EZB-Entscheid: Das Protokoll zum Nachlesen

Die Europäische Zentralbank (EZB) kauft für 1140 Milliarden Euro private Bonds und Staatsanleihen. Hier ein Überblick über die Ereignisse.

EZB-Entscheid

  • Die Europäische Zentralbank will bis Ende September 2016 monatlich für 60 Milliarden Euro Staatsanleihen und andere Wertpapiere aus den Euro-Ländern aufkaufen.
  • Das Kaufvolumen dürfte somit bis zu 1140 Milliarden erreichen.
  • Die Staatsanleihekäufe werden nach dem Anteil der Mitgliedsländer der Eurozone am Kapital der Notenbank auf die einzelnen Länder verteilt.
  • Mit der Massnahme will die EZB will die europäische Wirtschaft ankurbeln – der Euro wird damit letztlich weiter geschwächt.
  • Zudem wurde bekannt: Die EZB belässt den Leitzins im Euroraum auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent.
  • Eine Zusammenfassung des EZB-Entscheids finden Sie hier.
Der Ticker ist abgeschlossen.
  • 17 :31

    Wir beenden hiermit diesen Liveticker zu den Ereignissen um den EZB-Entscheid. Eine Zusammenfassung dazu finden Sie hier. Hinzu kommen laufend neue Reaktionen, Hintergründe und Einschätzungen auf srf.ch/news. Besten Dank für Ihr Interesse.

  • 17 :11

    Runder Tisch für Sozialpartner gefordert

    Economiesuisse-Chefin Monika Rühl sieht nach dem EZB-Entscheid den Druck auf die Wirtschaft erhöht, wie sie am WEF sagte. «Der EZB-Betrag ist an der oberen Grenze.» Wie sich das längerfristig auswirken wird, wisse man noch nicht. «Doch schon ein Kurs auf Parität ist für die Schweizer Wirtschaft schwierig.» Monika Rühl hält einen runden Tisch für die Sozialpartner in Monatsfrist für praktikabel.

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    Monika Rühl, Direktorin von Economiesuisse

    9:00 min, vom 22.1.2015

  • 16 :53

    Bankenbranche überrascht

    David Kohl, Leiter Währungsresearch bei der Bank Julius Bär: «Die über 1000 Milliarden Euro sind mehr als ich erwartet habe. Insbesondere Draghis Hinweis, dass die Anleihenkäufe noch ausgedehnt werden könnten, falls die Konjunktur im Euroraum nicht in Fahrt kommt, ist ein starkes Signal.»

    Jörg Krämer, Chefökonom der deutschen Commerzbank: «Ich interpretiere Draghis Aussagen so, dass er im Falle einer anhaltend niedrigen Inflation nachlegen könnte. Nach QE (Quantitative Easing) ist vor QE.»

    Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank: «Die realwirtschaftlichen Effekte für Wachstum und Inflation dürften sehr überschaubar bleiben. Was der Euroraum wirklich braucht, sind nicht noch weitere Programme der EZB, sondern Reformen in Wirtschaft und Politik.»

    Holger Sandte von der Nordeabank: «Die EZB erfüllt mit QE primär ihren Auftrag. Natürlich löst das Programm nicht die Probleme des Euroraums, aber es wird helfen Deflation zu vermeiden und die Schuldenlast einiger Länder tragbar zu machen.»

  • 16 :43

    FDP-Nationalrat Christian Lüscher lobt nachträglich das Vorgehen der Schweizerischen Nationalbank: «Die ganze Schweiz wäre jetzt wütend auf die SNB, hätte diese nicht vor einer Woche den Euro-Mindestkurs aufgehoben.»

  • 16 :35

    Auswirkungen für die Schweiz

    • Der Schweizer Franken dürfte durch den EZB-Entscheid noch stärker werden. Um 16.30 Uhr lag der Euro-Frankenkurs bei 0,9899.
    • Schweizer Konsumenten können sich weiterhin am schwachen Euro freuen. Ferien im EU-Raum sind billig wie nie.
    • Der Druck auf die Exportwirtschaft, den Detailhandel, den Tourismus und die Arbeitsplätze bleibt hoch.
    • Der SMI vollführt einen Zickzackkurs. Er liegt aber den ganzen Tag im Minus.
  • 16 :24

    Kritik aus dem In- und Ausland

    Harsche Kritik zum EZB-Entscheid gibt es vor allem aus Deutschland. «Die EZB hat ohne Not ihren letzten Trumpf ausgespielt», sagt Handelskammer-Geschäftführer Martin Wansleben. «Dabei überwiegen eindeutig die Risiken: Die Wirkung des Ankaufs von Staatsanleihen auf die Preisentwicklung in der Euro-Zone ist unsicher. Auch die Gefahr von Spekulationsblasen an den Finanzmärkten lässt Draghi weiter steigen.»

    Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne/ZH) fordert als Reaktion auf den EZB-Entscheid erneut die Einführung einer Finanztransaktionssteuer und verweist dabei auch auf Nationalratskollege Louis Schelbert.

  • 16 :11

    Euro auf Elf-Jahres-Tief

    Der Euro fällt nach Ankündigung von EZB-Wertpapierkäufen auf ein Elf-Jahres-Tief von 1,1454 Dollar.

  • 16 :05

    Wie viel Geld geht jeden Monat an welches Land in der Euro-Zone? Das neue Programm der EZB im Detail:

  • 15 :49

    Draghi und die Schweiz

    Mario Draghi äusserte sich an der Medienkonferenz auch zur Schweiz, jedoch sehr wortkarg: «Wer nach der Schweiz fragen will: Wir kommentieren die Entscheide anderer Zentralbanken nie.»

  • 15 :45

    US-Börse leicht im Plus

    Der Dow Jones eröffnet nach dem Entscheid der EZB leicht im Plus. Er steht fünf Minuten nach Handelsbeginn bei ungefähr 17600 Punkten.

  • 15 :39

    Deutsche Staatsanleihen im Fokus

    Die EZB will laut Draghi die geplanten Staatsanleihekäufe nach dem Anteil der Mitgliedsländer der Eurozone am Kapital der Notenbank auf die einzelnen Länder verteilen. Damit wird die EZB vor allem Staatsanleihen von Deutschland, gefolgt von Frankreich und Italien kaufen.

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    Draghi zur Rolle der EZB

    0:37 min, vom 22.1.2015

  • 15 :34

    Kurzinterview mit SRF-Wirtschaftsredaktor Manuel Rentsch

    Was erhofft sich die EZB von diesen Massnahmen konkret?

    Das ist eine langfristige Massnahme. Sie soll die Wirtschaft ankurbeln, die Staaten entlasten, und die Inflation ansteigen lassen. Das Ziel der EZB ist eine Inflation von knapp zwei Prozent. Momentan ist man weit davon entfernt. Der zweite Effekt der Massnahme sind günstigere Zinsen. Staaten kommen leichter und zu günstigeren Konditionen an Geld.

    Aber es ist eine neue Massnahme und vor allem eine Massnahme, mit der man bislang in der Eurozone keine Erfahrung hat.

    Es ist eine neue Massnahme, die EZB betritt damit Neuland. Die Amerikaner haben es vorgemacht. Die EZB kauft Anleihen von 19 Staaten in der Eurozone. Das ist ein Unterschied zu den USA, wo es um Anleihen von nur einem Staat ging. Spekulationen sagen, die Massnahme habe grosse Auswirkungen.

    Somit ist auch unklar, ob diese Massnahme überhaupt wie gewünscht wirkt – nämlich die Wirtschaft in den Krisenländern wieder in Schwung zu bringen?

    Wenn man drei Ökonomen fragt, erhält man drei Meinungen. Die Zinsen sind ohnehin schon sehr tief. Ob die Massnahme also viel bringt, ist umstritten.

    Der Entscheid der EZB betrifft vor allem einmal die Länder mit dem Euro als Währung. Doch welche Folgen hat der EZB Entscheid für die Schweiz?

    Auch die Zinsen in der Schweiz werden tief bleiben. Doch es stossen zwei unterschiedliche Interessen aufeinander. Die Nationalbank wollte mit ihrer Massnahme letzte Woche den Euro stützen, die EZB will ihn verbilligen, in dem sie mehr davon in Umlauf bringt.

  • 15 :32

    Erste Kritik am EZB-Entscheid kommt von EU-Kommissar Valdis Dombrovskis: «Die EZB kann Zeit kaufen, aber kann nicht die strukturellen Probleme der Volkswirtschaften lösen.»

  • 15 :27

    Merkel zur EU-Währungspolitik

    Kurz vor dem EZB-Entscheid hat die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel am Weltwirtschaftsforum (WEF) die Unabhängigkeit der Zentralbank betont. Weiter führte sie aus: «Was immer für eine Entscheidung die EZB fällt, sie dürfe nicht davon ablenken, dass die eigentlichen Wachstumsimpulse durch vernünftige Rahmenbedingungen durch die Politik gesetzt werden müssen und auch gesetzt werden können.»

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    Angela Merkel über EZB

    0:13 min, vom 22.1.2015

  • 15 :23

    Deutsche Börse auf Rekordhoch

    Die neue Flut billigen Geldes der EZB gibt der deutschen Börse Auftrieb. Der deutsche Aktienindex Dax stieg um bis zu 1 Prozent auf ein Rekordhoch von 10‘399,67 Punkte.

  • 15 :22

    Der Euro sinkt zum Franken vorübergehend auf ein Tagestief von 0,9857 Franken.

  • 15 :19

    Euro fällt zum Dollar

  • 15 :16

    Erste Einschätzung zum EZB-Entscheid

    SRF-Wirtschaftsredaktor Thomas Oberer: «Draghi kauft mehr Staatsanleihen, als die Finanzmärkte erwartet hatten. Aber ob das viele Geld reicht, die wirtschaftliche Schwäche der Eurozone zu beseitigen oder zumindest zu lindern, das ist derzeit offen. Denn es fehlt vielen Firmen nicht an Geld und auch die Banken haben genug Reserven. Es fehlt vielmehr an Aufträgen und an einer positiven wirtschaftlichen Perspektive. Investitionen werden im Moment zurückgehalten und so gerät Europa immer mehr ins Hintertreffen.»

  • 15 :07

    Draghis Plan

    Draghi erhofft sich durch die drastischen Massnahmen die extrem niedrige Inflation im Euroraum wieder knapp unter 2,0 Prozent zu befördern. Damit würden Sorgen vor einer Deflation vorerst beendet. Allerdings ist bei vielen Experten umstritten, ob die Anleihenkäufe das gewünschte Ziel erreichen.

  • 15 :03

    SMI wenig beeindruckt

    Die Schweizer Börse hat nach der Veröffentlichung der Einzelheiten zum Anleihenkaufprogramm die Verluste nur vorübergehend abgebaut: Der SMI notierte kurz nach der Veröffentlichung um 1 Prozent tiefer. Kurz nach 15 Uhr lag der Leitindex wieder mit fast 1,4 Prozent im Minus.