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International «Es war ein bizarrer Auftritt»

Blatter gab sich an einer Medienkonferenz kämpferisch. Sein Rekurs sei wohl aber ohne Chance, sagt SRF-Redaktor und Fifa-Kenner Jean François Tanda.

Blatter.
Legende: Ein sichtlich angeschlagener Sepp Blatter heute in Zürich. Keystone

SRF News: Wie wirkte Sepp Blatter bei seinem Auftritt auf Sie?

Jean François Tanda: Blatter war nicht überzeugend. Er war uneinsichtig. Blatter hat immer wieder damit argumentiert, dass mit ihm als Präsidenten unfair umgesprungen werde. Er hat sich wiederholt auf seine Stellung berufen und forderte regelrecht Mitleid ein. Gleichzeitig wirkte er abgehoben und ohne jeden Bezug zur Realität. Insgesamt war es ein bizarrer Auftritt.

Warum hat Blatter denn eine derart andere Sicht auf die Ereignisse als die Ethik-Kommission?

Blatter wurde offenbar ein Geschäftsgebaren zum Verhängnis, das in der Fifa über Jahrzehnte völlig normal war. Ständig Geld zu verteilen, war in diesem System offenbar schlicht nichts Unrechtes. Insofern ist Blatter gleichzeitig Teil und Opfer eines etablierten Systems. Doch die Gremien sind nun offensichtlich gewillt, dieses nicht mehr zu tolerieren.

Wie beurteilen Sie die Sperre?

Das ist schon ein sehr hartes Urteil. Die Ankläger hatten zwar lebenslänglich gefordert, lebenslang gibt es bei der Fifa aber nur für Korruption. Korruption wurde aber bei Blatter und Platini nicht nachgewiesen, dazu fehlten die Belege. Trotzdem hat die Zahlung nun acht Jahre gebracht. Das ist die härteste Strafe, die bei der Fifa bisher ausgesprochen worden ist – abgesehen von lebenslangen Strafen wegen Korruption.

Legende: Video «Einschätzungen von Fifa-Experte Jean François Tanda» abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.12.2015.

Wie schätzen Sie denn die Chancen des angekündigten Rekurses ein?

Dieses Rechtsmittel steht theoretisch allen zur Verfügung, die von der Fifa bestraft werden. Aber tatsächlich sind Blatters Chancen gering. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Fifa-Berufungskommission derartige Urteile in 99 Prozent der Fälle stützt. Ich gehe davon aus, dass dies auch in den Fällen Blatter und Platini noch vor der Präsidentenwahl im Februar passieren wird.

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23 Kommentare

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  • Kommentar von Dario Gullo (Jock Stein)
    So findet Blatters Lebenswerk also ein Ende. Sein Machen hat dem Fussball gedient. Sein Machtsystem ist am Geld gescheitert. Deshalb soll das Urteil finanziell hoch ausfallen. Den Sport, das Fussballspiel für welches er gelebt hat soll man ihm aber nicht nehmen.
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  • Kommentar von m. mitulla (m.mitulla)
    Das Affentheater um Sepp Blatter kommt mir vor wie einst die Kämpfe zur Belustigung des Pöbels in den römischen Arenen. Da wird einer vor einer möglichst grossen Zuschauerbühne zur Sau gemacht - völlig unabhängig davon, ob er sich schuldig gemacht hat oder nicht. Würden überall dieselben ethischen Massstäbe angewandt, dann gäbe es keine Kriege!
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    1. Antwort von Albert Planta (Plal)
      Naja, Fußball dient zur Belustigung des Pöbels. Blöd ist nur, dass es im Fußball um astronomische Geldbeträge geht. Da werden zwielichtige Gestalten angezogen wie die Motten vom Licht.
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    2. Antwort von Niklaus Bächler (parteilos!!)
      So fühlt es sich eben an, wenn man auf der grossen Bühne stand und es schlicht übertrieben hat. Das ganze Theater machen nicht die Menschen oder die Journalisten, nein, es ist Blatter selbst der einfach nicht einsehen will, dass seine Zeit abgelaufen ist. Er stellt sich ja ins Rampenlicht und faselt wirr von Mandela, Menschenrechten & wie leid er sich tut! Bizarr!
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  • Kommentar von Niklaus Bächler (parteilos!!)
    Ein Hoch auf die Weltwoche! So sieht der Schweizer des Jahres 2015 und der Friedensnobelpreisträger à la Putin aus. Wo, um Gottes Willen sind die Wertvorstellungen und die wahren Vorbilder in unserem Land geblieben?
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