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Dschihadisten in Tunesien Extremisten in Tunis gefasst

Legende: Video Suche nach Mitwissern abspielen. Laufzeit 01:58 Minuten.
Aus Tagesschau vom 24.12.2016.

Das Wichtigste in Kürze

  • Sicherheitskräfte nehmen in der Hauptstadt Tunis weitere mutmassliche Dschihadisten fest.
  • Die Männer sollen für Rekrutierung und Entsendung von Kämpfern ins Ausland verantworlich sein.
  • 800 Extremisten, die aus Irak, Syrien und Libyen nach Tunesien zurückgekehrt waren, sollen derzeit unter Beobachtung stehen.
  • Hunderte Menschen hatten am Samstag vor dem Parlament in Tunis gegen die Rückkehr von Dschihadisten nach Tunesien demonstriert.

Tunesische Sicherheitskräfte haben fünf weitere mutmassliche Dschihadisten festgenommen. Zunächst gab es aber keine Hinweise, dass die Festnahmen in Zusammenhang mit dem Anschlag in Berlin und dem mutmasslichen Täter Anis Amri stehen.

«Gefährliche Gruppe»

Man habe in einem Randgebiet der Hauptstadt Tunis eine «gefährliche» Gruppe ausgehoben, die für die Rekrutierung und Entsendung von Kämpfern ins Ausland verantwortlich sei, teilte das tunesische Innenministerium mit. Die Festgenommenen seien zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Am Samstag hatten Ermittler in Tunesien drei Männer in Gewahrsam genommen, die mit Amri in Verbindung stehen sollen. Einer der Verdächtigen sei sein Neffe. Amri habe gewollt, dass dieser der Terrormiliz Islamischer Staat die Treue schwöre.

Die Behörden in Tunesien hatten zuletzt mitgeteilt, dass 800 Extremisten, die aus Ländern wie Libyen, Syrien oder dem Irak wiedergekehrt waren, in dem nordafrikanischen Land unter Sicherheitsüberwachung stehen.

Kundgebung gegen Rückkehrer

Erst am Samstag hatten hunderte Tunesier vor dem Parlament in Tunis gegen eine Rückkehr von Dschihadisten in ihr Land protestiert. Mehrere Nichtregierungsorganisationen hatten zu der Demonstration aufgerufen, an der laut den Veranstaltern rund 1500 Menschen teilnahmen.

Anlass waren Äusserungen von Präsident Béji Caid Essebsi, wonach die Behörden die Rückkehr von Dschihadisten nicht verhindern könnten. Nach UNO-Schätzungen kämpfen mehr als 5000 Tunesier für dschihadistische Organisationen im Ausland, zumeist im Irak, Syrien oder Libyen. Viele von ihnen seien rückkehrwillig, hatte der Präsident Anfang Dezember gesagt. Für ihre Verhaftung fehlten Plätze im Gefängnis, sie würden aber überwacht. Diese Äusserungen hatten viele Tunesier empört.

Zahlreiche Tote bei Anschlägen

Seit dem Arabischen Frühling 2011 wurden in dem nordafrikanischen Land mehr als hundert Soldaten und Polizisten bei Anschlägen getötet - ebenso wie rund 20 Zivilisten und 59 ausländische Touristen.

Den Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt, bei dem am Montag zwölf Menschen getötet worden waren, hatte ebenfalls ein Tunesier verübt. Der geflohene Attentäter Anis Amri wurde am Freitag von der italienischen Polizei erschossen.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von Ueli von Känel (uvk)
    Natürlich sollten die entsprechenden Herkunftsländer Dschihadisten zurücknehmen. Aber wir alle sind Teil eines Wirtschaftssystems, das in sich keine inneren Werte mehr vertritt, sondern soziale Ungerechtigkeiten schafft. Hierfür tragen wir alle mehr oder weniger Mitverantwortung. Sinnentleerung, wie sie in unserer sehr konsumorientierten Gesellschaft fortschreitet, und soziale Ungerechtigkeit sind der "beste" Nährboden für Gewalt, Terror, Krieg. Es kann doch niemand gegen sozialen Frieden sein!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Nicht sollten. Müssen. Schliesslich haben diese Leute das entsprechende Bürgerrecht. Das hat mit dem Wirtschaftssystem nichts zu tun.
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    2. Antwort von Ueli von Känel (uvk)
      Herr Reuteler: Wir sind Schweizerbürger, Tunesier haben in der Regel dort ihr Bürgerrecht. Aber wir gehören in der heutigen vernetzten Wirtschaft zum oben genannten System. Hier geht es darum, etwas über die eigene Nasenlänge hinauszudenken: Es sind nicht einfach die andern, die Dinge falsch machen, sondern weite Teile der Welt krankt an sozialer Ungerechtigkeit. Was würden Sie tun, wenn Sie keine Perspektiven mehr sähen und nirgendwo akzeptiert würden? Wohl nicht stille dort verharren, oder?
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  • Kommentar von Christian Szabo (C. Szabo)
    Gerade in Europa wurde der "Arabische Frühling" hochgelobt. Dabei ist es im Grunde ein verdeckter Religionskrieg, bei dem es um Machterweiterung der Sunniten geht. Ganz einfach. Europa hat leidvolle Erfahrungen mit diversen solchen Ereignissen hinter sich. Die Trennung von Kirche und Staat wäre ein Ziel, dass der gesamten Menschheit nützen würde. Aber da haben wir und die Muslime einen langen Weg vor uns. Diese Erkenntnis sollte jedoch jedes Volk auf seine Weise umsetzen.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Nein, der Arabische Frühling war original eine politische Bewegung die mehr Freiheiten für die Jungen Leute und die Frauen etc. wollte, einher mit einer Demokratisierung, also mehr politische Rechte für die Leute, weniger Macht den Regimes. Dies ist gescheitert, vielleicht mit Ausnahme von Tunesien, aus vielerlei Gründen. Wenn es läuft wie in Ägypten, wo die Islamisten schon bei den ersten "demokratischen" Wahlen eine Mehrheit bekommen ist natürlich der Boden für Demokratie hart.
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    2. Antwort von elize naude (elize)
      @ christian teils ein sehr naive vorstellung... in südafrika war währendem verachtende apartheit-era trennung von kirche und staat... hat aber auf keine weisse frieden gebracht... in gengenteil... wo menschen sind menschelets... punkt aus! krieg hat es noch immer gegeben... mit oder ohne religion!!!!
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    3. Antwort von Christian Szabo (C. Szabo)
      @Naude: Apartheit ist auch eine Art Religion. Es gibt leider viele Völker/Ethnien, die sich überlegen fühlen. Gründe dazu kann man sich genug aus den Fingern saugen. Dabei ist die Menschheit genetisch sehr ähnlich. Kulturelle Unterschiede bringen uns bei allen Schwierigkeiten weiter.
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  • Kommentar von Andreas Krummenacher (Andreas Krummenacher)
    Ich finde diese Proteste gegen die Rückkehr von Dschihadisten ein gesundes Zeichen. Immerhin ist Tunesien das einzige Land des arabischen Frühlings von 2011, welches den Uebergang zur Demokratie geschafft hat. So gesehen ein gesundes und starkes Zeichen des Widerstandes der Zivilgesellschaft gegen Totalitarismus.
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ja, nur beim Term "geschafft hat" bin ich noch etwas skeptisch. Allerdings war doch Tunesion schon vorher das Land im Maghreb das sich am stärksten dem Westen angenähert hatte. Somit war der Boden dort besser vorbereitet? Möglicherweise kam die Bewegung des Arabischen Frühling für viele andere Länder einfach zu früh, weil dort die Grundlagen dazu fehlten.
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