Clinton erklärt Wahlniederlage «Etwas mehr Selbstkritik wäre angebracht gewesen»

Hillary Clinton macht andere für ihre Wahlniederlage verantwortlich. Das sei zwar richtig, aber nicht alles, sagt Journalist Arndt Peltner in den USA.

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«Putin und der FBI-Chef haben meine Wahl verhindert»

1:28 min, vom 3.5.2017

SRF News: Welchen Eindruck hat Clinton bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt nach der Wahlniederlage auf Sie gemacht?

Arndt Peltner, USA-Korrespondent der «Nürnberger Zeitung»: Sie war sehr entspannt, wirkte locker, gab richtige Antworten auf die Fragen und lachte viel dabei. Sie wirkte sehr menschlich, was ihr im Wahlkampf deutlich gefehlt hatte – gerade am Schluss. Sie war eigentlich die bessere Wahlkämpferin als während dem Wahlkampf.

Die Demokratin macht das FBI und Russland für ihr Scheitern verantwortlich. Was sagen Sie dazu?

Ich hätte mehr erwartet von Clinton. Das Eingreifen von FBI-Chef James Comey und von Russlands Präsident Wladimir Putin war sicher ausschlaggebend für ihre Niederlage. Aber das ist nicht alles. Clinton hat einen schlechten Wahlkampf geführt, da sind sich in den USA alle einig. Und sie hat den Wahlkampf verloren, nicht unbedingt die demokratische Partei und die demokratischen Grundthesen. Deshalb hätte man sich jetzt schon erhofft, dass Clinton die Niederlage etwas mehr auf sich bezieht und erklärt, was sie falsch gemacht hat – etwa dass sie viele Dinge nicht angegangen ist, die sie hätte angehen sollen. Gerade in den Swingstates, die auf der Kippe standen, fehlte sie einfach. Das hätte sie nun ansprechen sollen.

«  Sie war eigentlich die bessere Wahlkämpferin als während dem Wahlkampf. »

Clinton erklärt aber auch, sie habe Fehler gemacht, es sei kein perfekter Wahlkampf gewesen. Zumindest im Ansatz ein Schuldeingeständnis?


Besser als im Wahlkampf, doch uneinsichtig

4:00 min, aus SRF 4 News aktuell vom 03.05.2017

Natürlich ist es ein Schuldeingeständnis. Es gibt keinen perfekten Wahlkampf, da hat Clinton sicherlich recht. Aber gerade bei der E-Mail-Affäre und den Vorwürfen zur Clinton Foundation machte sie sehr viele Fehler. Sie bezog nie richtig Stellung zu den Vorwürfen und überspielte sie, wohl in der Hoffnung, sie gingen vergessen.

Aber die Leute haben es eben nicht vergessen. Viele nannten sie im Wahlkampf «Crooked Hillary» – also Lügnerin Hillary. Deshalb müsste sie auch aufarbeiten, was auf ihrer Seite schief gelaufen ist und wo sie ehrlicher hätte sein sollen. Genau in diesem Punkt hätte sie jetzt deutlicher auftreten sollen.

«  Man hätte sich erhofft, dass Clinton die Niederlage etwas mehr auf sich bezieht und erklärt, was sie falsch gemacht hat. »

Wie reagiert die Öffentlichkeit auf Clintons Auftritt?

Es gab geteilte Reaktionen. Die einen sagen, es sei an der Zeit gewesen, dass Clinton endlich einmal Stellung beziehe und erkläre, wo sie die Fehler sieht. Die anderen, vor allem die Erzkonservativen um den TV-Sender Fow News herum, sagen, Clinton lebe immer noch in einer Scheinwelt, in der sie die Fehler nur bei den anderen suche, anstatt mal genauer bei sich selber hinzuschauen.

Sind Sie von den Reaktionen überrascht?

Die Reaktionen sind so, wie man sie erwarten konnte. Die einen meinen, es sei schade, dass Clinton nicht gewonnen hat. Auf Twitter bezeichnen viele Clinton als eigentliche Präsidentin, weil sie drei Millionen mehr Stimmen bekommen hat als Trump. Die anderen sagen, Trump sei der Präsident und Clinton habe verloren, man solle endlich mal einen Schlussstrich unter diese Wahl ziehen.

Das Gespräch führte Hanna Jordi.

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