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Europawahlen «Wenn die EU-Gegner zulegen, wird es für die Schweiz schwieriger»

Die Europawahlen haben begonnen. In 28 Ländern der EU werden die Abgeordneten fürs Europaparlament bestimmt. Rund 400 Millionen Menschen gehen an die Urne, über 750 Sitze gilt es zu besetzen. SRF-Korrespondent Urs Bruderer hat den Wahlkampf verfolgt – und zwei Trends ausgemacht.

Drei Damen mittleren Alters vor einem Haus, in dessen Fenstern blaue Wahlwerbung zu sehen ist.
Legende: Drei von rund 500 Millionen: Diese Damen in Grossbritannien können schon am Donnerstag wählen gehen. Reuters

SRF: Was hat den Wahlkampf diesmal besonders ausgezeichnet?

Urs Bruderer: Zwei Trends waren auszumachen. Da waren zum einen die Parteien, die versuchten, mit Spitzenkandidaten diese Wahlen auch zu einer indirekten Wahl des EU-Kommissionspräsidenten zu machen. Allen voran der Sozialdemokrat Martin Schulz und der Bürgerliche Jean-Claude Juncker, die mit ihren Europatourneen und vielen Duellen erstmals so etwas wie einen EU-weiten Wahlkampf geführt haben.

Zum anderen ist da der Trend, dass EU-Gegner laut allen Umfragen massiv zulegen werden. Es sind meist Parteien am rechten oder linken Rand, oft populistische Parteien. Und in manchen Ländern werden sie spektakulär zulegen. Diese zwei Trends, die einander widersprechen, haben den Wahlkampf geprägt.

Welcher Trend wird sich durchsetzen?

Auch wenn die EU-Gegner zum Teil stark zulegen, in der Mehrheit bleiben ganz deutlich die EU-Befürworter im EU-Parlament. Und um den Titel des Wahlsiegers liefern sich die grossen Parteien, also die Sozialdemokraten und die Bürgerlichen, nach wie vor ein Kopf-an-Kopf-Rennen.

Die EU-Skeptiker werden also zulegen, auch wenn sie nicht die Mehrheit erlangen. Was bedeutet ein solches Resultat für die Schweiz?

Diese EU-Gegner sind ja – wie auch die Schweizer Bevölkerung – unglücklich mit der Personenfreizügigkeit. Es mag paradox klingen, aber wenn sie zulegen, wird es für die Schweiz noch schwieriger werden, die Personenfreizügigkeit neu zu verhandeln. Denn dann können die nach wie vor dominierenden Kräfte in der EU erst recht keine Schweizer Extrawurst dulden, die eine auch in der EU umstrittene Grundfreiheit betrifft.

28 Länder, mehrere hundert Millionen Wahlberechtigte: Wie läuft diese Europawahl praktisch ab?

Da gilt in der EU der Grundsatz: Jeder nach seinem Geschmack. In Grossbritannien wählt man traditionell an einem Donnerstag. Darum geht man dort schon heute an die Urne. In den meisten Ländern ist sonntags Wahltag. Die letzten Urnen schliessen sogar erst um 23 Uhr. Und darum halten sich alle Länder mit der Publikation der offiziellen Resultate zurück, bis am Sonntag um 23 Uhr.

Das Gespräch führte Andreas Lüthi.

Urs Bruderer

Portrait von Urs Bruderer

Der Journalist wirkt seit 2006 für SRF, zunächst als Produzent der Sendung «Echo der Zeit». 2009 wurde er EU-Korrespondent in Brüssel. Seit 2014 berichtet Bruderer aus Osteuropa. Er hat Philosophie und Geschichte studiert.

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58 Kommentare

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  • Kommentar von Markus Guggisberg, Busswil
    Bruderer sollte endlich zur Kenntnis nehmen, dass die Schweiz berechtigte Anliegen hat und keine "Extrawürste" !!!
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  • Kommentar von Björn Christen, Bern
    Umgekehrt wird natürlich auch ein Schuh draus, Herr Bruderer. Mal sehen, wie unflätig man in Brüssel dann noch mit der CH umgeht, wenn im EU-Parlament plötzlich 30% EU-Gegner sitzen sollten, die mit der Schweiz und der direkten Demokratie sympathisieren.
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  • Kommentar von Marlene Zelger, 6370 Stans
    Wenn das Schweizer JA zur ME-Initiative dazu beitragen kann, dass die EU dereinst zusammenbrechen könnte, wird es für die Schweiz besser. Denn dann würde die wirtschaftsbedingte Zuwanderung in die CH automatisch abnehmen, weil dann wieder alle Länder ihre Interessen wahren und sich vom hypothetischen Euro, der auch dem CH Franken hart zusetzt, verabschieden könnten.
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