Klimapolitik unter Trump «Es wird vor allem den USA schaden»

US-Präsident Donald Trump macht die Klimaschutz-Massnahmen seines Vorgängers rückgängig. Was sind die Folgen?

Zug-Wagons gefüllt mit Kohle stehen auf einem Gleis im Bundesstaat Wyoming

Bildlegende: Präsident Donald Trump setzt auf Kohle als Energieträger. Keystone

SRF News: Können die USA unter den neuen Bedingungen ihre Treibhausgase noch in nützlicher Frist reduzieren?

Lutz Weischer: Das wird bei einem Ziel von 26 – 28 Prozent Emissionsreduzierungen bis 2025 ziemlich schwierig werden. Dazu haben sich die USA im Rahmen des Pariser Klimaabkommens international verpflichtet. Die verschiedenen Klimaschutzmassnahmen von Präsident Obama waren wichtige Werkzeuge, um dieses Ziel zu erreichen. Die fehlen jetzt im Werkzeugkoffer.

Müssten die USA nicht aus dem Pariser Abkommen aussteigen?

Sie müssen als Vertragspartei ihre in Paris gemachten Zusagen einhalten. Diese Erwartung muss die internationale Gemeinschaft nun deutlich machen.

Der US-amerikanische Energieriese Exxon Mobile fordert die Regierung auf, bei den Vereinbarungen des Pariser Abkommens zu bleiben. Tickt der Markt anders als Trump?

Ja, der Markt ist inzwischen klimapolitisch viel weiter als Donald Trump. In den USA sind erneuerbare Energien im Vergleich mit Kohle günstig geworden. Es gibt sehr viele Investitionen in Entwicklungstechnologien wie Sonnen und Windenergie – in der Kohlenindustrie gibt es Kraftwerk- und Bergbauschliessungen. Das sind ökonomische Trends, die nicht nur an Obamas Politik liegen und die sich wahrscheinlich fortsetzen werden. Die grossen Energie-Unternehmen haben sich darauf eingestellt, dass der Klimaschutz kommt und die Ära der fossilen Energien zu Ende geht.

Der reale Schaden für das Klima ist also begrenzt?

Wahrscheinlich lässt sich der Schaden begrenzen. Auch weil zehn US-Bundesstaaten wie New York und Kalifornien sagen, wir machen weiter Klimapolitik. Die Bundesstaaten sind in den USA für die Energiepolitik zuständig, das heisst, sie können weiter ihren Teil zum Pariser Abkommen umsetzen. Dass die Trump Regierung sich von den Energiemärkten der Zukunft verabschiedet, wird in erster Linie den USA schaden. Da Länder wie Kanada, die EU und China weiter Klimaschutz betrieben, geht der Trend weltweit weiter. Das kann auch Trump nicht ändern.

Kann China die USA als Zugpferd in der internationalen Klimapolitik ablösen?

China hat schon in der Vergangenheit eine wichtige Rolle gespielt. Das Pariser Abkommen wurde ermöglicht, weil die USA und China sich im Tandem verständigt haben. China will weiter eine Führungsrolle spielen, sogar noch intensiver als vorher. Die Frage ist, wer kommt noch dazu. Der EU-Klimakommissar reist bald nach China. Das ist kein Zufall. Das Führungsvakuum, das Trump hinterlässt, will gefüllt sein.

Das Gespräch führte Isabelle Jacobi

Lutz Weischer

Weischer ist Teamleiter für internationale Klimapolitik bei der deutschen Entwicklungs- und Umweltorganisation Germanwatch.