«Es wird nie Frieden geben»

Die Kämpfe im Nahen Osten sind täglich Thema in den News. Die Toten und Verletzten belasten das Verhältnis zwischen Israelis und Palästinensern weiter, das Misstrauen wächst. Eine Reportage aus Jerusalem zeigt die verhärteten Fronten.

Orthodoxe Jüdin mit zwei Kindern mit Kippa am Strassenrand vor einer Krezung, daneben drei Polizisten, davon eine Polizistin.

Bildlegende: Israelis in Jerusalem: Einige haben die Hoffnung auf Frieden verloren. Keystone/Archiv

Der Krieg scheint weit weg zu sein. Die Jaffa-Strasse in West-Jerusalem ist im Sommer-Modus. Das Bild täuscht. Für Sarah ist der Krieg präsent. Er beschäftigt sie. Für sie trägt eine Seite alle Schuld: die Hamas, die Palästinenser. «Sie haben begonnen, sie feuern Raketen nach Israel. Sie haben die drei jugendlichen Israelis vor ein paar Wochen entführt und ermordet», sagt Sarah.

Weiss sie, wie die Palästinenser im Gazastreifen leben, überhaupt, und jetzt im Krieg? «Ich habe Bilder gesehen. Die liegen am Strand und besuchen Restaurants. Die leben gut.» Dann hat sie genug von den Fragen und will weiter.

«Israel hat gar keine andere Wahl»

Sima ist wohl doppelt so alt wie Sarah. Aber die Krankenschwester sieht jung und sportlich aus mit ihren kurzen grauen Haaren und dem gebräunten Gesicht. Dahinter verbirgt sie ihre grosse Sorge. «Mein Enkel ist Soldat im Gazastreifen. Mein Herz klopft wie verrückt. Ich denke ständig an ihn», sagt Sima.

Einmal hatte sie Kontakt mit ihm in den letzten zwei Wochen. Warten auf seine Rückkehr, das ist das einzige, was sie tun kann. Und hoffen, dass es ihn nicht trifft. Sima ist hin und her gerissen. Sie möchte, dass die israelische Besatzung endet und endlich Frieden herrscht. Aber Israel habe gar keine andere Wahl als mit Gewalt auf die Raketen der Islamisten zu reagieren.

Menschen auf der Jaffastrasse gehen durchs Bild (verwischt), ein Bettler sitzt am Boden.

Bildlegende: Alltag in West-Jerusalem: Die Bilder des Krieges beschäftigen die Menschen. Keystone/Archiv

Jacky, der Besitzer eines Stoffladens, findet die Journalistenfragen daneben. Israel wolle nichts als Frieden. «Es kommt darauf an, was die Araber tun», sagt er. «Sie sind nicht bereit für den Frieden. Sie zerstören, töten und hassen, das ist ihre Mentalität.»

Er fährt fort: «Schauen sie die Hamas an. All das Geld, das sie bekommen, geben sie nicht den Leuten dort weiter, sondern sie brauchen es, um aus sich Monster zu machen.» Es ist Verwirrung, Wut, Zorn, Schuldzuweisung – alles vermischt sich.

Misstrauen und Resignation

Maja, eine tief religiöse Studentin in einem dicken schwarzen Rock, zitiert die Bibel. Ein junger Palästinenser mischt sich ein. «Der Konflikt ist mehr als 60 Jahre alt. Es wird nie Frieden geben. Das ist unser Land. Hier bleiben wir.» Dazwischen zitiert er den Koran.

Wie gross das Misstrauen zwischen Palästinensern und Israelis ist, wie viele Vorurteile da sind, spürt man, wenn Dana spricht. Eine junge Frau, die Medizin studiert. «Ich sehe die Palästinenser heute mit anderen Augen. Sie sind überall, und ich spüre den Hass.» Selbst bei Nachbarn in Jerusalem sei es so. «Es ist wie bei einem schlafenden Tier. Wenn es aufwacht, weiss man nicht, wie es reagiert.»

«  Ich sehe die Palästinenser heute mit anderen Augen. Sie sind überall, und ich spüre den Hass. »

Dana, Medizinstudentin

Das sei bedrohlich, sagt die Israelin. Die Fremdheit zwischen Israeli und Palästinensern war schon vor dem Gaza-Krieg gross. Jetzt wächst sie mit jedem Kriegstag weiter.