Explosionen erschüttern Gaza im Minutentakt

Es waren die schlimmsten israelischen Angriffe seit Beginn der Kämpfe. Das berichten die Bewohner der Stadt Gaza. Die israelische Armee griff 150 Ziele im Gazastreifen an – und zwar aus der Luft, vom Boden und vom Wasser aus. Erneut starben Menschen.

Video «Gaza-Konflikt eskaliert» abspielen

Gaza-Konflikt eskaliert

1:22 min, aus Tagesschau vom 29.7.2014

Die israelische Armee hat nach Medienberichten in der Nacht zum Dienstag etwa 150 Ziele im Gazastreifen angegriffen. Einwohner der Stadt Gaza berichteten von den bisher schlimmsten Angriffen seit Beginn der Offensive vor drei Wochen.

Israelische Drohnen seien über die Häuser geflogen, schwere Explosionen hätten die Stadt im Minutentakt erschüttert.

Zwei Männer umarmen sich vor einer zerbombten Moschee.

Bildlegende: Was tun, wenn um einen herum die Bomben fallen? Reuters

Auch das einzige Elektrizitätswerk von Gaza wurde von Granaten getroffen, wie ein Sprecher mitteilte. Medienberichten zufolge steht es noch immer in Flammen. Das Kraftwerk produzierte rund 30 Prozent des Energiebedarfs im Gazastreifen.

Insgesamt gab es bei den massiven Angriffen von See, aus der Luft und mit Artillerie nach Angaben der palästinensischen Rettungsdienste 26 Tote, darunter neun Frauen und vier Kinder.

Auch auf israelischer Seite gab es Tote. Binnen 24 Stunden seien zehn Soldaten getötet worden seien, teilte die Armee mit.

Armee informiert ihre späteren Opfer

Vor ihren Angriffen rief die israelische Armee die Einwohner des Gazastreifens zur sofortigen Räumung ihrer Häuser auf. Die Warnungen seien an Palästinenser in Sadschaija, Saitun und dem östlichen Teil von Dschebalia sowie in Beit Lahia und Beit Hanun im nördlichen Gazastreifen geschickt worden, teilte die Armee mit.

Die Zivilisten sollten sich ins Zentrum der Stadt Gaza begeben, hiess es in den Botschaften, die per Telefon, SMS und Flugblätter übermittelt wurden. Die Armee sendet solche Mitteilungen für gewöhnlich vor massiven Angriffen.

Ban: Kein Platz für noch mehr Verzweifelte

UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon zeigte sich über diese Aufforderung der israelischen Armee besorgt. Wenn dies wahr sei, bedeute es eine weitere verheerende Auswirkung für die belagerten Zivilisten in diesen Teilen des Gazastreifens, die bereits immenses Leiden erfahren hätten.

Ban warnte, die in Gaza arbeitenden UNO-Organisationen hätten nicht die Ressourcen, einen zusätzlichen riesigen Zustrom verzweifelter Menschen zu bewältigen oder ihnen Hilfe zu gewähren. Ban betonte erneut, dass die Feindseligkeiten beendet werden müssten.

Keine Waffenruhe in Sicht

Die internationalen Appelle für eine Waffenruhe blieben bislang fruchtlos. US-Aussenminister John Kerry erklärte, seine Bemühungen um eine Waffenruhe dennoch fortsetzen zu wollen. Letztlich könne die Krise in der Region aber nur beigelegt werden, wenn die «Hamas und alle anderen Terrorgruppen entwaffnet» würden, sagte Kerry.


Kritik an John Kerry

5:41 min, aus Echo der Zeit vom 28.07.2014

Derweil gab die französische Regierung bekannt, drei Millionen Euro zur Unterstützung der Menschen in Gaza zu spenden. Dabei handele es sich um den ersten Teil von acht Millionen Euro, die für aussergewöhnliche humanitäre Unterstützung an die Palästinensische Autonomiebehörde gehen sollen.

Am Dienstag soll eine palästinensische Delegation in Ägypten über eine Waffenruhe zwischen Israel und den militanten Palästinensern diskutieren, erklärte ein hochrangiger Funktionär, der namentlich nicht genannt werden wollte.

1113 tote Palästinenser – 56 tote Israelis

Die Zahl der Palästinenser, die seit dem Beginn der Konfrontation am 8. Juli getötet wurden, erhöhte sich auf 1113. Die Zahl der getöteten israelischen Soldaten stieg auf 53, auch drei Zivilisten kamen ums Leben.

Appelle bleiben ungehört

Appelle bleiben ungehört

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu will die Offensive im Gazastreifen fortsetzen. Die Kämpfe sind am Montagabend auf beiden Seiten wieder heftig aufgeflammt. Hier mehr.

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Palästinensische Feuerwehrleute bekämpfen den Brand des einzigen Kraftwerks im Gazastreifen.

    Gaza brennt

    Aus Echo der Zeit vom 29.7.2014

    Die Bevölkerung im Gazastreifen erlebte eine der schlimmsten Bombennächte seit Beginn des Krieges vor drei Wochen. Auch tagsüber gingen die Angriffe weiter. Das einzige Kraftwerk Gazas steht in Flammen.

    Die Einrichtungen des UNO-Hilfswerks UNWRA sind überfordert, sie können keine neuen Flüchtinge mehr aufnehmen.

    Iren Meier

  • Gaza-Konflikt eskaliert

    Aus Tagesschau vom 29.7.2014

    Gestern Nacht starben 15 Bewohner des Gazastreifens bei israelischen Bombenangriffen. Auch in Tel Aviv heulten die Sirenen wegen Raketenangriffen der Hamas. Trotz internationaler Bemühungen ist eine sofortige und bedingungslose Waffenruhe nicht in Sicht.

  • Weltsicherheitsrat mahnt Israel und Hamas

    Aus Tagesschau vom 28.7.2014

    Nach drei Wochen Krieg im Gazastreifen hat der Uno-Sicherheitsrat von beiden Konfliktparteien eine sofortige Waffenruhe gefordert. Der Appell verhallte jedoch ungehört; trotzdem schwiegen die Waffen heute vorübergehend.