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International «Es wird keinen Krieg um die Ukraine geben»

Er verfolgt die Ereignisse in der Ukraine mit grossem Interesse: Der deutsche SPD-Politiker Egon Bahr war während des Kalten Krieges massgeblich an der Entspannungspolitik zwischen Ost und West beteiligt. Krieg wird es wegen der Ukraine nicht geben, ist der 92-Jährige überzeugt.

Egon Bahr wuchs in der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg auf. Er erlebte den Zweiten Weltkrieg, die Teilung Deutschlands und den Bau der Berliner Mauer.

Während des Kalten Krieges war er zusammen mit seinem Freund und damaligen Bundeskanzler Willy Brandt massgeblich an der Entspannungspolitik zwischen Ost und West beteiligt. Wenn heute von neuen Spannungen die Rede ist, winkt der 92-Jährige im Gespräch mit SRF fast schon ab.

Wegen der Ukraine werde es keinen Krieg geben, ist Bahr überzeugt. Gründe dafür sieht er mehrere: US-Präsident Barack Obama und Kremlchef Wladimir Putin hätten vereinbart, dass es keinen Krieg zwischen den USA und Russland geben werde. Das heisse, dass die Ukraine kein Nato-Mitglied werde. Und schliesslich habe Brüssel erklärt, dass die Ukraine für lange Zeit nicht reif sein werde, um ein EU-Vollmitglied zu werden.

Didier Burkhalter hatte die Weisheit und den Mut, als OSZE-Vorsitzender zu Putin zu fahren.
Autor: Egon BahrSPD-Politiker, während des Kalten Kriegs an der Ost-West-Entspannungspolitik beteiligt

Hinzu komme etwas, womit er nicht gerechnet habe, erklärt Bahr. «Das ist der Schweizer Bundespräsident.» Didier Burkhalter habe den Mut gefunden, als aktueller OSZE-Vorsitzender nach Moskau zu Putin zu fahren. «Ich habe nicht damit gerechnet, dass Putin ernsthaft mit Burkhalter reden würde.» Der Mut Burkhalters habe sich ausgezahlt. Niemand könne von sich sagen, ein langes Gespräch mit Putin gehabt zu haben – mit einem praktischen Ergebnis, dem Runden Tisch.

Nach Ansicht von Bahr wird die Ukraine weder dem Osten noch dem Westen gehören. Vielmehr müsse das Land eine neutrale Position einnehmen, analog zu Finnland oder Österreich. Beide Länder gehörten nicht zur Nato, spielten aber dennoch eine aktive Rolle in der westeuropäischen Politik und Gesellschaft.

«Architekt der Ostverträge»

«Architekt der Ostverträge»

Egon Bahr (1922) ist ein deutscher SPD-Politiker. Er gilt als Vordenker und Stratege der Beendigung des Kalten Krieges. Auch «Architekt der Ostverträge» genannt, prägte er den Leitgedanken des «Wandels durch Annäherung».

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Juha Stump, Zürich
    Wer wie Österreich und Finnland, die Bahr erwähnt, zwar nicht der NATO angehört, aber der EU, kann gar nicht völlig neutral sein. Während Österreichs Neutralität ein gern genommenes Geschenk war, wurde Finnlands Neutralität von Stalin erst nach der Unterzeichnung eines Beistandspaktes - mit der Verpflichtung, gemeinsam die Deutschen aus Finnland zu vertreiben - voll akzeptiert. Die bestmögliche Lösung in diesem Konflikt wäre eine neutrale Pufferzone Ukraine-Weissrussland.
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  • Kommentar von R.Anderegg, Zürich
    Bahr irrt sich gewaltig, da es in der Ukraine bereits einen Krieg gibt, mit bisher mindestens 250 Toten. Ob Burkhalter bei Putin Erfolg hatte, wird die Geschichte zeigen, da den Worten nun auch Taten folgen müssen, bisher nur Absichtserklärungen, Putin ist auch ein schlauer Fuchs und Taktiker ist. Außerdem sorgte nicht die EU für Frieden in Europa, sondern die NATO, da diese und der Wahrschauer Packt sich gegenseitig abschreckten, die Westeuropäer sich in der NATO einbanden.
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    1. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      USA und EU (NATO) haben den Konflikt in der Ukraine vorsätzlich provoziert. Die EU ist kein Friedensprojekt, sondern Kumulationspunkt der Gewalt im Kampf um Einfluss und Ressourcen. Die Assoziierungs-abkommen der EU mit der Ukraine sind Kolonialverträge, die die Ukraine in die Abhängigkeit der EU treiben sollte. Die Oligarchen sind die Verkäufer der ukrainischen Unabhängigkeit. Die Ostukraine hat sich nur gegen diese verhängnisvolle Invasion aus dem Westen gewehrt !!!
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    2. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @R. Anderegg: Denke nicht, dass sich Herr Bahr mit seiner immensen Erfahrung so gewaltig irrt. Und es ist mittlerweile rascher aufgelistet, in welchem Land der Erde es heute keine Aufstände mit Toten gibt. So betrachtet herrscht heute in mindestens 90% aller Länder irgendwie Bürgerkrieg. Das Kreuz der Globalisierung.
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    3. Antwort von R.Anderegg, Zürich
      Herr Waeden, wenn es alleine heute 23.5.2014 durch Kampfhandlungen in der Ostukraine mindestens 23 Tote gibt, mit russischen und westeuropäischen Söldnern, zerbombten Häusern, dann soll das kein Krieg sein??
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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Krieg nicht heute, jedoch wegen Ressourcenmangel unvermeidlich !!!
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