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International EZB-Proteste: Auf Chaoten folgt friedliche Kapitalismuskritik

Nach schweren Ausschreitungen ist eine Demonstration gegen die Politik der Europäischen Zentralbank in Frankfurt am Nachmittag friedlich geblieben. Die Polizei zählte rund 17'000 Kapitalismuskritiker. Bei den Krawallen am Morgen waren über 200 Menschen verletzt worden, darunter fast 100 Polizisten.

Legende: Video «Eskalation in Frankfurt» abspielen. Laufzeit 2:36 Minuten.
Aus Tagesschau vom 18.03.2015.

Die offizielle Eröffnung des neuen Sitzes der Europäischen Zentralbank hat in Frankfurt am Main heute für einen ganztägigen Ausnahmezustand gesorgt.

Am Nachmittag kamen laut Polizeiangeben rund 17'000 Menschen zu einer dreistündigen Kundgebung der Blockupy-Bewegung. 60 Busse aus 39 europäischen Städten und ein Sonderzug hatte Demonstranten nach Frankfurt gebracht.

Im Anschluss an die Kundgebung marschierten die Kapitalismuskritiker durch die Innenstadt der Finanzmetropole. Auf Plakaten war unter anderem zu lesen: «Je suis Greece. Keine Macht der Troika» und «Die Krise heisst Kapitalismus».

Gewalt und Zerstörung am Morgen

Vor der friedlichen Kundgebung hatten sich die gewaltbereiten Kapitalismuskritiker mit blinder Zerstörungswut Gehör verschafft und sich wüste Strassenschlachten mit der Polizei geliefert. Dabei wurden über 220 Personen verletzt, darunter fast 100 Polizisten. 15 Personen wurden laut Polizeiangaben verhaftet.

Rauchschwaden zogen über das Mainufer, in der Luft lag der beissende Geruch von Tränengas. Feuerwehrwagen und Strassenbahnen seien mit Steinen attackiert worden. Die Feuerwehr, die zu dutzenden Einsätzen ausrückte, sei zudem am Löschen gehindert worden. Dies teilte die Polizei mit.

Über dem Arbeiterviertel Ostend, wo die neue, 185 Meter hohe Zentrale der Europäischen Zentralbank (EZB) direkt am Main steht, kreisten Helikopter. Permanent waren Sirenen zu hören. Kindergärten und Schulen in der Gegend haben ihre Tore erst gar nicht aufgemacht, die Stadtautobahn war gesperrt, Strassenbahn- und Busverkehr eingeschränkt.

Tweets zu #blockupy

«Gewalt nicht Teil des Occupy-Konsens»

Die Organisatoren des Protests distanzierten sich von der Gewalt. «Wir haben uns den Tag anders vorgestellt», sagte eine Sprecherin. Die militanten Proteste stellten die friedlichen Demonstrationen in den Schatten. Sie seien «nicht Teil des Occupy-Konsens».

Für die Demonstranten der Bewegung Blockupy ist die neue EZB-Zentrale das Symbol einer völlig verfehlten Krisenpolitik in den südlichen Euro-Ländern. Sie werfen der EZB vor, mit ihrer Politik die Armen immer ärmer und die Reichen immer reicher zu machen. «Es gibt nichts zu feiern an Sparpolitik und Verarmung!» heisst es im Protest-Aufruf der Bewegung.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hatte zu einer Demonstration aufgerufen. Rund 1000 Menschen versammelten sich zum Protestmarsch. Der Stadtverbandsvorsitzende des DGB kritisierte die schweren Gewalttaten vom Morgen: «Das ist total kontraproduktiv.»

81 Kommentare

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  • Kommentar von G.Beretta, Bern
    Würden die Menschen das Geldsystem verstehen, hätten wir eine Revolution noch vor morgen früh.“ Henry Ford
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  • Kommentar von Christophe Bühler, 8135 Langnau am Albis
    Die Veranstalter der Demo werden sicher für die angerichteten Kollateralschäden finanziell geradestehen oder vielleicht bezahlt der DGB. Wer demonstriert ohne sich an rechtsstaatliche Spielregeln zu halten, ist kein Demokrat.
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    1. Antwort von A.Käser, Zürich
      C.B./Könnten jedoch auch bezahlte Chaoten sein.(agent provocateur)Auf wessen Kosten?Wäre interessant zu wissen.(Siehe auch Artikel von Susanne Lüscher,Gossau;18.03.015;13:17)
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    2. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      @Christophe Bühler: Für diese Demonstration hatte die deutsche LINKE, ehmals DDR- SED und Putin-Propagatrommler den Hut auf. Die Ober-LINKE Kipping wies ja schon im Vorfeld, bevor es überhaupt zu diesen Ausschreitungen kam, der Polizei die Schuld zu, die hat jetzt 94 Verletzte, was für äußerste Zurückhaltung spricht. Die deutsche Polizeigewerkschaft empfiehlt in solchen Fällen künftig Grenzkontrollen durchzuführen, um sich Ausländerrowdies schon im Vorfeld erwehren zu können.
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    3. Antwort von Marcel Chauvet, Neustadt
      Neben dem Steuerzahler für öffentliches Eigentum und den Gesundheitskosten verletzter Polizisten leisten, sofern Verträge abgeschlossen, die Versicherungen. Randalierer sind in den wenigsten Fällen dingfest in Regress zu nehmen. Von diesen Galgenvögeln, oft aus dem Ausland angereist, dürfte allerdings ohnehin nichts zu holen sein.Könnte man die Organisatoren, also diejenigen, die die Demo beantragt haben und den Hut aufhaben in Regress nehmen, könnte man solchen Unfug bestimmt reduzieren.
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  • Kommentar von M. Roe, Gwatt
    Ich denke die Krise heisst nicht "Kapitalismus" sondern "Korruption". Und übrigens ist es doch schön, dass so viele friedlich demonstrieren können. Damit kann die korrupte Gesellschaft inkl. EZB ganz gut leben. Man könnte sagen: Seid weiterhin brav, dann kommt ihr in den Himmel.
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