnobelpreis gewonnen. Wofür steht dieses Mädchen?

Karin Wenger: Malala steht für Mut und Entschlossenheit, für Mädchenrechte und das Recht auf Bildung. 2009 hatte sie in einem Blog der BBC gegen die Taliban angeschrieben, die damals das pakistanische Swat-Tal unter ihrer Terror-Herrschaft besetzt gehalten und hunderte von Schulen zerstört hatte.

Die Armee konnte die Taliban nicht gänzlich vertreiben, wie sich im Oktober 2012 zeigte. Als Malala damals den Schulbus bestieg, folgte ihr ein Taliban und gab drei Schüsse auf sie ab. Malala überlebte den Angriff und tourt seither um den Globus, um sich für das Recht von Mädchen auf Bildung einzusetzen.

Malala mit Kopftuch

Bildlegende: Die Aktivistin für die Bildungsrechte von Mädchen kann wegen ihres Engagements nicht in ihre Heimat Pakistan zurück. Keystone

Sie haben vor kurzem die Schule Malalas im Swat-Tal besucht. Ist sie dort das grosse Vorbild?

Ja, das ist sie ganz sicher. Die jungen Schülerinnen vermissen Malala und wollen einmal so berühmt werden wie sie. Die Mädchenschule war voll von 200 lernbegierigen Kindern, die sich von den Taliban nicht abschrecken liessen. Die Mädchen sind überzeugt, dass Bildung eine bessere Zukunft bedeutet. Sie wollen Lehrerinnen oder Ärztinnen werden. Die Schulleiterin sagte entsprechend, es gebe nicht nur eine Malala, sondern Tausende Malalas im Swat-Tal.

Sie schloss aber eine Rückkehr Malalas in ihre Heimat kategorisch aus, dies sei viel zu gefährlich. Dass Malala als Vorkämpferin für die Bildungsrechte von Mädchen nicht in ihr Land zurückkehren kann, wo 60 Prozent der Kinder nicht lesen können, das ist pure Ironie.

Der zweite Preisträger, der indische Kinderrechtsaktivist Kailash Satyarthi, ist bei uns unbekannt. Was sind seine Verdienste?

Satyarthi gab seine Karriere als Elektroingenieur auf, um ausgebeuteten Kindern zu helfen. Er drang in Fabriken ein, um Kindersklaven zu retten, und hat so Tausende von Kindern befreit. Er gründete dann eine weltweite Bewegung gegen Kinderarbeit und leitet heute das Projekt Global Marching Against Child Labour. Das ist eine Vereinigung von 2000 Organisationen in 140 Ländern. Seit 1989 hat seine Organisation ungefähr 40‘000 Kindersklaven befreit und für sie ein Ausbildungszentrum aufgebaut.

Karin Wenger

Karin Wenger

Karin Wenger ist seit Frühling 2016 Südostasien-Korrespondentin von SRF in Bangkok. Sie berichtet über Indonesien, Malaysia, Philippinen, Thailand, Burma, Vietnam und weitere südostasiatische Länder. Wenger lebte zuvor sechs Jahre lang in der indischen Hauptstadt Neu Delhi. Früher berichtete sie als freie Journalistin aus dem Nahen Osten.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Friedensnobelpreis für Recht auf Bildung

    Aus 10vor10 vom 10.10.2014

    Der diesjährige Friedensnobelpreis geht an den Aktivist für Kinderrechte, Kailash Satyarthi und die tapfere junge Malala Yousafzai, die mit ihren 17 Jahren die bisher jüngste Preisträgerin ist. Sie kämpfte gegen die Taliban und dafür, dass auch Mädchen in die Schule gehen können.

  • Friedensnobelpreis für Kinderrechtler

    Aus Tagesschau vom 10.10.2014

    Der Friedensnobelpreis in diesem Jahr geht an die 17-jährige Malala Yousafzai aus Pakistan und den 60-jährigen Kailash Satyarthi aus Indien. Beide werden damit für ihren unermüdlichen Kampf für Kinderrechte geehrt.

  • Mädchen vor der Schule die Malala Yousafzai besucht hat.

    Schatten der Vergangenheit im Swat-Tal

    Aus Echo der Zeit vom 10.10.2014

    Die Pakistanerin Malala Yousafzai hat heute mit dem indischen Kinderrechtler Kailash Satyarthi den Friedensnobelpreis bekommen. Malala kommt aus dem pakistanischen Swat-Tal. Es galt als Schweiz Pakistans, bis die Taliban 2007 das Tal eroberten, und es zwei Jahre lang beherrschten.

    Karin Wenger war dort.

    Karin Wenger