Explosionen an Wahlkundgebung in Türkei

Zwei Tage vor der Parlamentswahl in der Türkei sind bei Explosionen an einer Kundgebung der oppositionellen Kurden-Partei HDP zwei Menschen getötet worden. Mehr als hundert Menschen wurden verletzt. Ob es sich um einen Anschlag oder um einen Unfall handelt, ist noch unklar.

Menschen an politischer Kundgebung.

Bildlegende: Anhänger der kurdischen Volksdemokratischen Partei hatten sich in Diyarbakir versammelt. Keystone

Bei einer Explosion während einer Wahlveranstaltung in der osttürkischen Kurden-Stadt Diyarbakir sind nach offiziellen Angaben zwei Personen getötet und rund 100 Menschen verletzt worden.

Ob es sich bei der Explosion um ein Unglück oder einen Anschlag handelt, ist nach Angaben von Ministerpräsident Ahmet Davutoglu unklar. Energieminister Taner Yildiz wies Vermutungen zurück, ein Kurzschluss in einem Transformator sei die Ursache.

Bereits mehrere Übergriffe

Die Explosion ereignete sich kurz vor einer Rede von Selahattin Demirtas, Chef der kurdischen Volksdemokratischen Partei (HDP). Am Donnerstag hatte es bei einem Wahlkampfauftritt von Demirtas in Erzurum im Norden des Landes Randale zwischen HDP-Anhängern und Nationalisten gegeben. Während des Wahlkampfes habe es über 70 Übergriffe gegen seine Partei gegeben, sagte Demirtas zu CNN Turk.

Die HDP tritt erstmals bei einer Parlamentswahl an. Bislang waren kurdische Abgeordnete nur als unabhängige Direktkandidaten im Parlament vertreten.

Um in die Volksvertretung einzuziehen, muss die Partei die Zehn-Prozent-Hürde überwinden. Umfragen zufolge stehen die Chancen gut. Von ihrem Abschneiden hängt es unter anderem ab, ob die regierende AK-Partei ihre Mehrheit behaupten kann. Präsident Recep Tayyip Erdogan hofft gar auf eine Zweidrittel-Mehrheit, damit er die Verfassung ändern kann.

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  • FOKUS: Regieren mit Herrscherhand

    Aus 10vor10 vom 5.6.2015

    Der türkische Präsident Erdogan will seine Macht bei den Wahlen von diesem Sonntag weiter zementieren. Im Falle eines klaren Siegs seiner AKP will Erdogan ein Präsidialsystem im Stile Russlands aus der Türkei machen. Seine Gegner befürchten diktatorische Verhältnisse, sollte sein Plan gelingen.

  • FOKUS: Vereint gegen Präsident Erdogan

    Aus 10vor10 vom 5.6.2015

    Vor allem Minderheiten wie beispielsweise die Aramäer, wie die orientalischen Christen im Südosten der Türkei genannt werden, stehen einem allfälligen Sieg von Erdogan und seiner AKP skeptisch gegenüber. Im Dorf Kafro will darum die ganze Gemeinschaft geschlossen gegen die AKP stimmen. Ob die Hoffnung der Christen in die pro-kurdische Partei der Völker berechtigt ist, muss sich erst noch zeigen.