EZB weitet Nothilfen für griechische Banken aus

Die Europäische Zentralbank greift Griechenlands Banken kurzfristig unter die Arme. Mit mehreren Milliarden sollen die Finanzinstitute bis zur Einigung im Schuldenstreit gestützt werden. Offiziell bestätigt wurde das aber noch nicht.

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«EZB hat griechische Nerven vorerst beruhigt»

1:12 min, vom 19.6.2015

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Nothilfen für die griechischen Banken erhöht. Dies wurde am Rande der EZB-Sitzung in Luxemburg bekannt. Von der Erhöhung der Nothilfe berichteten verschieden Medien unter Berufung auf Bankenkreise. Eine offizielle Bestätigung liegt bislang aber noch nicht vor.

«Die Erhöhung wurde genehmigt – sie alle erwarten ein positives Ergebnis des Gipfels am Montag», sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person zu Reuters. Spaniens Wirtschaftsminister Luis de Guindos sagte, die EZB scheine die sogenannten ELA-Nothilfen erhöht zu haben. Zuvor war aus Finanzkreisen zu hören gewesen, dass die griechische Zentralbank um eine Erhöhung der Nothilfekredite von mehr als 3 Milliarden Euro gebeten habe.

«Am Montag könnte es eng werden»

In Athen selbst wirkte sich die Ankündigung der Aufstockung positiv aus. «Es hat weder vor den Geldautomaten noch in den Schalterhallen der vier systemrelevanten Banken Schlangen gegeben», berichtet SRF-Korrespondentin Ruth Bossart.

Wahrscheinlich habe die EZB die griechischen Nerven erst einmal beruhigen können. «Wenn allerdings beim Krisengipfel am Montag keine Lösung auf den Tisch kommt, dann wird es eng.» Denn einen solchen Mittelabfluss wie in den letzten Tagen könne das griechische Bankensystem nur ganz, ganz kurz durchhalten.

Die EZB hatte zuletzt am Mittwoch den ELA-Rahmen um 1,1 Milliarden auf 84,1 Milliarden Euro angehoben. Dieses Programm ist derzeit die zentrale Finanzierungsquelle für die Geldinstitute in Griechenland. Die ELA-Kredite werden zu deutlich schlechteren Konditionen vergeben als die üblichen EZB-Darlehen.

Banken geht das Bargeld aus

Die Lage der griechischen Banken wird unterdessen immer prekärer. Aus Angst vor einer Staatspleite Athens heben die Konsumenten und Unternehmen viel Geld von ihren Bankkonten ab, um es ins Ausland zu transferieren oder als Bargeld zu horten.

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Ramspeck: «Kompromiss auf Biegen und Brechen»

1:04 min, vom 19.6.2015

Dieses Geld fehlt den Banken aber in ihrem Tagesgeschäft. Weil sie zugleich von der herkömmlichen Finanzierung über die EZB abgeschnitten sind, erhalten sie von der griechischen Zentralbank Nothilfen, die der EZB-Rat genehmigen muss.

Nachdem ein Treffen der Euro-Finanzminister am Donnerstag keinen Durchbruch brachte, ist nun für den Montag ein Euro-Sondergipfel anberaumt. «Die Regierungschefs werden dort versuchen, auf Biegen und Brechen eine Kompromiss-Einigung hinzubekommen», glaubt SRF-Korrespondent Sebastian Ramspeck in Brüssel.

«Das könnte so aussehen, dass die Gläubiger nicht nur die Hilfsmilliarden leihen, sondern obendrein noch Schuldenerleichterungen und einen Investitionsplan in Aussicht stellen.» Bedingung wäre aus Sicht der Gläubiger wohl aber, dass auch Alexis Tspipras Zugeständnisse machen – zum Beispiel bei den Renten.

Notfallinstrument im Bankensystem

Das ELA-Programm ist ein Notfallinstrument im europäischen Zentralbankensystem. Es richtet sich an Banken, die sich zeitweise in einer aussergewöhnlichen Situation befinden. Die Abkürzung ELA steht für die englische Bezeichnung Emergency Liquidity Assistance.

Geldhäuser, die im Prinzip zahlungsfähig sind, aber vorübergehend Liquiditätsprobleme haben, können bei der Zentralbank ihres Landes ELA-Kredite aufnehmen. Diese müssen allerdings vom Rat der Europäischen Zentralbank ab einer gewissen Höhe genehmigt werden.

Treffen geplant

Die Euro-Finanzminister wollen sich noch vor dem für Montag geplanten Griechenland-Gipfel erneut beraten. Man wolle sich ebenfalls am Montag treffen, sagte der finnische Ressortchef Alexander Stubb. Dies, um einen Vorschlag für den Euro-Gipfel auf dem Tisch zu haben.