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International «Europa droht ein Krieg und den will Merkel verhindern»

Die sonst so zurückhaltende Angela Merkel ist in den vergangenen Tagen als Kämpferin für den Frieden angetreten. Entschlossen drängt sie auf eine politische Lösung im Ukraine-Konflikt. Casper Selg, Deutschland-Korrespondent von SRF, erklärt, was die vermeintliche Putin-Versteherin antreibt.

Kanzerlin Merkel bei einer Rede im Kanzeramt am 6. Februar, im Rücken der Bundesadler
Legende: In gewohnter Pose: Seit geraumer Zeit drängt Kanzlerin Merkel auf eine friedliche Lösung im Ukraine-Konflikt. Keystone

SRF News: Erleben wir hier eine «neue» Merkel?

Casper Selg: Wir erleben sicher eine andere, eine kämpferische Merkel, die nicht aufgeben will. Das scheint ihrem eher ruhigen Naturell zu widersprechen. Aber das muss es nicht.

Warum tritt sie denn gerade jetzt so kämpferisch auf?

Weil ein Krieg in Europa droht – ein Krieg, den sie verhindern will. Sie ist und war sich immer bewusst, dass Deutschland als wirtschaftlich stärkstes Land in Europa mit dieser Stärke auch eine Verantwortung trägt. Man will diese Rolle zwar möglichst zurückhaltend spielen. Deutschland will siebzig Jahre nach Kriegsende auf keinen Fall wieder dominierend auftreten. Aber in der jetzigen Situation ist Merkel klar, dass die Grossen auch grosse Verantwortung tragen. Im Übrigen sieht das auch der französische Präsident François Hollande so, der britische Premier David Cameron interessanterweise viel weniger.

Man sagt: Wenn jemand einen Draht zu Wladimir Putin hat, dann Angela Merkel. Stimmt das?

Angela Merkel bei ihrer «Diplomatie-Offensive» in Moskau am 6. Februar 2015
Legende: Merkel, die Putinversteherin? Ein medial oft bemühtes Bild, das näherer Betrachtung nicht Stand hält. Keystone

Sie selber staunt immer wieder, wenn sie danach gefragt wird. Es werden ja beispielsweise immer wieder ihre Russisch-Kenntnisse hervorgehoben. Sie staunt nicht nur, weil Putin perfekt deutsch und leidlich englisch spricht – er könnte ja auch mit anderen reden. Sie staunt auch, weil sie in der DDR einer schwierigen Situation aufgewachsen ist. Ihr Vater war eine exponierte Figur in der evangelischen Kirche, was immer wieder zu heiklen Situationen führte. Und da ist ein führender Sowjet-Geheimdienstler, wie Putin es in Dresden war, sicher nicht der geborene Freund. Sie hat zu ihm, wie zu fast allen anderen Politikern, ein kühl-korrektes Verhältnis. Wobei sie bisweilen erkennen lässt, dass auch sie – trotz aller Gespräche – Mühe hat zu verstehen, was Putin umtreibt.

Merkel will sich also in Minsk für Frieden in der Ostukraine einsetzen. Da stellt sich umgekehrt die Frage: Hat sie in der Vergangenheit alles getan, um diese Krise, diesen Krieg zu verhindern?

Das ist sehr umstritten. Sie hat Russland gegenüber über die ganze Zeit eine eher harte Linie gefahren. Zwar hat Merkel generell für ein gutes Verhältnis zu Russland plädiert, weil es politisch, wirtschaftlich und kulturell wichtig sei. Aber sie hat beispielsweise das Angebot eines Assoziierungsabkommens mit der EU mitgetragen. Und sie hat das amerikanische Drängen nach einem Raketenabwehrschild in Polen gestützt. Wenn man davon ausgeht, dass solche Schritte Russland in die Enge getrieben und damit den jetzigen Konflikt vorbereitet hätten, müsste man sagen: Sie hat die Folgen dieser unnachgiebigen Politik nicht richtig eingeschätzt. Nur muss man dann konsequenterweise auch fragen, was die Folgen einer anderen Politik gewesen wären?

Zum Schluss: Wie kommt das Engagement Merkels bei den Deutschen an?

Grundsätzlich gut. Man streitet natürlich darüber, ob die bisherige Politik richtig war. Manche sagen, Merkel zögere auch jetzt wieder zwischen einer harten Linie und der Option, direkt auf Putin zuzugehen. Etwa bei der Frage, Waffenlieferungen an die Ukraine zu unterstützen, sehen Kritiker sie am Lavieren. Aber eine grosse Mehrheit der Deutschen findet ihren Einsatz bis zum Letzten, eine Einigung zu finden, gut.

Das Gespräch führte Simon Leu.

Casper Selg

Casper Selg
Legende: casperselg.ch

Seit mehr als 35 Jahren ist Casper Selg Journalist. Er leitete das «Echo der Zeit» und war Radio-Korrespondent in den USA und nach 2010 in Berlin. Seit seiner Pensionierung im Sommer 2015 arbeitet er als freier Journalist und Ausbildner. Er ist Mitglied des Schweizer Presserates.

32 Kommentare

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  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Tatsache ist, Frau Merkel spricht mit gespaltener Zunge. Sie hat der Nato Osterweiterung zugeschaut. Sie hat doch auf gerade A10 Erdkampflugzeuge bekommen. Sie hat den Maidenputsch zugelassen, dank Putin ist noch Frieden. Würde der Russe seine Panzer in Bewegung setzen, wäre die UA in 1 Woche weg. Da sollte das Deutsche Volk Merkel abgewählen oder aufstehen. Mit Russland hat Deutschland Frieden, von den USA ist es immer noch besetzt!
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  • Kommentar von B. Kerzenmacher, Frauenfeld
    Kaum gibt Putin einmal versöhnliche Zeichen von sich, schon fährt die EU wieder eine Drohkulisse auf. Man hat das Gefühl, dass jeder Fortschritt von der EU wieder im Keime erstickt wird. Mittlerweile sollten in Brüssel klar sein, dass Drohungen gegenüber Russland nur kontraproduktiv sind. Dennoch wird, auch in Russland, nur stur an der eigenen Ideologie festgehalten. Offenbar beruht die EU-Diplomatie nur noch auf dem Prinzip "Zuckerbrot und Peitsche". Differenzierung ist nicht mehr zu erkennen.
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  • Kommentar von Hans Weiler, St. Gallen
    Ich bin es müde. Seit Ausbruch der ganzen Krise - die für einen einigermassen vernunftbegabten Menschen ziemlich offenkundig als massivste Aggression seitens der Westmächte gegen den aufstrebenden Riesen Russland gerichtet ist - werden unsere Medien nicht müde, dieses korruptionsgetränkte Schmierentheater als unwillkürlich entstandenes Szenario darzustellen. Wenn bis jetzt der Krieg (das eigentliche Ziel hinter dem Ganzen, siehe US-Kongress) noch nicht ausgebrochen ist, so dank Putin.
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    1. Antwort von Christina Bernegg, Horw
      Herr Weiler,was glauben sie wie müde und,verlassen ich mich fühle.Habe oft stundenlang Rescherschiert und meine Arbeit wurde weggeworfen,da sie anscheinend nicht USA-Konform ist.Für mich nicht nachvollziehbar,was hat die USA in der Schweiz verloren,ich dachte wir haben unsere eigenen Gesetze.Unsere Regierung ist nicht mehr auf unserer Seite,da heist es jetzt aufpassen!!!
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    2. Antwort von A.Käser, Zürich
      C.W./Mehrfach-Bürgerschaften sind das Problem.Gleiches moralisches Desaster wie die Poligamie.Einer herrscht und alle anderen haben nichts zu sagen,ergo auch nichts zu fühlen.Unterordnung heisst die Devise.Nicht Gleichwertigkeit,Anerkennung und ein Bezug zu ganzheitlichen Gefühlen.Nein,Machtdenken herrscht vor."Wo Geld redet,muss der Verstand schweigen." "Alles hat sich nun geändert ,nur unsere Art zu Denken nicht."(A.Einstein) Machtgehabe,(Prostitution)Replikationswahn,Geld,bodenlose Hohlheit.
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    3. Antwort von Thomas Büeler, Pfäffikon
      Grüezi Herr Weiler Wie können Sie nur auf eine solche Meinung kommen? Haben Sie je mit einem ganz gewöhnlichen Bürger/in aus den ehemaligen Satellitenstaaten der UdSSR gesprochen? Was für eine Tyrannei und was für ein längerfristig unhaltbares Wirtschaftssystem haben die Russen von 1945 bis in die 80er Jahre verbreitet und Sie sehen den machtbessenen Putin und seine Entourage heute noch als die Guten an? Überlegen Sie sich das mal! mfG
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    4. Antwort von E. Waeden, Kt. Zürich
      @T. Büeler: In den Tagen des Gedenken an das Ende des Kalten Krieg hat es viele gute Dokumentationen gegeben. Und da sind eben auch viele Menschen aus dem Osten mal zu Wort gekommen. Viele haben bestätigt, dass heute immer nur die negativen Seiten erwähnt werden, sie aber im ganz normalen Alltag alle die Repressalien, wie sie jetzt ständig erwähnt werden gar nicht so gespürt , Einschränkungen, weniger Meinungsfreiheiten usw. nicht ihr Leben bestimmte & sie auch viel schönes hatten.
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