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International Falsche Delikatessen: Die Mafia entdeckt die Lebensmittel

Die italienische Mafia macht jährlich einen Umsatz von geschätzten 15 Milliarden Franken mit Lebensmitteln, etwa mit gefälschtem Büffel-Mozzarella. In der «Rundschau» zeigt sich Italiens oberster Anti-Mafia-Jäger über diese Entwicklung besorgt. Die Clans operieren global, «weit über die Grenzen».

Legende: Video «Mafiöse Delikatessen.» abspielen. Laufzeit 7:20 Minuten.
Aus Rundschau vom 19.12.2012.

Kurz vor Weihnachten stellen italienische Feinkost-Geschäfte die bekannten Weihnachtskörbe mit Köstlichkeiten aus dem Bel Paese zusammen. Kaltgepresstes Olivenöl, Wein, Pasta. Nur: auch die Mafia mischt immer unverblümter mit im Geschäft mit «Made in Italy»-Produkten. Aufsehen erregte letzten Sommer die Verhaftung  des «Armani des Mozzarella» in Neapel. Der Unternehmer soll seine Firma mit Geldern der Camorra gegründet haben.

Beschlagnahmte Lebensmittel auf einem mit blauem Tuch ausgelegten Tisch.
Legende: Von Salami über Tomatenkonserven bis hin zu Weisswein: Alle diese Lebensmittel wurden gefälscht. srf

Doch in nur sehr wenigen Fällen ist es bis jetzt zur Anklage wegen Mafia-Zugehörigkeit gekommen. Kommt es zu einer Verurteilung, würden zudem Fälscher von Lebensmitteln nur milde bestraft, beklagt Konsumentenschützerin Silvia Biasotto. So verkaufte etwa ein Weinproduzent billigen Rebensaft als «Montepulciano»; die Busse knapp 5000 Franken.  «Wer erwischt wird, muss nicht ins Gefängnis. Die Strafen sind gering, der Profit  ist gross» sagt Biasotto.

Hauptumschlagplatz: Der Hafen Neapel

Hauptumschlagplatz für gefälschte Ware ist der Hafen von Neapel: Bei 500'000 Containern im Jahr können die Zollbeamten nur Stichproben nehmen. Mafiöse Geschäfte werden häufig mit aus China importierten Tomaten gemacht, die dann als hochwertige italienische Tomatensauce wieder re-exportiert werden. «Der Schwindel ist einfach. Da wird auf englisch San Marzano draufgeschrieben, obwohl eigentlich eine ganz andere Tomatensorte drin ist. Aus Billigware wird so ein Qualitätsprodukt zu demensprechenden Preisen!» sagt Rosario Romano Zollbeamter im Hafen von Neapel, der «Rundschau».

Eine Mafia, die über die Grenzen operiert

Das Problem der Unterwanderung der Lebensmittelproduktion durch die Mafia wird in Italien sehr ernst genommen, weil die Lebensmittelproduktion zentral ist für die italienische Exportindustrie. Darum trafen sich im November Vertreter von Anti-Mafia-Polizei, Justiz und Konsumentenschutz an einem Gipfel.

 Italiens oberster Anti-Mafia Jäger Piero Grasso zeigt sich in der «Rundschau» besorgt über diese Entwicklung: «Wir haben es da mit einer Mafia zu tun, die sich schon im Verkauf und im Vertrieb von Nahrungsmitteln eingenistet hat. Die Globalisierung erleichtert das. Da werden Geschäfte gemacht mit Speditionsfirmen, Importeuren aus dem Ausland, kriminellen Strukturen. Das ist eine Mafia, die weit über die Grenzen operiert!»

Nicht nur Italien ist betroffen von der Unterwanderung der Lebensmittelproduktion durch das organisierte Verbrechen. Anfang Woche wurden bei einer Gross-Razzia von Europol und Interpol in 29 Ländern tonnenweise gefälschter Luxusprodukte wie Trüffel, Kaviar oder Spirituosen beschlagnahmt.

6 Kommentare

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  • Kommentar von B. L., ZH
    Besonders deutsche Produkte (man erinnere sich an den deutschen Gammelfleischskandal) sollte man mit aller Vorsicht geniessen. Migros und Coop haben letzte Woche still und heimlich deutsche Produkte aus den Regalen genommen, da sie unter dem Verdacht stehen nicht zu enthalten was drauf steht. Betroffen sind vor allen Dingen Nüsse, Teigwaren, Fleisch aber auch Töpfe und Pfannen.
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  • Kommentar von A.Arnold, Ebikon
    Sind wir nur noch von Bankster und Mafiosi umgeben? Es wird Abgezockt und gefälscht auf Teufel komm raus! Der Bürger und Konsument wird von vorne bis hinten besch........! Wehe dem,der Anständig ist .........!
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  • Kommentar von Gabi Bossert, Safenwil
    die italienische Mafia macht jährlich einen Umsatz von geschätzten 15 Milliarden Franken mit Lebensmitteln. Das die Mafia nicht seit gestern agiert, damit müsste sich auch ein Herr Berlusconi heute noch beschäftigen müssen. Stattdessen schlägt er den EU Austritt vor, möchte die Lira wieder einführen und erhält dafür bestimmt auch viel Zuspruch und Sympathie. Die ermöglichten wirtschaftlichen Perversitäten haben mit Politik zu tun, die Völker erschrecken nur vor Resultaten.
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    1. Antwort von franz schleiniger, montecatini/italien
      Hauptsache Berlusconi ist mit Kriminellen in Verbindung gebracht. Woher Wissen Sie, dass er mit diesen Drecksgeschäften zu tun hat? Tatsache ist, dass Italien mit Fälschungen "Made in Italy" ca 110`000 Arbeitsplätze verloren gehen. In der Provinz Prato ist Europaweit die 2.grösste Chinesendichte. Dort wird Mode im grossen Stil ilegal hergestellt. Der Konsument macht sich Mitschuldig durch den Kauf solcher Artikel. Hauptsache billig!!
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