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International EU lanciert Guthabenkarte für syrische Flüchtlinge in der Türkei

Die Europäische Union will syrischen Flüchtlingen in der Türkei Direkthilfe gewähren. Sie stellt dafür 348 Millionen Euro zur Verfügung. Dabei beschreitet die EU neue Wege – Mithilfe von Guthabenkarten.

Verschiedene Lebensmittel liegen vor einem kniienden Mann am Boden.
Legende: Mit der Karte sollen Flüchtlinge ihre Grundbedürfnisse selber decken können. Reuters

Die EU will syrischen Flüchtlingen in der Türkei erstmals über Guthabenkarten direkt Geld zukommen lassen. Sie stellt dafür 348 Millionen Euro zur Verfügung. Dies sei das grösste humanitäre EU-Hilfsprogramm aller Zeiten, sagte EU-Kommissar Christos Stylianides in Brüssel.

«Die Würde zu wählen»

Dieses Hilfsprogramm mit dem Namen «Emergency Social Safety Net» soll besonders bedürftigen syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen zu Gute kommen. Bis Anfang 2017 sind dies rund eine Million Menschen. Sie sollen Geld für Grundbedürfnisse wie Essen oder Wohnungen ab Oktober 2016 auf einer ihnen zur Verfügung gestellten Karte bekommen. Damit sollen die Flüchtlinge vor Ort einkaufen und bezahlen können.

Die Höhe des Betrags, der jeweils auf diese Karte geladen werden soll, nannte Stylianides nicht. Dieser werde individuell ermittelt. Bei Familien gebe es zusätzliches Geld zum Beispiel für Bildung.

Die Flüchtlinge bekämen dadurch auch «die Würde zu wählen», für was sie das Geld ausgeben wollten. Bislang seien sie nur von Nahrungsmittelhilfen abhängig gewesen, sagte der EU-Kommissar für humanitäre Hilfe und Krisenschutz weiter. Gleichzeitig vermeide die direkte Verteilung des Geldes Verwaltungskosten. Auch örtlichen Läden und Dienstleistern in der Türkei nütze das Modell.

Umsetzungspartner ist das Welternährungsprogramm. Die türkischen Behörden seien an der Planung eng beteiligt gewesen, betonte Stylianides.

EU wehrt sich gegen Kritik

Das Programm belege, dass Europa «sein Versprechen hält, die Türkei bei der Beherbergung der grössten Flüchtlingsgemeinschaft der Welt zu unterstützen», sagte der EU-Kommissar. Die türkische Regierung hatte Anfang des Sommers kritisiert, bisher sei von den versprochenen EU-Finanzhilfen so gut wie nichts vor Ort angekommen.

In der Türkei leben rund drei Millionen Syrien-Flüchtlinge. Die EU hatte der Regierung in Ankara im Zuge der Zusammenarbeit in der Flüchtlingskrise Ende vergangenen Jahres drei Milliarden Euro für 2016 und 2017 zugesagt, weitere drei Milliarden wurden im März für die Zeit danach versprochen.

Ziel des Hilfsprogramms ist es auch, Syrien-Flüchtlinge in der Türkei besser zu versorgen, damit sie sich nicht auf den Weg nach Europa machen.

Gelder für Hilfsorganisationen

Aus dem Milliarden-Fonds ausgezahlt sind laut Kommission bisher 181 Millionen Euro. Die Gelder gehen dabei mehrheitlich nicht an die türkische Regierung, sondern an Hilfsorganisationen.

Jeweils 300 Millionen Euro sind nach einer Kommissionsaufstellung allerdings für das türkische Gesundheits- und Bildungsministerium vorgemerkt. Weitere 60 Millionen Euro sind für die türkische Migrationsbehörde bestimmt, wovon bereits zwölf Millionen ausgezahlt wurden.

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8 Kommentare

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  • Kommentar von E. Waeden (E. W.)
    Deutschland wird einige Milliarden für den Ausbau des Luftwaffenstützpunkt Incirlik in der Türkei investieren, während die Flüchtlinge in der Türkei mit einigen Millionen "abgespiesen" werden.
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    1. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      So lange Euopa mithilft, im nahen Osten Gewalt und Zerstörung zu sähen, müssen sich die Menschen nicht über die Folgen wundern. Armes Europa, so tief gesunken: moralisch und geopolitisch. Wobei man dies natürlich nicht zuletzt den "Freunden" aus Übersee zu verdanken hat.
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  • Kommentar von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
    Warum soll die EU überhaupt etwas zahlen? Mit dem Krieg in Syrien (es ist kein Bürgerkrieg!) hat die EU wenig am Hut. Die EU soll ihre Grenzen dicht machen und diejenigen bitten zu helfen, welche den Krieg gewollt haben und ihn finanzieren: Saudi-Arabien, Katar, Türkei und USA. Es ist schon die Höhe, wofür die EU alles herhalten soll, nach den US-gewollten Sanktionen gegen Russland. Aber eben, eine selbständige EU-Aussenpolitik? Fehlanzeige, statt dessen US-Vasallentum.
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    1. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Frau Merkel ist den Deal mit den Flüchtlingen eingegangen. Jetzt zahlen sie auch aus Angst, Erdogan könne alle Flüchtlinge nach Europa schicken. Aus dieser Abmachung kommen sie nicht mehr raus, das ist das grösste Druckmittel von Erdogan.
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    2. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ Ch. Wüstner: Warum akzeptiert dies Europa? Europa sollte die Grenzen dicht machen und den Verantwortlichen für die Zerstörung Syriens sagen, sie sollen zu den Flüchtlingen schauen. Das geht natürlich nicht, wenn man mit den Kriegsverbrechern unter einer Decke steckt und sie mit Waffen beliefert.... Nun muss halt Europa für seine Schwäche, seine Verlogenheit und Kriegstreiberei zahlen. Die verantwortlichen Politiker werden wohl die verdiente Quittung erhalten - und dabei meine ich icht nur M.
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    3. Antwort von Christa Wüstner (Saleve2)
      Herr Bernulli da stimme ich Ihnen 100 prozentig zu, ich hätte nicht nur Merkel als Sprachrohr der EU nennen sollen
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    4. Antwort von Hans Bernoulli (H.Bernoulli)
      @ Ch. Wüstner: Oh, das mit Merkel war überhaupt nicht korrigierend an Sie gedacht. - P.S.: Leider werden nicht nur die europäischen Politiker die Folgen auszubaden haben, sondern auch die Bevölkerung. Wem nützt ein geschwächtes Europa? Wer möchte den Islam (den radikalen) in die Welt verbreiten?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Die Beträge, die bisher geflossen sind, zeigen eindeutig die Priorität der Flüchtlinge. Unabhängig von den unklaren Verhältnissen und der aktuellen Regierung in der TR. Ist ein Konzern in Nöten, der bei wichtige Banken Kredite ausstehend hat oder hat sich eine Großbank verspekuliert, dauert es meist wenige Tage, bis Hilfe garantiert ist. Grundsätzlich ist es gut, wenn Migranten in der Nähe ihrer Heimat Zuflucht finden. Doch hier geht es offensichtlich darum: Aus den Augen, aus dem Sinn.
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