«Feige Strategie»: IS soll Zivilisten als Schutzschilde nutzen

In Mossul – der letzten Hochburg des IS im Irak – sollen mehrere tausend Familien aus der Umgebung zusammengetrieben worden sein. Nach Angaben der UNO werden sie in der Nähe von militärischen Einrichtungen als menschliche Schutzschilde missbraucht.

Die Stadt Mossul ist die letzte Hochburg der sunnitischen Terrormiliz IS im Irak.

Bildlegende: Die Stadt Mossul ist die letzte Hochburg der sunnitischen Terrormiliz IS im Irak. SRF

Die Terrormiliz «Islamischer Staat» (IS) hat nach Angaben der Vereinten Nationen tausende Zivilisten in der umkämpften irakischen Stadt Mossul zusammengetrieben.

Angesichts des Vorrückens der irakischen Armee auf Mossul würden die Männer, Frauen und Kinder in der Nähe von militärischen Einrichtungen als menschliche Schutzschilde missbraucht, sagte eine Sprecherin des UNO-Hochkommissars für Menschenrechte in Genf. Sie sprach von einer «feigen Strategie».

Nach Angaben der UNO handelt es sich um rund 8000 Familien aus der Umgebung der Stadt. Viele, die sich geweigert hätten, seien auf der Stelle erschossen worden. Die Berichte, die die UNO dazu bisher erhalten habe, seien noch unvollständig, sagte die Sprecherin.

Derzeit läuft eine Grossoffensive der irakischen Streitkräfte, die mit Unterstützung schiitischer und kurdischer Milizen die sunnitische IS-Miliz aus ihrer letzten Hochburg im Irak vertreiben wollen. Die Extremisten kontrollieren die Stadt seit Juni 2014. Hier rief IS-Chef Abu Bakr al-Bagdadi das so genannte Kalifat aus.

Die Akteure der Mossul Offensive auf Mossul

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Ungewisse Zukunft Mossuls

    Aus Tagesschau vom 26.10.2016

    In Mossul geht es um viel mehr als um einen militärischen Sieg der Anti-IS-Koalition. In der irakischen Grossstadt könnte sich nicht nur die Zukunft der Terrormiliz entscheiden, sondern jene des ganzen Irak.

  • Mossul weiter umkämpft

    Aus Tagesschau vom 24.10.2016

    Vor genau einer Woche ist die grosse Offensive zur Rückeroberung der IS-Hochburg Mossul gestartet. Und sie werde noch lange dauern, Wochen, wenn nicht gar Monate, sagte heute die irakische Regierung. Nahe der Frontlinie liegt das Dorf Bartella. Am Samstag wurde es vom IS befreit. Es ist eine der vielen Ortschaften rund um Mossul, in welchen vor dem Krieg viele Christen lebten.

  • IS-Kämpfer in Mussul. Archivaufnahme vom Juni 2014.

    Wie stark ist der IS in Mossul?

    Aus Echo der Zeit vom 17.10.2016

    Auf welchen Wiederstand werden die syrische Armee und ihre Verbündeten stossen, wenn sie nach Mossul vordringen. Was wird dessen Strategie sein, bei der Verteidigung der Stadt? Fragen an Yassin Musharbash.

    Er ist Korrespondent in der jordanischen Hauptstadt Amman für die Wochenzeitung «Die Zeit».

    Simon Leu