Zum Inhalt springen

Europas Rebellen Separatisten auf dem Vormarsch

Die Katalanen sind nicht die ersten und werden auch nicht die letzten sein, die nach Unabhängigkeit streben. Einige Beispiele.

Schottland

Separatisten Schottland

Seit 310 Jahren gehört Schottland zu England. Erst nach dem Fund von Erdöl in den 1960er-Jahren formierte sich erneut eine separatistische Bewegung, die sich von einer Abspaltung vor allem ökonomische Vorteile erhoffte. 1997 stimmten die Schotten mit dem Segen Londons für die Einrichtung eines Regionalparlaments, das dann 1999 erstmals tagte. Der Ruf nach einer Abspaltung wurde danach immer lauter. Doch die Mehrheit der Schotten sprach sich 2014 bei einem Referendum 2014 dagegen aus. Das war vor dem Brexit, den Schottland im Gegensatz zu England ablehnt. Die schottische Nationalistenpartei SNP interpretierte das Votum als Ermutigung, die Unabhängigkeitsfrage erneut zu stellen. Doch bei den vorgezogenen Neuwahlen im Juni verlor die Partei 21 Sitze im Unterhaus, und zog ihre Pläne für ein erneutes Referendum vorerst zurück.

Wallonen und Flamen

Separatisten Wallonien Flandern

Der Konflikt zwischen der niederländisch sprechenden Mehrheit in Flandern und der frankophonen Minderheit in Wallonien spaltet Belgien bereits seit der Staatsgründung 1830. Die Einführung von Französisch als alleinige Amtssprache und des Katholizismus als Staatsreligion weckte beim niederländisch sprechenden Teil der Bevölkerung in Flandern Widerstand. Später kamen dann auch hohe Ausgleichszahlungen an die wirtschaftlich schwächere Wallonie hinzu. Mit der Regierungskrise von 2010 und 2011 wurde der Konflikt wieder virulent. Die Flamen suchen jedoch nicht die Abspaltung, sondern wollen den Föderalstaat sukzessive auflösen und die Kompetenzen an Flandern und an Europa delegieren. Bei der belgischen Parlamentswahl 2014 wurde die separatistische Partei Neue Flämische Allianz stärkste Kraft in Flandern.

Korsika

Separatisten Korsika

Die Mittelmeerinsel gehört seit über 200 Jahren zu Frankreich. In den 1960er-Jahren formierte sich eine Unabhängigkeitsbewegung, die sich immer stärker radikalisierte und unzählige Bombenanschläge in Frankreich verübte. Die Zentralregierung reagierte mit Zugeständnissen. 1982 erteilte es Korsika den Sonderstatus einer eigenen Gebietskörperschaft mit einer eigenen Regionalregierung. Nachdem sich die Korsen 2003 bei einem Referendum gegen eine Abspaltung von Frankreich ausgesprochen haben, gab die radikale Autonomiebewegung 2014 den bewaffneten Kampf auf.

Baskenland

Separatisten Baskenland

Die Basken sehen sich als eigene Volksgruppe in Spanien. Im 1. Jahrhundert vor Christus tauchten sie in der heutigen spanischen Provinz Navarra auf, mit einer eigenen Sprache, die sich keiner europäischen Sprachfamilie zuordnen lässt. Die Autonomie wurde dem Baskenland unter der Franco-Diktatur 1936 abgesprochen, worauf sich der baskische Widerstand formierte. Zugleich entstand auch die Terrororganisation ETA, die über 50 Jahre lang mit Bomben für einen unabhängigen Staat kämpfte. Hunderte Menschen wurden getötet. 1979 erhielt das Baskenland den Autonomiestatus zurück. Doch die ETA legte erst 2011 die Waffen nieder.

Norditalien

Separatisten Norditalien

Die rechtspopulistische Lega Nord forderte erstmals in den 1990er-Jahren eine Abspaltung des reichen Norditaliens vom Süden. Er hange nur am Tropf Roms und sei eine wirtschaftliche Bremse, erklärte der damalige Lega-Chef Umberto Bossi. Er führte den Begriff «Padanien» für seinen Idealstaat ein. 2012 ging Bossi noch einen Schritt weiter und präsentierte eine Landkarte, auf der auch gleich die Schweiz, Österreich, Bayern und Savoyen zu Padanien geschlagen werden.

Grönland

Separatisten Grönland

Die Insel gehört zu dänischem Territorium, hat aber seit 1979 ihr eigenes Parlament. Finanziell ist Grönland, dessen einzige Einkommensquelle Fisch ist, von Dänemark abhängig. Fast 500 Millionen Euro fliessen jedes Jahr in Richtung Norden. Unter dem schmelzenden Eis werden jedoch zahlreiche Bodenschätze wie Seltene Erden, Diamanten und gar Öl vermutet. Grönland hofft nun, mit den künftigen Einnahmen die Eigenständigkeit finanzieren zu können.

7 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von Michael Arnold (Lyonel)
    Ja das sehe ich auch so, der Bericht gibt nur einige Baustellen wieder. Ich als Friese sehe auch in Ost und West Friesland eine Unabhängigkeitsbewegung. (Gleiche Sprache gleiche Kultur). Wünschen würde ich mir für Europa eine zentrale Regierung in Brüssel oder sonst wo, diese sollte Europa vertreten und finanziell so ausgestattet sein dass sie den ärmeren Regionen unter die Arme greifen kann. Ich lebe nicht in Bayern, kann also auch nicht sagen was die Bedürfnisse dort sind.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von L. Leuenberger (L.L.)
      " Wünschen würde ich mir für Europa eine zentrale Regierung in Brüssel oder sonst wo, diese sollte Europa vertreten und finanziell so ausgestattet sein dass sie den ärmeren Regionen unter die Arme greifen kann." Hoffentlich geht Ihr Wunsch NIEMALS in Erfüllung.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
    Sorry SRF, der Artikel ist unbrauchbar. Die einzelnen Situationen in den genannten Ländern sind unter sich und erst recht nicht mit Katalonien vergleichbar. Zudem fehlt etwa Österreich (sog. "Ortstafelstreit"), die Ukraine oder Moldawien (Provinz in Rumänien), Abchasien, Südossetien, Armenien etc. In Italien haben das Südtirol ("Befreiungsausschuss") und das Aosta-Tal heute eine weitreichende Autonomie; die Trennung Nord-Süd ist lediglich ein Hirngespinst einer Einzelperson.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
    1. Antwort von Toni Koller (Tonik)
      Na, vergleichbar sind die verscheidenen SItuationen schon - einfach nicht identisch. Richtig ist, dass Wichtiges fehlt - namentlich die italienischen Gebiete Südtirol und Aostatal. Dortige Autonomiebestrebungen (bzw. Wünsche nach Wiederanschluss an Österreich) gibt es zwar, aber sie kochen offenbar auf kleinem Feuer. Weil nämlich diese sehr autonomen, reichen Regionen kaum Steuergeld nach Rom liefern müssen und trotzdem italienische Infrastrukturleistungen geniessen. Auch nicht ganz gerecht ...
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
    2. Antwort von Jean-Philippe Ducrey (Jean-Philippe Ducrey)
      @Koller: Naja, das Südtirol und das Aosta-Tal sind weder reiche Regionen noch geniessen sie besondere Infrastrukturleistungen aus Rom und man zahlt auch Abgaben (etwa die MwSt) nach Rom. Aber sei's drum, Verglichen mit dem SRF-Nord-Süd Beispiel kann hier die Lage durchaus mit Katalonien verglichen werden. Italien gewährt auch sprachlichen Minderheiten wie den Ladinern, Sarden, Walsern etc. den nötigen Respekt (Ortstafeln etc.). Genau solche "Kleinigkeiten" sind nun mal wichtig.
      Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Beat Reuteler (br)
    Also die Schotten könnt Ihr streichen, die haben ja bekanntlich abgelehnt.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen