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Europawahlen Rechtsextremer Front National siegt in Frankreich

Die Partei von Marine Le Pen triumphiert in Frankreich mit einem klaren Sieg. Jede vierte Stimme könnte auf das Konto des Front National gehen. Präsident Hollandes Sozialisten werden erneut abgestraft.

Legende: Video Front National wird stärkste Partei abspielen. Laufzeit 1:11 Minuten.
Aus Tagesschau Spezial vom 25.05.2014.

Mit einem historischen Wahlerfolg hat der rechtsextreme Front National (FN) bei der Europawahl die anderen Parteien deklassiert. Nach ihrem europakritischen Wahlkampf kam die Partei unter Leitung von Marine Le Pen laut ersten Prognosen mit einem deutlichen Zuwachs auf rund 26 Prozent.

Le Pen fordert Rücktritt des Premierministers

Bei der Europawahl 2009 waren es noch 6,3 Prozent. Le Pen forderte angesichts des FN-Ergebnisses die Auflösung der französischen Nationalversammlung. Premierminister Manuel Valls solle zurücktreten.

Regierungschef Valls sprach von einem «ernsten Moment für Frankreich und Europa», einem «Schock» und einem «Erdbeben» für alle Verantwortlichen in der Politik. Umweltministerin Ségolène Royal machte eine «gigantische Wut» bei den französischen Wählern aus.

«Ich glaube, dieses Resultat ist Ausdruck einer tiefgreifenden Vertrauenskrise, in erster Linie gegenüber der EU», sagt Michael Gerber, SRF-Korrespondent in Paris. Die EU habe die wirtschaftlichen Probleme in Frankreich gar verschärft, statt sie zu entschärften, das glaubten gemäss einer aktuellen Umfrage rund die Hälfte der Franzosen. Marine Le Pens europakritischen Parolen seien deshalb auf offene Ohren gestossen.

Legende: Video Einschätzungen von SRF-Korrespondent Michael Gerber abspielen. Laufzeit 1:45 Minuten.
Aus Tagesschau Spezial vom 25.05.2014.

Nur 14 Prozent für Regierungspartei

Die regierenden Sozialisten mussten erneut eine schwere Schlappe hinnehmen. Die Partei von Präsident François Hollande landete bei 13,9 Prozent (2009: 16,5). Die Sozialisten hatten angesichts schlechter Wirtschaftszahlen schon bei den Kommunalwahlen im März schmerzhafte Verluste erlitten.

Michael Gerber führt die Schlappe der Regierungspartei auf eine nationale Vertrauenskrise zurück. Die sozialistische Regierung habe innerhalb nur weniger Wochen den zweiten Denkzettel. «Frankreich stehen turbulente Tage und Wochen bevor».

Hollande rief wichtige Minister für diesen Montag zu einer Sondersitzung im Élysée-Palast zusammen. Erneut hiess es dort, die Regierung müsse schneller und konkreter handeln, um das Vertrauen der Franzosen zurückzugewinnen.

Die konservative UMP wurde mit 20,7 Prozent nur zweitstärkste Partei und lag ebenfalls klar vor den Sozialisten. Allerdings musste auch die intern zerstrittene Partei des früheren Präsidenten Nicolas Sarkozy Verluste hinnehmen (2009: 27,9).

Die französischen Grünen brachen ebenfalls ein und landeten bei rund 8,8 Prozent (2009: 16,3).

Die Wahlbeteiligung stieg nach 40,6 Prozent in 2009 auf nun 43,2 Prozent. In Frankreich waren rund 46 Millionen Wähler aufgerufen, die 74 französischen Abgeordneten für das EU-Parlament zu bestimmen.

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