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Aserbaidschan und die Fussball-EM
Aus Rendez-vous vom 11.06.2021.
abspielen. Laufzeit 04:48 Minuten.
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EURO 2020 In Aserbaidschan freut man sich auf die EM – manche sind kritisch

Lange war das Land coronabedingt abgeschottet, nun kommen die Menschen von überall her nach Aserbaidschan. Das Land ist eines der Austragungsorte für die Fussball-EM. Die Spiele finden in einem angespannten Umfeld statt.

Einige Aserbaidschanerinnen und Aserbaidschaner mögen sich auf das Turnier freuen, gelten sie doch als fussballbegeistertes Land. Andere sehen es nicht ganz so gelassen: Das Geld hätte man anders ausgeben können, man hätte in die öffentlichen Aufgaben investieren können. Das käme den ärmeren Menschen zugute, sagt Judith Huber, Auslandredaktorin.

Sie hat mit Menschen aus Aserbaidschan gesprochen. Auch über die Gerechtigkeit lässt sich diskutieren. Denn wegen Corona sind seit mehr als einem Jahr alle politischen Versammlungen verboten. Die EURO 2020 kann aber stattfinden.

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Die Schweiz bestreitet ihr erstes EM-Spiel in Baku.
Aus Sport-Clip vom 07.06.2021.
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Es ist bekannt, dass viele Länder internationale Wettbewerbe nutzen, um sich im besten Licht zu zeigen. Aserbaidschan ist da laut Huber keine Ausnahme, im Gegenteil: «In den letzten zehn Jahren wurden Milliarden systematisch in solche Events hineingesteckt, also in den Aufbau der gigantischen Infrastruktur und in die Events selbst. Stichwort Eurovision, Formel 1 und diverse andere Sportturniere.»

Aber es existiere eben auch ein Aserbaidschan jenseits oder hinter dieser Fassade. Eine Welt der massiven Repression. Dutzende Menschenrechtler, Journalisten oder Oppositionelle seien im Gefängnis, so Judith Huber. «Viele leben seit Jahren im erzwungenen Exil. Es wird gefoltert. Es wird auch mal ein Schlägertrupp losgeschickt. Und es gibt Elend und Armut im Land. Das sind die unschönen Seiten.» Aber genau diese würden mit solchen Veranstaltungen übertüncht.

Fahnen wehen vor dem Stadion in Baku.
Legende: Im Olympiastadion Baku werden die Fussballspiele ausgetragen. Reuters

Ausgetragen werden die Spiele in der Hauptstadt Baku, eine Stadt reich an Geschichte und auch reich an Petrodollar. Der staatliche Ölkonzern war offizieller Partner der UEFA. Stillschweigend ist Socar mittlerweile von der Homepage verschwunden. Wenn man bei der UEFA nachfrage, heisse es, Socar habe die Partnerschaft nicht weitergeführt. Socar habe verlauten lassen, man wolle Kosten sparen und habe deshalb die Partnerschaft gekündigt.

Internationale Kritik und Schlagzeilen

Warum sollte der Ölkonzern ausgerechnet kurz vor dem wichtigen Turnier aussteigen? Genau in dem Moment, wo man die beste Werbewirkung erzielen könnte? Laut Auslandredaktorin Huber lassen sich nur Vermutungen anstellen. «Es könnte durchaus etwas damit zu tun haben, dass Socar während des Krieges um Berg-Karabach im Herbst über Social Media patriotische Propaganda verbreitet hat.» Das hat international massive Kritik ausgelöst.

Eine Rolle spielen könnte auch der Mord an der maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia. Der Name des aserbaidschanischen Konzerns Socar ist im Zusammenhang mit einem Hauptverdächtigen in diesem Mord aufgetaucht. Auch das sorgte für unschöne Schlagzeilen. «Vielleicht war das der UEFA einfach zu viel. Aber wie gesagt, das sind Vermutungen», so Huber.

Diese Spiele finden in einem sehr politisierten Umfeld statt.
Autor: Judith HuberAuslandredaktorin

Der Krieg um Berg-Karabach ist noch nicht lange her. Judith Huber vermutet daher, dass der Konflikt zwischen Aserbaidschan und Armenien indirekt Auswirkungen auf die Fussball-EM haben könnte. In letzter Zeit hätten nämlich die Spannungen wieder ziemlich zugenommen. «Diese Spiele finden also in einem sehr politisierten Umfeld statt.»

Rendez-vous, 11.06.2021, 12:30 Uhr;

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9 Kommentare

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  • Kommentar von Peter Belmi  (P.B.)
    "Und es gibt .. Armut im Land. Das sind die unschönen Seiten.» Aber genau diese würden mit solchen Veranstaltungen übertüncht."
    Das könnte man auch in der Schweiz sagen: viele Leute die kaum über die Runden kommen, wo die Rente nirgend wohin reicht, dann aber Gross-Anlässe wie das Biden-Putin Meeting, das WEF etc. die unsere Probleme übertünchen.
  • Kommentar von Peter Mueller  (Elbrus)
    Elend und Armut bei einem mittleren Salär von 26000 USD. Was unsere Journalisten so herausfinden. Man kann ja nicht davon ausgehen, dass Frau Huber in Azerbajian lebt und die Sprache spricht.
    1. Antwort von Sandro Pacchioni  (pasa)
      Wenn Sie bei Ihrer Milchbüechli Rechnung bleiben, dann werden Sie merken wie falsch die rüberkommt. Nehmen Sie
      1 Milliardär und 1000 Personen mit 100'000 Vermögen zusammen ergibt sich
      1'100'000'000 nun durch 1001
      Medial in etwa 1'100'00
      Heisst jeder hat 1'100'000, oder?... heisst es, es hat viele Milliardären und noch mehr Arme. Oder!
      Aserbaidschan wird zur Zt. nicht den finanziellen Möglichkeiten und den Menschenrechte gerecht, geführt.
      Aber wir feiern in einem Kriegsstaat F1 & EM.
    2. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      Frau Huber versteht die asiatischen Dinge nicht. Aserbaidschan wie alle Staaten der Zentralasien, sind keine demokratischen Staaten, sondern werden geführt wie mongolischen Khanate. Das was muss man zugeben, dass dort wie auch in Russland, niemand von Hunger stirbt, wie in Bangladesh, Afrika oder Lateinamerika. Und nach dem Kommunismus blieb sehr hohe Ausbildungsgrad der Gesellschaft in Vergleich zum Beispiel zu Lateinamerika
  • Kommentar von Albert Planta  (Plal)
    Liegt Aserbaidschan nicht schon in Asien?
    1. Antwort von Peter Mueller  (Elbrus)
      Da liegen Sie nicht ganz falsch. Die Sowjetunion war UEFA und meine Interpretation ist, dass östlich des Kaspischen Meeres die Länder zu Asien gehen und westlich davon zur UEFA.
      Die Arabischen Länder sind weitgehend Asien oder Afrika. Israel ist ein Spezialfall und geht darum zu UEFA.
    2. Antwort von Albert Planta  (Plal)
      Moskau liegt in Europa und war auch die Hauptstadt der Sowjetunion.
    3. Antwort von Karl Frank  (Europäer)
      Turkvölker sind asiatisches Volk.