Zum Inhalt springen

International Experten fordern Psycho-Tests für Piloten

Vor fast einem Jahr zerschellte ein Airbus in den französischen Alpen. Der Co-Pilot hatte die Maschine absichtlich abstürzen lassen. Im Schlussbericht fordern Experten strengere psychologische Kontrollen – und eine Lockerung des Arztgeheimnisses bei Piloten mit psychologischen Problemen.

Legende: Video Abschlussbericht der französischen Ermittler abspielen. Laufzeit 2:19 Minuten.
Aus Tagesschau am Vorabend vom 13.03.2016.

Fast ein Jahr nach dem Absturz eines Germanwings-Flugzeugs in Südfrankreich hat die französische Flugunfall-Untersuchungsbehörde Bea ihren Abschlussbericht vorgelegt.

Darin fordern die Experten international klare Regeln und routinemässige Überprüfungen von Piloten, wenn die Gesundheit eines Patienten die öffentliche Sicherheit gefährdet. Dies solle «auch im Hinblick auf psychiatrische und psychologische Probleme» erfolgen, so die Ermittler.

Die Ermittler fordern zudem eine Lockerung des Arztgeheimnisses bei Piloten mit psychologischen Problemen. Bisher sei die ärztliche Schweigepflicht von Land zu Land unterschiedlich geregelt.

Zugleich will die Bea, dass häufigere Nachuntersuchungen eingeplant werden, wenn Piloten mit einer entsprechenden Erkrankung wieder als arbeitsfähig eingestuft werden.

Eine entsprechende Empfehlung sei an die Europäische Agentur für Flugsicherheit (Easa) und an die EU-Mitgliedsstaaten gegangen.

Co-Pilot hatte eine Psychose

Im Fall des Germanwings-Piloten wird zudem klar: Laut den Bea-Experten haben mehrere Ärzte von der Erkrankung des Co-Piloten gewusst. «Aber diese Information ist weder zu den Luftfahrbehörden noch zum Arbeitgeber Germanwings gelangt», sagte Bea-Experte Arnaud Desjardins.

Zudem haben die Ermittler bekanntgegeben, dass dem Co-Piloten zwei Wochen vor dem Flugzeug-Absturz geraten wurde, sich in einer psychiatrischen Klinik behandeln zu lassen. Ein Mediziner habe am 10. März eine mögliche Psychose diagnostiziert und eine Einweisung empfohlen.

Absichtlich abgestürzt

Die Ermittler bestätigten erneut, der Copilot habe den Airbus A320 am 24. März 2015 auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf absichtlich zum Absturz gebracht. Alle 150 Menschen an Bord starben. Bereits im Zwischenbericht im vergangenen Mai war die Bea zu diesem Ergebnis.

Der Germanwings-Co-PIlot war nach einer schwerwiegenden depressiven
Periode von August 2008 bis Juli 2009 mit einer ärztlichen Bescheinigung geflogen, die eine Ausserkraftsetzung erhielt, sollte der Pilot wieder rückfällig werden. In den Tagen vor dem Absturz hatte er sich im Internet über Möglichkeiten eines Suizids informiert.

Die Bea ist nicht für die juristische Aufarbeitung oder mögliche Schuldfragen zuständig, sondern für die so genannte Sicherheitsuntersuchung.

«Fehler mit Folgen»

Der Bericht zum Absturz des Germanwings-Flugzeugs zeigt nach Ansicht von Christof Wellens, Anwalt der Opfer, deutliche Mängel beim Lufthansa-Konzern auf: «Der Konzern hat einen psychisch krankhaft vorbelasteten Pilotenanwärter eingestellt und ausgebildet – ein Fehler mit schrecklichen Folgen.»

2 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe (M. Roe)
    Ich kann diese Geschichte nicht glauben. Diese "Lösung" scheint das zu sein, was die Fluggesellschaft am meisten schützt. Anfangs hiess es einmal, dass der Co-Pilot mehrere Monate im Ausland war und der Absturzhergang gleicht anderen "Flugunglücken" zu sehr. Plötzlich vom Radar verschwinden, Höhe verlieren usw... Für mich war er ein sehr gut getarnter "Selbstmordattentäter".
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Rolf Michel (Mosses01)
    Ich habe mich 1968 (!) bei der FVS (fliegerische Vorschulung) für die Vorbereitung zum Militärpiloten angemeldet - musste dann umfangreiche Tests, u.a. auch beim fliegerärztlichen Institut in Dübendorf absolvieren - ein ganzheitlicher Check also. Wenn das heute ca. 50 Jahre später nicht mal Standard bei der Zivilluftfahrt ist dann kann ich mir nur noch an den Kopf greifen - dies so zuzulassen ist von Behörden absolut ein sträflicher Fehler - die transportieren Menschen und nicht nur Waffen!!!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen