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Proteste in Rumänien «Es herrscht ein grosser gemeinsamer Geist im Volk»

Die Demonstranten lassen sich nicht beruhigen, die Proteste gehen weiter. SRF-Korrespondent Urs Bruderer erklärt, warum.

Legende: Audio Die Strassenproteste in Rumänien gehen weiter abspielen. Laufzeit 2:34 Minuten.
2:34 min, aus HeuteMorgen vom 06.02.2017.

SRF: Die rumänische Regierung hat das umstrittene Dekret zur Strafmilderung bei Korruption zurückgezogen. Die Demonstranten haben ihr Ziel eigentlich erreicht. Warum gehen sie noch immer auf die Strasse?

Osteuropa-Korrespondent Urs Bruderer: Es ist ein Zeichen des tiefen Misstrauens, das die Menschen gegen diese Regierung haben. Sie glauben nicht wirklich, dass die Regierung tatsächlich auf der ganzen Linie nachgeben wird. Manche wollen aber noch mehr und fordern beispielsweise den Rücktritt der Regierung oder Neuwahlen. Vielen ist aber auch klar, dass die sozialdemokratische Partei die Wahlen klar gewonnen hat und damit legitimiert ist, die Regierung zu stellen. Sie fordern nur anständiges Regieren nach den demokratischen Grundregeln.

Die Proteste sind die grössten seit 1989 als Ceausescu an der Macht war. Aber sprechen die Demonstranten in Bukarest für eine Mehrheit im Land?

Ich denke schon. Was die Regierung da vorhatte, gefiel auch vielen ihrer eigenen Anhänger überhaupt nicht. Sie versuchten am Sonntag eine Gegendemonstration zu organisieren vor dem Präsidentenpalast. Sie fiel sehr kläglich aus, die Rede war von 1500 Leuten. An den Anti-Regierungs-Demonstrationen waren hingegen wirklich Unmengen von Leuten. Und diejenigen, die nicht teilnehmen konnten, traten bei ihrem Arbeitsplatz vor die Türe und applaudierten. Es herrschte ein grosser gemeinsamer Geist in der Bevölkerung.

Es wird schwierig, das Vertrauen wieder aufzubauen.
Autor: Urs BrudererSRF-Korrespondent

Ist die Regierung kurz vor dem Ende?

Die Regierung hat sich selber enormen Schaden zugefügt. Ihr Glaubwürdigkeitsproblem ist sehr gross. Sie versucht es zu bekämpfen mit einem Gegenangriff und mit Verleumdungskampagnen. Sie spricht davon, dass internationale Multis hinter den Protesten stünden. Diese Strategien sind gefährlich und helfen der Regierung wohl nicht. Es wird schwierig, das Vertrauen wieder aufzubauen.

Das Gespräch führte Hans Ineichen.

Urs Bruderer

Portrait von Urs Bruderer

Der Journalist wirkt seit 2006 für SRF, zunächst als Produzent der Sendung «Echo der Zeit». 2009 wurde er EU-Korrespondent in Brüssel. Seit 2014 berichtet Bruderer aus Osteuropa. Er hat Philosophie und Geschichte studiert.

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2 Kommentare

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  • Kommentar von Albert Planta (Plal)
    Unglaublich! Da gibt es tatsächlich eine Regierung, die Korruption begünstigen will. Ich hoffe für Rumänien, dass den Demonstranten den Schnauf nicht ausgeht und diese Regierung auf dem Müllhaufen der Geschichte landet.
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Warum schreiben Sie nicht über die enorme Arbeitslosigkeit im Lande, über die Perspektivelosigkeit der Mittel-und Unteren-Schichten der Bevölkerung? Die Menschen auf der Strassen werden Ihnen erklären, dass der Korruptionsgesetz nur das Schlagwort zum Ausbruch ist.Keine Regierung kann die Auflagen Brüssels erfüllen, weil die Wirtschafts-und Landwirtschaftsstrukturen nicht den EU-Normen entsprechen.Die Menschen singen die Hymne.Teilen Sie uns bitte die Erklärungen den Menschen auf der Strasse mit
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