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International Fährunglück: Ermittler befürchten noch mehr Opfer

Mindestens 13 Menschen sind beim Fährunglück in der Adria gestorben. Jetzt wird gegen den Kapitän und den Eigentümer des Schiffes ermittelt. Die Untersuchungsbehörden befürchten, dass noch weit mehr Opfer geborgen werden.

Legende: Video Unklare Opferzahl bei Fährbrand abspielen. Laufzeit 2:45 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 30.12.2014.

Wie viele Menschen waren mit der «Norman Atlantic» unterwegs? Genau weiss das niemand, da es unterschiedliche Angaben zur Zahl der Passagiere gibt, die sich an Bord befanden.

Die Untersuchungsbehörden teilten mit, es könnten sich knapp 500 Menschen an Bord befunden haben. Klar ist lediglich, dass sich mehr Personen auf der Fähre befanden, als auf den Passagierlisten registriert waren. Gerettet wurden laut der italienischen Marine 427 Personen.

Zwei Seemänner wollten helfen und starben

Für mindestens 11 Passagiere kam die Rettung hingegen zu spät. Sie konnten nur noch tot geborgen werden. Darunter sind zwei Afghanen und ein Syrer, der um politisches Asyl ersucht hatte. Sie waren als blinde Passagiere mitgereist. Ums Leben gekommen sind zudem zwei albanische Seemänner, die sich an der Rettung beteiligt hatten.

Weil die Anzahl blinder Passagiere unbekannt ist, werde sich die Anzahl Toter wohl noch erhöhen. Das sagte der Staatsanwalt von Bari, Giuseppe Volpe. Die Migranten hatten sich vor allem in den Lastwagen versteckt – just auf jenem Deck, auf dem das Feuer ausbrach.

Brennende Fähre.
Legende: Wer hat Schuld am Fährunglück? Die Justiz hat Kapitän und Eigentümer im Visier. Keystone

Unterdessen ist die Justiz aktiv geworden. Sie ermittelt gegen den Kapitän des Schiffes sowie gegen den Eigentümer der Fähre. Der Vorwurf lautet auf fahrlässige Tötung.

«Mit Kompetenz und Würde»

Rückendeckung erhielt der Kapitän vom Admiral der italienischen Marine, Giuseppe De Giorgi. «Der Kapitän geniesst meinen vollen Respekt, weil er mit grösster Kompetenz und Würde seine Arbeit geleistet hat. Er hat als letzter das Schiff verlassen, wie es ein Kapitän tun muss», sagte De Giorgi.

Die Reederei beteuerte, das Schiff habe alle Zertifikate gehabt und sei fahrtüchtig gewesen. Bei einer Inspektion am 19. Dezember waren leichtere Mängel an der «Norman Atlantic» moniert worden. Unter anderem betraf das auch die Brandschutztüren. Dabei sei eine «leichte Fehlfunktion» aufgefallen, die aber «zur Zufriedenheit der Inspektoren» behoben worden sei, versicherte der Eigentümer.

Chaos an Bord

Die Evakuierung der Fähre verlief nach Berichten von Geretteten chaotisch. Unter hunderten Passagieren sei Panik ausgebrochen. «Man wollte Kindern, älteren Menschen und Frauen Vorrang bei der Rettung geben», sagte eine griechische Passagierin. Aber einige Männer hätten sich nicht darum geschert, «sie schlugen uns und schoben uns weg, um sich als erste in Sicherheit zu bringen». An Bord habe es zudem an Koordination und an Anweisungen gefehlt.

Ein geretteter Lkw-Fahrer klagte, von der Besatzung sei keinerlei Hilfe gekommen. «Es gab keinen Feueralarm, der Rauch hat uns geweckt. Wir mussten Wasser vom Deck trinken und uns mit dem zudecken, was wir gerade finden konnten.»

«Es war ein schwimmender Vulkan»

Auch die Retter hätten sich nicht um sie gekümmert. «Wir waren zwischen Feuer und Wasser, und niemand hat geholfen. Sie haben nicht eine Flasche Wasser oder eine Decke für die Kinder abgeworfen, und die waren zum Teil in Unterwäsche», so der Fahrer weiter. «Es war ein schwimmender Vulkan.»

Medien spekulierten zudem über Abstimmungsprobleme zwischen den an der Rettung beteiligten Ländern. So soll Griechenland zum Beispiel favorisiert haben, dass die «Norman Atlantic» ins nähere Albanien geschleppt werde. Doch dies sollen die Italiener, die das Kommando bei der Operation haben, nicht unterstützt haben.

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