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Macrons Versprechen «Es soll keinen Grund mehr geben, für die Extremen zu stimmen»

Macron gewinnt die Stichwahl gegen Le Pen klar. Er will sich für ein geeintes Frankreich und für Europa einsetzen.

Legende: Video Die Frankreich-Wahl am Tag danach abspielen. Laufzeit 04:29 Minuten.
Aus Tagesschau vom 08.05.2017.
  • Der 39-jährige Emmanuel Macron wird Frankreichs neuer Präsident.
  • Der pro-europäische Linksliberale setzt sich nach Auszählung fast aller Wahlzettel mit 66,06 Prozent gegen die rechtspopulistische Kandidatin Marine Le Pen durch.
  • Macron appellierte in der Rede vor seinen Anhängern an die Einheit Frankreichs.

Er wolle nun die Spaltung des Landes überwinden, sagte Macron in Paris. «Ich kenne die Wut, die Angst und die Zweifel» der Franzosen. Er respektiere die Überzeugungen der Menschen, die sich gegen ihn entschieden. Und: «Ich werde alles tun, damit es keinen einzigen Grund mehr geben wird, für die Extremen zu stimmen.» Sein Ziel sei es, «die Einheit der Nation zu sichern» und die Bürger wieder mit Europa auszusöhnen.

Ich werde Europa verteidigen. Die Schicksalsgemeinschaft, die sich die Völker unseres Kontinents gegeben haben.
Autor: Emmanuel MacronNeuer Staatspräsident Frankreichs
Emmanuel Macron auf einer Leinwand, davor sind Menschen mit Frankreich-Fahnen zu sehen.
Legende: Seine Anhänger jubeln Emmanuel Macron zu. Er will nun die Einheit Frankreichs wieder herstellen. Keystone

Le Pen gestand ihre Niederlage ein und gratulierte Macron zum Wahlsieg. Sie kündigte ihm aber – wenige Wochen vor der im Juni anstehenden Parlamentswahl – eine harte Opposition ihrer Partei Front National an.

«Frankreich hat die Kontinuität gewählt», sagte Le Pen, die Macron immer wieder als Erbe des scheidenden sozialistischen Präsidenten François Hollande tituliert hat. Das Abschneiden ihrer Partei sei historisch, sagte sie. Die Partei müsse sich nun aber erneuern, damit sie eine neue politische Kraft werden könne.

Zwei von drei wählten Macron

Nach Auszählung fast aller Wahlzettel kommt Macron auf 66,06 Prozent der Stimmen, Le Pen erhält 33,94 Prozent. Macron gewinnt somit mit grösserem Abstand, als von den letzten offiziellen Umfragen vorhergesagt worden war. Tausende Macron-Anhänger jubelten nach Bekanntgabe der ersten Hochrechnungen im grossen Innenhof des Louvre-Museums im Herzen der Hauptstadt.

Legende: Video Emmanuels Macrons Rede vor dem Louvre abspielen. Laufzeit 03:11 Minuten.
Aus News-Clip vom 07.05.2017.

Macron wird das jüngste Staatsoberhaupt seit Napoleon. Die Nachfolge des scheidenden Amtsinhabers François Hollande wird er spätestens am kommenden Sonntag antreten. Macron plant sozialliberale Reformen in Frankreich und will die Zusammenarbeit in der EU und in der Eurozone vertiefen. Den Sieg Macrons nannte Hollande ein Zeichen der Einheit. Die grosse Mehrheit der Bürger wolle sich um die Werte der Republik versammeln und ihre Zugehörigkeit zur EU zeigen.

Der Ausgang der Wahl ist nicht nur wegweisend für die französische Politik der kommenden Jahre. Der Urnengang galt auch als Schicksalswahl für Europa: Le Pen hatte ein Referendum über einen EU-Austritt Frankreichs angekündigt und ist gegen den Euro.

Le Pen etabliert Front National

Auch wenn Le Pen nicht in den Elyséepalast einzieht, hat sie das politische Gefüge in Frankreich massgeblich auf den Kopf gestellt. Der 48-Jährigen ist es gelungen, den FN als eine für viele Franzosen wählbare nationalistische Partei zu etablieren.

Macron muss nun ein gespaltenes Land einen und vor allem die enttäuschten Nicht-Wähler überzeugen. Dafür bleibt ihm wenig Zeit, denn bereits am 11. und 18. Juni steht die Parlamentswahl an.

Macron wird versuchen, eine eigene Mehrheit zu erringen. Obwohl seine Bewegung «En Marche!» erst vor einem Jahr gegründet wurde und ihr der Unterbau einer etablierten Partei fehlt, sind einige Meinungsforscher überzeugt, dass dies gelingen könnte.

Keine Zugehörigkeit zu den etablierten Parteien

Voraussetzung dafür ist auch eine hohe Wahlbeteiligung. Diesmal aber blieb Umfragen zufolge jeder vierte Wahlberechtigte der Abstimmung fern. Vor fünf Jahren lag die Wahlbeteiligung bei knapp 80 Prozent. Im April betrug sie noch 78 Prozent. Vor allem viele Linke waren nach der ersten Runde, als sich elf Kandidaten bewarben, enttäuscht vom Abschneiden ihrer Kandidaten und gingen nicht wählen.

Erstmals bestritten eine Stichwahl zwei Kandidaten, die weder den Konservativen noch den Sozialisten angehören. Amtsinhaber Hollande ist so unbeliebt wie keiner seiner Vorgänger und war gar nicht erst für eine zweite Amtszeit angetreten.

Die 5 jüngsten Staatsoberhäupter Frankreichs

Name
Alter bei Amtsantritt
Jahr
Napoléon I.34
1804
Emmanuel Macron
39
2017
Louis
Napoléon Bonaparte
40
1848
Marie François Sadi Carnot
41
1887
Napoléon III.
44
1852

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17 Kommentare

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  • Kommentar von Tayfun Kütük (Tayfun Kütük)
    Wenn man mich fragt müsste man ein Parlament Gründen das über ganz Europa entscheidet.Ein Parlament für alle Laender.Der rest müsste aufgelöst und in Landtage umgewandelt werden.Alle Ausweisse müsste eingezogen und ein einheitlicher Europaeischer Ausweiss ausgegeben werden.Die Muttersprache bzw. Amtsprache müsste Englisch werden und als 2. Sprache dann das was Örtlich üblich ist.Amerika hat es geschafft seinerzeit.An der Reihe ist Europa.Sowas wie die Vereinigten Staaten von Europa.
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    1. Antwort von Susanna Beerli (S. Beerli)
      Sie beschreiben gerade die NWO. In Amerika wird in beinahe allen Staaten hauptsächlich englisch gesprochen. In Europa mit dem zig Saaten, gibt's etwa gleich viele verschiedene Sprachen. Da kann man nicht einfach einen Hut drüber stülpen.
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  • Kommentar von L. Leuenberger (L.L.)
    Wo ist der Aufschrei der Medien und der Politik? Einen grösseren Populisten als Macron hat zumindest Europa noch nie gesehen.....
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    1. Antwort von Charles Morgenthaler (ChM)
      Hier wird geschrien Herr Leuenberger, was das Zeug hält. Von den EU Kritikern in der Schweiz. Sie können es offenbar nicht verwinden, dass sich 65% der Franzosen für einen EU freundlichen Kurs entschieden haben. Bien fait, mes amis en France!
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    2. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      Le Pen hat versprochen, im Falle eines Sieges, das Volk entscheiden zu lassen, EU-JA oder EU-NEIN. Diese Grösse hat Macron nicht. Er will sogar weitere Entscheide nur an Brüssel delegieren, die die Völker der einzelnen Ländern zu bestimmen haben. Ohne Volksabstimmungen in den einzelnen Ländern sind solche tiefgreifenden Entscheide, die Brüssel vorgenommen hat, undemokratisch. Lasst die Bürger entscheiden, sonst wächst die Abneigung der EU-Zentrale gegenüber weiter.
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    3. Antwort von robert mathis (veritas)
      Ch.Morgentaler woher nehmen Sie dass 65% sich für Macron entschieden haben? über 4 Millionen haben Leerstimmen eingelegt und viele Wähler wollten in erster Linie eine andere Regierung weil sie nicht mehr zufrieden waren.ob das nun ein "Bien fait " ist wird sich erweisen.
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  • Kommentar von Philipp Etter (Philipp Etter)
    Macron ist extrem neoliberal, arbeitete bei einer der extremsten Banken, nebe der die UBS wie eine regionale Bausparkasse aussieht, darüber hinaus ist er ein fanatischer Euroturbo, ein Leugner der spezifisch französischen Kultur und ein notorischer Globalisierungsfundamentalist, aber die Zeit der Extremisten soll vorbei sein?
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    1. Antwort von marlene Zelger (Marlene Zelger)
      Frppant und noch nie dagewesene: Statt die Marseillaise, also die französische NATIOALhymne liess der neue Präsident Macron die EUROPAhymne erklingen: "Freude schöner Brüsselfunken". Das sagt genug aus über den neuen Mann im Elysée. .
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