Europas Rechte verbündet sich parlamentarisch

Konnten sich die Euro- und Zuwanderungskritiker bei den letzten Wahlen schon über starke Zugewinne freuen, gelang ihnen nun auch noch die Bildung einer eigenen Fraktion im Europaparlament. Somit steht ihnen mehr Redezeit im Plenum zu. Aber nicht nur das.

Marine Le Pen und Geert Wilders stehen mit Fraktionskollegen nebeneinander.

Bildlegende: Marine Le Pen hat gut Lachen: Im zweiten Anlauf ist ihr die Bildung einer Fraktion gelungen. Keystone

Im Europäischen Parlament wird es künftig eine Fraktion aus Rechtsextremen und Rechtspopulisten geben. Die Parteichefin des rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen, verkündete die Gründung der Fraktion «Europa der Nationen und der Freiheiten» heute im Europaparlament.

Damit gelang den Rechtsextremen im EU-Parlament nach über einem Jahr die Bildung einer Fraktion, für die ihnen bisher noch Abgeordnete aus zwei Ländern gefehlt hatten.

«Das ist eine fantastische Nachricht und ein historischer Moment», hatte der Chef der niederländischen Partei für die Freiheit (PVV), Geert Wilders, bereits am Montagabend getwittert. Neben seiner Partei sind auch die Lega Nord aus Italien, die FPÖ aus Österreich und der Vlaams Belang aus Belgien zusammen mit dem französischen FN in der Fraktion vertreten.

Zuschüsse in Millionenhöhe

Bereits nach den Europawahlen im Mai vergangenen Jahres hatte der FN mit anderen rechtsextremen EU-Abgeordneten eine Fraktion bilden wollen. Es gelang aber nicht, wie vorgeschrieben 25 Abgeordnete aus mindestens sieben EU-Ländern zu finden. Mit ihren bisherigen Verbündeten hatte der FN zwar genug Abgeordnete, aber nicht die nötige Zahl der Nationalitäten.

Nun kommen noch drei Abgeordnete aus Polen und Grossbritannien dazu. Dabei handelt es um eine Europaabgeordnete, die von der EU-feindlichen britischen UKIP ausgeschlossen wurde, sowie um zwei polnische Abgeordnete, die mit der rechtsextremen polnischen KNP «klar gebrochen» haben, wie Le Pen in Brüssel erklärte.

Durch eine Fraktion bekommen die Rechtsextremen und Rechtspopulisten nicht nur eine stärkere Öffentlichkeit, etwa durch mögliche Vorsitze in Ausschüssen oder Unterausschüssen. Sie können auch mit Zuschüssen in Millionenhöhe rechnen.