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International Fast 33'000 Menschen sind im Vorjahr wegen Terrors gestorben

Die Zahl der Menschen, die wegen Terrorismus ihr Leben liessen, stieg 2014 um 80 Prozent. Dies zeigt der «Global Terrorism Index». Die Hälfte der Opfer geht auf das Konto von IS und Boko Haram. Im Westen spielt Islamismus indes eine weniger gewichtige Rolle, als man vermuten könnte.

Wurde von der gefährlichsten Terrorgruppe, Boko Haram, entführt: die 20-jährige Dorcas Aiden.
Legende: Wurde von der gefährlichsten Terrorgruppe, Boko Haram, entführt: die 20-jährige Dorcas Aiden. Keystone

Der «Global Terrorism Index 2015», Link öffnet in einem neuen Fenster zeigt: Der Terrorismus hat Konjunktur. Konkret sind die terroristischen Aktivitäten im Jahr 2014 auf einen neuen Höchststand gestiegen.

Wegen Terrors ist die Zahl der Toten (y-Achse) im Verlauf der vergangenen vierzehn Jahre klar gestiegen.
Legende: Wegen Terrors ist die Zahl der Toten (y-Achse) im Verlauf der vergangenen vierzehn Jahre klar gestiegen. START GTD

Die wesentlichen Resultate

Mit blutigen Folgen; Sind 2013 noch 18'111 Menschen dem Terror zum Opfer gefallen, waren es 2014 32'685. Dies entspricht einer Steigerung von 80 Prozent.

Mit Blick auf den Messbeginn im Jahr 2000 hat sich die Zahl der Menschen, die wegen Anschlägen ihr Leben liessen, verneunfacht.

Boko Haram hat den IS überholt und ist neu die tödlichste Terrormiliz, die es gibt. Insgesamt sind im vergangenen Jahr 6644 Menschen wegen Boko Haram gestorben – 317 Prozent mehr als im 2013.

Die tödlichste Terroristengruppe war im Jahr 2014 Boko Haram. Sie hat 5049 Menschen mehr getötet als im Vorjahr.
Autor: Global Terrorism Index

Terroristische Akte passieren konzentriert. In fünf Ländern wurden 78 Prozent aller Todesfälle gezählt, die auf Terror zurückzuführen sind. Es sind dies die Staaten Irak, Nigeria, Afghanistan, Pakistan und Syrien.

Terroristische Taten sind schlimm, aber weniger schlimm als Tötungsdelikte. Denn: Weltweit fallen jedes Jahr 437'000 Menschen einer Tötung zum Opfer. Das ist mehr als 13 Mal mehr, als Menschen durch Terrorismus sterben.

Die wesentlichen Trends

Immer mehr sind Zivilisten Ziel von terroristischen Attacken. Konkret sind 2014 172 Prozent mehr Privatpersonen wegen Anschlägen gestorben.

Zwar gibt es viele religiöse Gruppierungen. Aber die Anschläge, die auf religiöse Figuren oder Institutionen abzielten, haben um 11 Prozent abgenommen.

Nigeria hat den höchsten Anstieg von Terrorismus erfahren. Insgesamt beklagt das Land 7512 Tote wegen terroristischen Anschlägen - was einem Anstieg von über 300 Prozent entspricht. Die Steigerung hat einen klaren Grund: Nigeria beherbergt zwei der fünf tödlichsten Gruppen: Boko Haram und die militanten Fulani.

Der Strom fremder (ausländischer) Kämpfer in den Irak und nach Syrien hat 2014 und 2015 angehalten. Seit 2011 haben zwischen 25'000 und 30'000 die beiden Länder erreicht. 7000 sind allein im ersten Halbjahr 2015 dorthin gelangt.

Wegen Terrors ist die Zahl der Toten (y-Achse) im Verlauf der vergangenen vierzehn Jahre klar gestiegen.
Legende: Die Ausgaben für den Terrorismus (y-Achse, Mrd. Dollar) sind so hoch wie im Jahr des «Nine Eleven». IEP Calculations

Nimmt man die Türkei aus, stammt jeder Fünfte ausländische Kämpfer aus Europa. Die Hälfte stammt aus dem benachbarten Mittleren Osten und nordafrikanischen Ländern.

Wie der Terrorismus als Phänomen immer verbreiteter ist, nehmen auch entsprechenden Kosten zu. Schätzungen zufolge haben diese seit 2000 einen neuen Höchststand erlangt.

2014 sollen 52,9 Milliarden US-Dollar für den Terrorismus ausgegeben worden sein. Dies entspricht seit der Jahrtausendwende einer Steigerung von 61 Prozent.

Terrorismus in westlichen Ländern

Das Gros der Toten durch Terrorismus ist nicht im Westen gezählt worden. Lässt man den 11. September aussen vor, hat der Westen gerade einmal 0,5 Prozent aller terroristischen Anschläge erlebt. Rechnet man den «Nine Eleven» hingegen dazu, steigt der Anteil auf 2,6 Prozent.

Islamistischer Fundamentalismus war nicht der Hauptgrund für Einzelgänger-Terroristen-Attacken im 2014.
Autor: Global Terrorism Index

Im Westen waren weit mehr Einzelgänger für Terrorattacken verantwortlich. Die restlichen 30 Prozent sind entweder unaufgeklärt geblieben oder haben auf Gruppen mit mehr als drei Mitglieder zurückgeführt werden können.

Die meisten der terroristischen Anschläge im Westen (y-Achse) waren 2014 nicht islamistisch motiviert.
Legende: Die meisten der terroristischen Anschläge im Westen (y-Achse) waren 2014 nicht islamistisch motiviert. IEP Lone Wolf Database, START GDT

Islamistischer Fundamentalismus war nicht der Hauptgrund für die terroristischen Akte in den vergangenen neun Jahre.

80 Prozent der Anschläge durch Einzelgänger waren stattdessen getrieben durch rechtsorientierten Extremismus, Nationalismus, Hass gegen die Regierung, politischem Extremismus und andere Überlegenheitsgefühle.

Terrorismus veranlasst Flucht und Verdrängung aus der Heimat. Die Länder, die am meisten Fluchtbewegungen verzeichnen, beklagen auch die meisten terroristisch motivierten Todesfälle.

13 Kommentare

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  • Kommentar von Urs Dupont (udupont)
    Tja, Herr Pen, wenn Sie nicht selber unterscheiden können zwischen Terrorismus und Reaktion auf Terrorismus, bei der es sicher auch unschuldige Opfer gibt, die aber - im Gegensatz zum Terrorismus - nicht beabsichtigt sind, ist es sinnlos es Ihnen zu erklären. Übrigens, SRF nimmt in keinster Art und Weise die Denkarbeit ab, es berichtet nur, was neutrale Stellen herausgefunden haben. Es hat sogar die Toleranz, (fast) jede, noch so haltlose Meinung zuzulassen. Der Denkstop muss von anderswo kommen
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    1. Antwort von Hans Pen.den (HansPen.den)
      NATO überfällt Irak mit (sogar von Powell selbst zugegeben) gefälschten Beweisen. Die Folge: 1'000'000 Tote. Ja, Sie lesen richtig, eine Million. Basierend auf "falschen Beweisen". Von Powell selbst zugegeben. Genau aus dem Grund soll jeder für sich selber definieren, was er unter "Terrorist" versteht.
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    2. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      @Pen: Können Sie ev. die Quellen nennen, die aufzeigen, wie sich diese Zahl rechnet. Ich vermute, dass darunter viele Kriegs- und nicht Terroropfer sind. Wenn man zudem alle Opfer von Saddam Hussein dazunimmt, bevor die Amerikaner eingegriffen haben kommt man vermutlich sogar auf das 10-fache. Ich denke da an den Irak-Iran Krieg, die 100'000de von Landsleuten (Kurden, Schiiten) die er vergasen, zu Tode foltern und hinrichten liess. Es gab viel mehr dringende Interventionsgründe als die A-Waffen
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    3. Antwort von Hans Pen.den (HansPen.den)
      @Dupont. Suchen Sie selber auf Google, Sie werden schnell auf Artikel über die Höhe der Opferzahlen stossen. Und ja, das sind Kriegstote. Tote, die in Kriegen gefallen sind, die ohne UNO-Mandat geführt worden sind. Aufgrund falscher Beweise. Das sind für mich auch Tote durch Terrorismus; Westlicher Terrorismus. Auf Sadam brauche ich gar nicht einzugehen. Informieren Sie sich mal, Sadam war zu dieser Zeit einer der besten Verbündeten der USA. Angriffe auf Iran wurden von USA mehr als toleriert
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    4. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      @Pen: Recht haben sie, dass die USA zu lange auf der Seite von Saddam Hussein waren und auch als sie sahen, welch brutaler Despot er war, zu lange gewartet haben. Es brauchte ja schlussendlich nach dem Irankrieg auch noch den Ueberfall auf Kuwait bis die USA endlich halbherzig eingriffen. Immer zu warten bis die Schwatzbude UNO ein Mandat erteilt kostet viel zu viele Menschenleben. Die meisten Konflikte könnten im Keim erstickt werden, wenn rasch eine Polizei-Eingreiftruppe eingesetzt würde.
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  • Kommentar von Hans Pen.den (HansPen.den)
    Nun kommt es natürlich darauf an, wie man den Begriff "Terrorismus" definiert. Aber zum Glück gibt es ja das SRF, dass uns diese Denkarbeit abnimmt! Man merke: Explosionen in Paris, Autobombe in Beirut, Masakker in Kenia: Terrorismus. Drohnenangriff auf Afghanische Hochzeit, Zerbombung eines Syrischen Krankenhauses, hunderttausende Tote durch NATO-Angriffe ohne (!) UNO-Mandat: Starke Reaktion des Westens.
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  • Kommentar von Bruno Vogt (b.vogt)
    Der IS welche von westlichen verbündeten wie Saudi Arabien, dem Katar und anderen Golfstaaten noch unterstützt werden, soll jetzt also bekämpft werden? Nachdem dies die USA ja angeblich schon seit einem Jahr tun? Am besten noch mit Bodentruppen? Das traurige an der ganzen Sache ist ja das die 33.000 Opfer in Ihrer Mehrzahl in den Ursprungsländern dieser Terrornetzwerke zu finden sind und nicht hier in Europa. D.h. der Irak und Syrien haben ein grosses Interesse an deren Vernichtung.
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    1. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      Sorry, das ist kompleter Unsinn. Saudi Arabien war nie ein Verbündeter des IS sondern schon immer einer der schärfsten Gegner. Woher haben Sie diese Info?
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    2. Antwort von Bruno Vogt (b.vogt)
      @Dupont, es gibt ganz viele Quellen die das belegen. Wenn sie des Englischen mächtig sind, empfehle ich Ihnen den folgenden Artikel der Washington Post: "You Can't Understand ISIS If You Don't Know the History of Wahhabism in Saudi Arabia" Der dient zwar als gute Einleitung um die ideologische Nähe zu verstehen, greift aber bei weitem zu kurz um zu zeigen wie stark die direkte finanzielle Unterstützung Saudi-Arabiens für den IS wirklich ist. Also erst mit mit dem Thema befassen, dann urteilen.
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    3. Antwort von Urs Dupont (udupont)
      @Vogt: Sie sind nicht der einzige der sich dazu schlau macht (und auch nicht der einzige der des Englischen mächtig ist). Es gibt sicher einzelne Personen in Saudiarabien, die den IS vor allem finanziell unterstützen, aber Saudiarabien als Staat bekämpft diese Terroristen. Es ist vergleichbar mit der RAF. Der deutsche Staat hat diese Terroristen mit allen Mitteln verfolgt, aber es gab auch in DE viele (vor allem Juristen und Links/Grüne Politiker), die mehr als nur RAF Sympathisanten waren.
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