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International EU droht, Merkel hofft, China drängt, USA handeln

Sollte sich die Krim abspalten, wird die EU stufenweise Sanktionen gegen Moskau verhängen. Noch immer aber hoffen die Diplomaten weiter auf die Bildung einer Krim-Kontaktgruppe. Sie soll beide Parteien an einen Tisch bringen. Auch China drängt auf eine friedliche Lösung.

Legende: Video Massendemonstrationen in der Ukraine abspielen. Laufzeit 1:13 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 10.03.2014.

Im Krim-Konflikt wird die EU voraussichtlich am kommenden Montag (17.3.) Sanktionen gegen Moskau beschliessen. Am Tag zuvor wird das von der EU nicht anerkannte Referendum über den Beitritt der ukrainischen Halbinsel zu Russland stattfinden. Sollte das Ergebnis eine Abspaltung sein könnte Brüssel Einreiseverbote und Kontensperrungen verhängen.

«Wir sind beunruhigt über das Ausbleiben von Zeichen der Deeskalation», erklärte eine Sprecherin der EU-Kommission. Die EU arbeite «sehr intensiv» an dem Verzicht auf Einfuhrzölle für Importe aus der Ukraine. Diese würden «sehr schnell» wegfallen, um dem Land wirtschaftlich zu helfen.

Abkommen als Geste

Noch kein Datum gibt es für die von der EU angebotene Unterzeichnung des politischen Teils eines Assoziierungsabkommens zwischen der Ukraine und der EU. Die Ablehnung dieses Abkommens durch den damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch hatte die Demonstrationen der ukrainischen Opposition ausgelöst.

Die Unterzeichnung eines Teils dieses Abkommens sei «eine besondere Geste unserer Unterstützung», sagte die Sprecherin. Sie werde noch vor den vorgezogenen Wahlen in der Ukraine am 25. Mai erfolgen.

EU droht mit dritter Sanktionsstufe

Eine Kommissionssprecherin bestätigte, dass Gespräche über den Bau der 2400 Kilometer langen russischen Gaspipeline «South Stream» vorerst «angesichts der grösseren Entwicklungen» nur noch auf technischer und nicht mehr auf politischer Ebene geführt werden.

Auch über ein neues Partnerschaftsabkommen mit Russland wird vorerst nicht weiter verhandelt. Ausserdem droht die EU mit der Absage des Anfang Juni in Sotschi geplanten EU-Russland-Gipfels. Bei «weiteren Schritten Russlands zur Destabilisierung der Lage in der Ukraine» soll laut EU-Gipfel eine dritte Sanktionsrunde mit «weitreichenden» wirtschaftlichen Konsequenzen folgen.

Deutschland bereit zum Handeln

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel hofft trotz aller gegenteiligen Signale aus Moskau immer noch auf die Bildung einer internationalen Krim-Kontaktgruppe. «Noch ist es nicht zu spät», sagte ihr Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin.

«Es bleibt noch ein wenig Zeit.» Andernfalls sei Deutschland aber auch bereit, Wirtschaftssanktionen der Europäischen Union gegen Moskau mitzutragen. Unklar blieb, wie lange mit solchen Strafmassnahmen noch gewartet werden soll.

Seibert gab zu, dass es von russischer Seite bislang nicht die «nötige Bereitschaft» gebe. Deshalb sei Deutschland «gegebenenfalls auch bereit, zu handeln.» Der Regierungssprecher sprach von einer «breiten Palette an Wirtschaftssanktionen», die möglich wären.

US-Kampfflugzeuge in Polen und im Baltikum

Die USA hatten bereits gestern angekündigt, zwölf F-16-Kampfjets nach Polen zu verlegen. Für eine Militärübung sollen bis Donnerstag zudem 300 US-Soldaten nach Polen geschickt werden, wie das Verteidigungsministerium in Warschau mitteilte.

F-15-Flugzeug während einer Übung. (Symbolbild)
Legende: Beim Einsatz der US-Flugzeuge im Baltikum soll es sich nur um einen turnusmässigen Einsatz handeln. Keystone

Das Manöver sei schon länger geplant gewesen, sagte Ministeriumssprecher Jacek Sonta. Angesichts der «angespannten politischen Situation» in der Ukraine hätten Warschau und Washington nun aber vereinbart, es auszuweiten und vorzuziehen.

Die USA hatten am Donnerstag bereits sechs zusätzliche F-15-Kampfjets ins benachbarte Litauen verlegt. Litauens Verteidigungsminister Juozas Olekas sagte, die Kampfflugzeuge seien die Antwort auf die «russische Aggression in der Ukraine und eine erhöhte militärische Aktivität in Kaliningrad», der russischen Exklave an der Grenze zu Litauen und Polen.

China offen für alle Vorschläge

Der chinesische Präsident Xi Jinping hat in Telefongesprächen mit US-Präsident Barack Obama eine diplomatische Lösung der Ukraine-Krise angemahnt. Xi habe alle beteiligten Seiten zur Zurückhaltung und Mässigung aufgefordert, damit eine Eskalation verhindert werde, teilte das chinesische Aussenministerium mit. China sei offen für alle Vorschläge, die zu einem Ende der Spannungen führten.

Die Krim befindet sich nach Einschätzung von Beobachtern seit mehr als einer Woche de facto unter russischer Kontrolle.

Hilfszahlung

Die Weltbank plant, die angeschlagene Ukraine mit Finanzhilfen mit bis zu drei Milliarden US-Dollar zu helfen. Das teilte die Institution in Washington mit. Indessen hat die Schweiz Konten von neun weiteren Personen aus dem Umkreis des gestürzten ukrainischen Präsidenten Viktor Janukowitsch eingefroren.

Lage spitzt sich zu

Während die Diplomatie versucht, den Konflikt um die Krim zu entschärfen, spitzt sich die Lage weiter zu. So wurden auf der Krim erneut ukrainische Stützpunkte besetzt und Journalisten verschleppt. Und auch sonst versuchen pro-russische Truppen Fakten zu schaffen. Mehr zum Thema lesen Sie hier.

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24 Kommentare

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  • Kommentar von Hans Weiler, Ostschweiz
    Unglaublich wie der mediale Fokus auf Putin ruht, während die Ereignisse in Kiew mit vielen Toten ad acta gelegt werden. Die Russen haben noch keine Toten zu verantworten. Vermutlich ist es gar ihnen zu verdanken, dass in der Krim bisher alles friedlich verlaufen ist. Dabei geht es nicht darum, die Russen reinzuwaschen, wie einige immer wieder suggestieren wollen, sondern darum, den Unrat etwas ausgeglichener zu verteilen.
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  • Kommentar von E. Waeden, Kt. Zürich
    Fakt ist, dass durch die Globalisierung ein solcher Filz von wirtschaftlichen Verbindungen aller Länder entstanden ist, dass alle irgendwie abhängig von einander geworden sind. Und gibt es dann eine Krise, wacht man aus diesem Delirium des Rausches eines stetigen & ungehinderten Wirtschaftswachstum auf & hat einen "dummen" Kopf. Das Schweizer Volk hat es gottlob rechtzeitig erkannt & die Notbremse gezogen. Es kommt die Zeit, da wird man uns darum beneiden.
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  • Kommentar von Stefan Keel, Ittigen
    Ihr westlichen Nationen, wacht auf und helft der Ukraine, indem Ihr der Diktatur des Ostens die Stirn bietet! Oder habt Ihr Euch von Sotschi blenden lassen?
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    1. Antwort von Eddy Dreier, Burgdorf
      Gut das Sie das erwähnen. Schon vor den Spielen wurde über Sotschi berichtet, als hätte man über die Sovjetunion von 1980 berichtet und nicht über das Russland von 2014. War wohl so etwas wie "vorbereitende Stimmungsmache" - beschämend für den Westen!
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    2. Antwort von Markus Guggisberg, Busswil
      @Stefan Keel: Glauben Sie, dass es Zufall war, dass amerikanische Kriegsschiffe bereits vor dem inszenierten Aufstand in Kiew unter dem Vorwand der Terrorismus Gefahr ins schwarze Meer eingelaufen sind? Kann es sein dass die USA die Terror Gefahr hat verbreiten lassen, um einen Vorwand zu finden, bereits frühzeitig ins schwarze Meer einzulaufen ???
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    3. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @M. Guggisberg: Man hat es unter dem Deck- Mäntelchen Russland gegen den Terrorismus mit verteidigen zu können getan. War es eine Lüge? Alles Strategie? Die Ereignisse jetzt sprechen eine deutliche Sprache. Zuerst "spielt" man sich als guter Freund von Russland auf & jetzt ist man zum Feind mutiert. Betreffend Stimmungsmache gegen Sotschi habe ich diese Politiker & Menschen welche Stimmung dagegen machten schon damals verurteilt. Es war einfach beschämend, oder halt eben Strategie.
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    4. Antwort von Harald Girschweiler, 9500 Wil SG
      @St. Keel: Die USA und EU haben den Bogen eindeutig überspannt u. nun schlägt der russ. Bär zurück. Dieser Bär reagiert auch wie ein Bär: er ist gutmütig und tapsig, aber jetzt gibt es kein Halten mehr. Meinen Sie wirklich, das die NATO die Streitmächte losschickt wegen der Krim oder der Ukraine? Bleiben Sie realistisch. Russland holt sich was schon immer in deren Einflussgebiet lag u. da wird auch Obama den Kremel kaum davor abhalten lassen.
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