Explosive Stimmung in Tunesien – Salafisten randalieren

In Tunesien eskalieren die Spannungen zwischen Salafisten und der gemässigt islamistischen Regierung: Bei gewaltsamen Protesten von Anhängern der Gruppe Ansar al-Scharia gab es Verletzte und einen Toten. Auslöser: Die Regierung verbot einen Salafisten-Kongress.

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Unruhen in Tunesien

1:18 min, aus Tagesschau vom 19.5.2013

In einem Vorort der tunesischen Hauptstadt Tunis kam es zu schweren Ausschreitungen: Demonstranten errichteten Strassenblockaden aus brennenden Reifen, warfen Steine und Molotowcocktails. Sicherheitskräfte setzten Tränengas und Gummigeschosse ein und feuerten Warnschüsse in die Luft. Ausser der Polizei waren auch Einheiten der Armee und der Nationalgarde im Einsatz.

Ein 27jähriger Anhänger der Salafisten ist bei den Zusammenstössen ums Leben gekommen. Das Innenministerium spricht weiter von elf verletzten Sicherheitskräften, davon einer schwer. Unter den Demonstranten wurden drei Verletzte gezählt.

In der Stadt Kairouan wollten die Salafisten ursprünglich einen Kongress abhalten. Der tunesische Innenminister hatte am Freitag die jährliche Veranstaltung abgesagt – aus Sicherheitsgründen.

Die Anhänger werden für Angriffe auf die US-Botschaft sowie auf als «zu westlich» gebrandmarkte TV-Sender und Kunstausstellungen verantwortlich gemacht. Sie hatten damit auf ein Mohammed-Schmähvideo aus den USA und die Ausstrahlung eines angeblich gotteslästerlichen Films reagiert. In Kairouan selbst kam es zu kleineren Ausschreitungen.

Zur Zahl der Festgenommen bei den Protesten gab es zunächst keine offiziellen Angaben. Nach Informationen der staatlichen Nachrichtenagentur TAP sollen mindestens 20 Personen in Polizeigewahrsam gekommen sein.

Chef der Salafisten-Bewegung wird gesucht

Tunesiens Ministerpräsident Ali Larayedh kündigte nach TAP-Angaben an, auch in Zukunft keine Erlaubnis für einen Kongress von Ansar al-Scharia zu erteilen. Die Gruppe habe Kontakte zum Terrorismus und werde deswegen künftig als illegale Organisation eingestuft, hiess es. Ihr Chef Abou Iyadh werde bereits von den Sicherheitskräften gesucht.

Die gemässigt islamistische Regierung hatte sich bereits in den vergangenen Monaten immer wieder klar von den Salafisten distanziert.

Diese lehnen westliche Demokratien ab und sehen eine «islamische Ordnung» mit islamischer Rechtsprechung (Scharia) als einzig legitime Staats- und Gesellschaftsform an.