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Exodus im Bürgerkrieg 150'000 Zivilisten aus Afrin geflüchtet

Kinder und Frauen sitzen in einem Wagen in Afrin.
Legende: Zu Tausenden verlassen Zivilisten die Stadt Afrin. Reuters
  • Die türkische Offensive auf die kurdische Stadt Afrin in Nordsyrien hält weiter an.
  • Seit Mittwochabend sind laut Angaben von Aktivisten mehr als 150'000 Zivilisten aus der Stadt geflüchtet.
  • In der Nacht zum Samstag habe es heftige Kämpfe am Nordrand der Stadt gegeben.

Wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitteilt, versuchen die türkischen Truppen und ihre syrischen Verbündeten in die Stadt vorzudringen.

Zuvor hatte die Beobachtungsstelle erklärt, die türkische Armee habe das wichtigste Spital in Afrin beschossen und 16 Zivilisten getötet, darunter zwei schwangere Frauen. Die türkische Armee weist das zurück.

Was bezweckt die Türkei mit der Offensive?

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Für den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan sind die Kämpfer der kurdischen YPG, die in Afrin bislang das Sagen hatten, Terroristen. Laut Erdogan sind sie mit der in der Türkei verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK verbandelt.

Im Zuge des syrischen Bürgerkriegs sowie des vor bald drei Jahren wiederaufgeflammten Kurdenkonflikts in der Türkei will Erdogan verhindern, dass die Kurden an der Grenze zur Türkei quasi einen eigenen Staat betreiben, den die PKK-Kämpfer als Rückzugsgebiet nutzen können. Er sieht sich durch die Kurdenkämpfer bedroht und nutzt die Gunst der Stunde, das Gebiet unter seine Kontrolle zu bringen.

Nur ein Fluchtkorridor

Die Stadt ist beinahe komplett umzingelt. Lediglich im Süden gibt es einen Fluchtkorridor, der es den Bewohnern ermöglicht, die Stadt in Richtung der von syrischen Kurden oder der syrischen Regierung von Machthaber Baschar al-Assad kontrollierten Gebiete zu verlassen.

Die mehr als 150'000 Zivilisten, welche die Stadt in den vergangenen Tagen verlassen hätten, seien «über diesen Süd-Korridor» geflüchtet, hiess es von der Beobachtungsstelle.

Gemäss UNO-Angaben befanden sich Ende Januar noch 400'000 Menschen in der Stadt.

Syrien

Tote nach Luftangriffen in Ost-Ghuta

Überdies meldete die Beobachtungsstelle, in der seit Wochen unter Beschuss der syrischen Regierungstruppen stehenden Rebellenhochburg Ost-Ghuta bei Damaskus seien am Samstag 30 Zivilisten bei neuen Luftangriffen getötet worden. Keine Angaben machte die Stelle zunächst dazu, wer die Angriffe flog. Die syrischen Truppen werden auch von den russischen Streitkräften unterstützt.

In dem seit sieben Jahren wütenden Bürgerkrieg sind die Angaben der Beobachtungsstelle – wie auch jene der Konfliktparteien – für Medien kaum zu überprüfen.

25 Kommentare

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  • Kommentar von Konrad Schläpfer (Koni)
    Wo bleiben die Sanktionen? Das ist ganz klar ein Kriegerischer Akt, ein Überfall. Aber die Türkei ist ja NATO Mitglied die dürfen sich alles erlauben. Andere werden Sanktioniert und Abgestraft nur weil sie ihren Stützpunkt auf eine Halbinsel nicht hergeben wollen. Was für eine kranke Welt.
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  • Kommentar von Milan Darem (Mannausorient)
    Liebe SRF, warum nehmt ihr die Beschuldigungen von syrische Beobachtungsstelle (sbs) als einzige Quelle? Ihr könnt euch zugleich auf Anadolu Ajansı beziehen, türkische offizielle Nachrichtenagentur. Seit Jahren hören wir von dieser sbs, deren Angaben einseitig und nicht selten falsch sind. Dient offenbar zu Meinungsbildung. Wenn die Angaben der Beobachtungsstelle für Medien kaum zu überprüfen sind, könnt ihr genauso gut auf Angaben von Russland, Türkei, Assad etc. zurückgreifen, oder?
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    1. Antwort von kurt trionfini (kt)
      Herr Milan Darem: Schade, konnten sie den diesen Vorschlag (weiter unten) nicht annehmen: " Am Schluss des Beitrages steht ein kleiner, kurzer Satz. Er fängt mit diesen Worten an: "In dem seit sieben Jahren...". Viel Spass beim Lesen und Erfassen des Inhaltes". Vielleicht klappt es ja bei diesem zweiten Versuch.
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  • Kommentar von Henriette Rub (ehb)
    Diese egoistischen Kriege sind eine Scheusslichkeit, die grössten wahnsinnigen Diktatoren und Waffenlieferanten dienen. Leidtragend ist überall die Zivilbevölkerung, die geknechtet, terrorisiert und vertrieben wird. Dass diese Menschen lieber in einer friedlichen Heimat bleiben würden, kann wohl nicht angezweifelt werden. Die Kritik in diesem Forum, aus dem sicheren Hafen der Schweiz, hilft niemandem, solche Kriege zu verhindern. Und auch unsere Waffenlobby würde gerne mehr exportieren dürfen.
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