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International «Fall erinnert mich an Swissair 111 in Halifax»

Vor dem Absturz der MS804 kam es offenbar zu einem Brand an Bord. Dass von der Maschine ein Rauchalarm ausgegangen ist, hat die französische Flugunfallbehörde indessen bestätigt. Tim van Beveren, Experte für Flugsicherheit, interpretiert die jüngsten Erkenntnisse zum Flugzeugabsturz von Egypt Air.

Legende: Video Tim van Beveren über die jüngsten Erkenntnisse abspielen. Laufzeit 03:32 Minuten.
Aus News-Clip vom 20.05.2016.

An Bord der Egypt-Air-Unglücksmaschine ist offenbar Feuer ausgebrochen. Das berichtet «10vor10» unter Berufung auf das renommierte Online-Aviatik-Journal «The Aviation Herald, Link öffnet in einem neuen Fenster». Es stützt sich dabei auf Meldungen des digitalen Datenfunksystem ACARS, welches einfache Nachrichten vom Flugzeug an Bodenstationen sendet. Der «Aviation Herald» hat nach eigenen Angaben die ACARS-Daten aus drei unabhängigen Quellen erhalten.

Die französische Flugunfallbehörde BEA hat inzwischen bestätigt, dass kurz vor Abbruch der Datenübertragung via ACARS entsprechende Daten übermittelt worden seien. Rauch sei, so eine Sprecherin der BEA, aus dem Toilettenbereich im vorderen Teil des Flugzeugs gemeldet worden. Ein Rückschluss auf die Ursache des Unfalls, betonte sie, sei damit nicht möglich. Zunächst müsse der Flugschreiber gefunden und dessen Daten ausgewertet werden.

Die massgeblichen ACARS-Daten waren die folgenden:

  • Um 02:26 Uhr meldete ACARS Rauch in der Toilette. Eine Minute später Rauch im Elektronik- und Steuerungsraum.
  • Um 02:29 meldet das System den Ausfall einer Steuerungseinheit. Kurz darauf fällt auch der Backup-Computer aus.

Weitere Informationen kann das System nicht mehr übermitteln. Ein «Mayday» – ein Hilferuf aus der Maschine – bleibt aus. 290 Kilometer vor der ägyptischen Küste verschwindet die Maschine dann von den Radarschirmen.

Verheerender Elektrobrand

«Der Fall erinnert mich an die Ereignisse vom 2. September 1998, als Swissair 111 vor Halifax abgestürzt war», sagt Tim van Beveren, Experte für Luftfahrt und Flughsicherheit in Berlin. Auch dort sei ein elektrischer Brand ausgebrochen.

«Man kann aus den Daten des ‹Aviation Herald› lesen, dass zuerst ein Sensor in einer Toilette angeschlagen hat. Dann im ‹Avionics Compartment› (Steuerungsraum der Flugzeugelektronik) unter dem Cockpit. Dieser Bereich ist aber nicht zugänglich, und man kann dort kein Feuer bekämpfen.»

Ansonsten seien die Daten sehr konsistent mit dem, was man heute schon wisse – vor allem aus den Radardaten des griechischen Verteidigungsministeriums. Das Flugzeug sei rasch nach unten gegangen, was darauf hinweise, das die Piloten sofort gehandelt und eine Notlandung auf dem Wasser versucht hätten.

Auch für Daniel Sollberger und Christoph Regli von der Ingenieurschule an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) sind die Informationen von «The Aviation Herald» aus dem Datenfunksystem ACARS verlässlich, wie sie gegenüber SRF sagten.

ACARS-Daten von Flug MS804

ACARS (Aircraft Communications Addressing and Reporting System):
00:26Z 3044 ANTI ICE R WINDOW
00:26Z 561200 R SLIDING WINDOW SENSOR
00:26Z 2600 SMOKE LAVATORY SMOKE
00:27Z 2600 AVIONICS SMOKE
00:28Z 561100 R FIXED WINDOW SENSOR
00:29Z 2200 AUTO FLT FCU 2 FAULT
00:29Z 2700 F/CTL SEC 3 FAULT
No further ACARS messages were received

ACARS: ein digitales Datenfunksystem

ACARS: ein digitales Datenfunksystem
ACARS ist ein digitales Datenfunksystem, das zwischen Flugzeugen und Bodenstationen Nachrichten übermittelt. Hunderte Airlines nutzen das in den 70er-Jahren entwickelte «Aircraft Communications Addressing and Reporting System», um Daten zur Position des Flugzeugs, zur noch verbleibenden Menge an Treibstoff oder Fehlermeldungen an die Bodenstation weiterzugeben – per Daten- oder Satellitenfunk. Früher übermittelten die Piloten solche Angaben per Sprechfunk, gerade in der Nähe von grossen Flughäfen waren die Frequenzen aber schnell überlastet.

Zuletzt war ACARS in den Schlagzeilen, als im März 2014 der Flug MH370 der Malaysian Airlines auf mysteriöse Weise in Südostasien verschwand. Das System sei kurz nach dem Start in Kuala Lumpur ausgeschaltet worden, teilte die malaysische Regierung damals mit. Als eine Air-France-Maschine Anfang Juni 2009 über dem Atlantik abstürzte, sendete das System in den letzten Minuten des Fluges zwei Dutzend Fehlermeldungen.
Legende: Video Flugzeugunglück: Suche wird intensiviert abspielen. Laufzeit 01:02 Minuten.
Aus Tagesschau am Mittag vom 21.05.2016.

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13 Kommentare

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  • Kommentar von S. Petrovic (S.Petrovic)
    Ich bin kein Experte aber wie ich sehe sind zuerst Ausfälle von einigen Sensoren gemeldet und nacher Rauch, und es ist alles schnell gegangen das deutet auf Explosion. Frau Wüstner- es ist im menschlichen Natur etwas selber zu versuchen zu erklären wenn es keine andere Erklärung gibt, dass machen Angehörigen auch.
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    1. Antwort von Klaus Waldeck (kdwbz)
      man merkt das Sie kein Experte sind. Ich denke für eine Explosion braucht es nicht 3 Minuten Vorwarnung ... Sehr gut ist es auf jeden Fall das zumindest die ACARS-Daten verfügbar sind. Die exakte Ursache dieses tragischen Unglücks wird wohl erst mit Auffinden der Blackbox und des Wracks möglich sein.
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    2. Antwort von S. Petrovic (S.Petrovic)
      @ Waldeck. Sind Sie Experte?
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    3. Antwort von Alex Kramer (Kaspar)
      @ Waldeck: 3 Minuten sind eine erstaunlich lange Zeit bei einem Rauchalarm. Ich gehe davon aus, dass seit SR111 jeder einigermassen informierte Pilot zumindest eine Meldung absetzt. Ausserdem ist nichts vom Radarprofil bekannt, das "Verschwinden"von den Schirmen hat wohl eher mit dem Ausfall des Transponders zu tun. Zerfiel das Flugzeug auf Reiseflughöhe oder erst beim Aufschlag auf dem Wasser? Bei SR111 war ein riesiger Trümmerteppich vorhanden, der hier gänzlich zu fehlen scheint.
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  • Kommentar von Christa Wüstner (Saleve2)
    Jetzt gibt es wieder die Experten und die Hobbyexperten, die genau Zusammenhänge mit letzten Abstürzen herstellen können. Nur eines ist sicher, die armen Menschen sind tod. Und es ist genau so sicher, dass es viel Zeit braucht zur Aufklärung. Spekulationen sind auch für die Angehörigen, eine sehr schwere Belastung.
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  • Kommentar von Hans Haller (panasawan)
    Es muss also sehr rasch gegangen sein. Sehr fraglich ob die Piloten ueberhaupt noch etwas unter Kontrolle bringen konnten.
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