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International Fahrverbote und Tempolimiten wegen Smog

In Südeuropa, am Mittelmeer, herrscht derzeit «dicke Luft». In Italien und Spanien ist seit einem Monat die Luft derart verschmutzt, dass jetzt Massnahmen gegen die Feinstaub-Belastung getroffen werden. In Mailand und Rom gelten ab Montag Fahrverbote. Auch in China wurde erneut Alarm gegeben.

Legende: Video Smog in Südeuropa abspielen. Laufzeit 1:47 Minuten.
Aus Tagesschau Spätausgabe Wochenende vom 24.12.2015.

Nach 40 Tagen ohne Regen ergeht es Mailand ein bisschen wie Peking. Noch dürfen Autos fahren, doch ab Montag gilt während sechs Stunden pro Tag ein Fahrverbot. Zudem darf an Neujahr kein Feuerwerk gezündet werden.

Auch andere italienische Städte sind vom Smog betroffen. Wegen der hohen Luftverschmutzung hat auch Rom ein Fahrverbot für die Zeit nach Weihnachten verhängt. Am Montag und Dienstag dürfen Autos und Lastwagen jeweils zwischen 10 und 16 Uhr im Innenstadtbereich nicht mehr fahren.

In den vier grössten Gemeinden des Landes – Rom, Mailand, Neapel und Turin – wurde der Grenzwert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft in diesem Jahr schon an mehr als den eigentlich zulässigen 35 Tagen überschritten.

Stabile Inversionslage

Verantwortlich für die schlechte Luft ist das sonnige und windarme Wetter. Seit Wochen liege ein Hochdrucksystem über dem Mittelmeer, das sich immer wieder neu regeneriert hat, erklärt Jan Eitel, Meteorologe von SRF Meteo.

«Das verursacht eine sogenannte Inversionslage. Das bedeutet, dass die untere Luftschicht kühler und feuchter ist und sich so rasch Nebel bildet. Dieser Nebel zusammen mit den Emissionen des Verkehrs und der Industrie führt dann zu Smog.»

Auch Barcelona und Sarajevo betroffen

Wie dicker Nebel hängt der Smog auch über Barcelona, und das schon den ganzen Monat. Deshalb wurden in Katalanien Tempolimiten eingeführt.

Ähnlich sieht es in Bosnien-Herzegowinas Hauptstadt Sarajevo aus. Die Behörden haben deshalb die Schliessung von Schulen angeordnet. Um die Situation zu entspannen, wäre auch hier Regen oder Wind nötig.

Ein solch stabiles Hoch über solch eine lange Zeit über dem Mittelmeer sei aussergewöhnlich, erklärt Jan Eitel. Aber wegen des Kaltluftvorstosses im Westen und Osten könne das Hochdruckgebiet gar nicht entweichen.

Über 100 Mio. Chinesen betroffen

Wegen starken Smogs haben am Donnerstag zehn chinesische Städte die höchste Alarmstufe ausgerufen. Mehr als 100 Millionen Menschen im Osten und im Zentrum des Landes wurden nach Berichten der Staatsmedien aufgerufen, zu Hause zu bleiben.

Nach Behördenangaben hatte am Vortag mit der östlichen Provinz Shandong erstmals eine ganze Provinz die höchste Smog-Alarmstufe ausgerufen. In Xinxiang in der zentralen Provinz Henan wurde nach Behördenangaben am Donnerstagmorgen eine Feinstaub-Belastung von 727 Mikrogramm pro Kubikmeter gemessen - fast das 30-fache des von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwertes. Es ist bereits das vierte Mal in diesem Monat, dass weite Teile des Landes von extremer Luftverschmutzung betroffen sind.

Hoher Kohleverbrauch

Erstmals war Anfang Dezember auch in der Hauptstadt Peking die höchste Smog-Alarmstufe ausgerufen worden. Ein Umweltwissenschaftler machte gegenüber der staatlichen «China Daily» den hohen Kohleverbrauch für die Luftverschmutzung verantwortlich.

Der chinesische Staatsrat hat das Ziel ausgegeben, bis 2020 den Ausstoss der «wichtigsten Umweltschadstoffe» der Kohlekraftwerke um 60 Prozent zu reduzieren. Anfang Dezember berichtete die Umweltschutzorganisation Greenpeace allerdings, die Regierung habe in diesem Jahr den Bau von 155 neuen Kohlekraftwerken genehmigt.

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12 Kommentare

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  • Kommentar von Beppie Hermann (Eine rechte Grüne)
    J.Baltensperger,25.12/11:07 "Links kümmert sich sehr liebevoll um unsere Umwelt" Also das kann ich als 70Jährige, seit 60J noch immer fast tägl.aktive Artenschützerin auch nicht stehen lassen. Die Menschheit hat es versäumt, sich als Teil der Natur wahrzunehmen. H.sapiens gehört zurückgestuft hinter seine eigene Lebensgrundlage, alles andere ist Symptombehandlung. Und doch,die Natur reagiert lokal, Probleme wirken sich erst ab gewissem Ausmass global aus (Massenreproduktion, Urwaldabholzung usf)
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  • Kommentar von Markus Berner (Markus Berner)
    "Verantwortlich für die schlechte Luft ist das sonnige und windarme Wetter." Wie schön ist das Wetter dafür verantwortlich und nicht wir Menschen...
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  • Kommentar von B. Häfeli (xxx)
    @ U. Schüpbach: "Warum gibt es nicht 100 Kommentare dazu?" Gute Frage - mögliche Antwort: Eigentlich wissen die Behörden, die Bewohner, die Industrie und ganz bestimmt auch SRF, dass nicht die fehlenden Niederschläge zu dieser Smog- Misere führen, sondern das permanente Verschmutzen der Atemluft durch das dümmliche Verhalten der Menschheit (Verbrennen von Erdöl, Erdgas und Kohle). Da ja niemand, nur im geringsten, sein Verhalten überdenkt, ist halt die Inversionslage daran schuld!
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    1. Antwort von Mark Stalden (Mark)
      Eine Inversionslage ist im Grunde nichts besonderes eher das Diese mit der Veränderung im Klima auch länger werden.Zusammen mit der Luftverschmutzung gibt es dann diese Suppe aus Giftiger Luft. Oel/gas und Kohle sind die Ursachen. Nun das es nicht 100 Kommentare gibt verwundert mich nicht,das Bewusstsein fehlt und China ist ja Weit weg. Aber der Tag wird kommen wo das Klima die Tagesschau dominiert. Klima Flüchtling könnte auch ein Schlagwort werden.Da ist die Flüchtlingswelle heute noch Heilig.
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