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Legende: Audio Rückt die Zweistaatenlösung wieder näher? abspielen. Laufzeit 06:22 Minuten.
06:22 min, aus Echo der Zeit vom 27.02.2019.
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Festgefahrener Nahost-Konflikt «Dann wäre Israel weder jüdisch noch demokratisch»

Auf der internationalen Agenda figuriert der Nahostkonflikt derzeit unter «ferner liefen». Zu verhärtet sind die Fronten, zu komplex die Situation. In den Konflikt könnte aber wieder Bewegung kommen. Nämlich, wenn der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu die Wahlen im April verliert – sagt Alon Liel. Der ehemalige israelische Diplomat setzt sich seit Jahren für einen unabhängigen palästinensischen Staat ein – denn sonst würde Israel seine eigenen Werte verraten.

Alon Liel

Alon Liel

Israelischer Ex-Diplomat

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Alon Liel war israelischer Botschafter in Südafrika und für kurze Zeit Generaldirektor des israelischen Aussenministeriums. Heute lehrt er an der Universität Tel Aviv Internationale Beziehungen.

SRF News: Glauben Sie noch an die Zweistaatenlösung?

Alon Liel: Ja. Sie ist die einzige und beste Möglichkeit, um Israel als jüdischen und demokratischen Staat zu erhalten. Aber sie scheint ein unerreichbarer Traum zu sein – mit der gegenwärtigen Regierung Israels und der Palästinenser. Und der weltweiten Gleichgültigkeit.

Die internationale Gemeinschaft befürwortet die Zweistaatenlösung aber weiterhin.

Theoretisch ja, da sind sich die Staaten weltweit einig. Israel ist das einzige Land, das die Zweistaatenlösung nicht unterstützt. Aber es gibt keine Regierung und keine internationale Organisation, die deswegen Druck auf Israel macht.

Im Frühling gibt es Wahlen in Israel. Sie sagen, Netanjahus Herausforderer Benjamin Gantz könnte dem Friedensprozess neuen Schub verleihen. Warum?

Die entscheidende Frage wird sein, wer eine Regierungskoalition zustande bringt und ob dort Parteien mitmachen, die die Zweistaatenlösung unterstützen. Netanjahu hat dieses Ziel nicht mehr verfolgt. Wenn Gantz eine solche Koalition zustande bringt und die Zweistaatenfrage wieder aufnimmt, hätten wir wieder eine andere Ausgangslage.

Aber warum sollte Gantz das tun? Sie sprechen für eine Minderheit in Israel.

Sie haben Recht. Er wird es nur tun, wenn er als Premierminister davon überzeugt ist. Dass es das ist, was die Welt will, was die Palästinenser wollen, und das Beste für Israel ist. Ich weiss nicht, ob das geschehen wird.

Bei einer Einstaatenlösung wäre Israel weder jüdisch noch demokratisch.

Ich weiss aber, dass mindestens zwei zionistische Parteien diese Zweistaatenlösung auf ihrer Agenda haben: Labor und Meretz – und vielleicht auch Yesh Atid, die mit Gantz antritt. Die Zweistaatenlösung ist also nicht komplett verschwunden.

Israel müsste besetzte Gebiete aufgeben. Ist das realistisch?

Bis vor fünf Jahren war mit den Palästinensern die Rede davon, die Grenzen von 1967 als Basis für eine solche Zweistaatenlösung zu nehmen. Dabei hätten auch Gebiete abgetauscht werden sollen.

Die Regierung Trump ist zu einseitig, sie hat ihre Vermittlerrolle verspielt.

Das Problem dabei sind nicht die Gebiete, in denen am meisten Siedler leben, sondern ein Gebiet tief in der Westbank, mit etwa 70'000-80'000 Leuten, die sich kaum bewegen werden. Was mit ihnen geschehen soll, bleibt eine grosse Frage.

Und die Palästinenser? Sie suchen ja auch nicht sehr aktiv nach einer Lösung.

Die Palästinenser erleben seit zehn Jahren eine schreckliche Zeit. Eine Spaltung zwischen Fatah und Hamas, zwischen dem säkularen und religiösen Teil der Bevölkerung. Es wird sehr schwierig sein, eine Lösung zu finden, die die Westbank und Gaza umfasst.

Benny Gantz
Legende: In Israel wird am 9. April ein neues Parlament gewählt. Gantz (59) gilt als einziger ernstzunehmender Rivale Netanjahus (69) von der rechtsorientierten Likud-Partei. Reuters

Wir sollten uns deshalb zunächst auf die Westbank konzentrieren und schauen, ob die Palästinenser über die Jahre hinweg diesen Graben überwinden und wieder eine gemeinsame Regierung haben werden.

Wenn wir derzeitige Lage anschauen: Läuft das auf eine Einstaatenlösung hinaus?

Eindeutig. Wenn wir nicht eine grundsätzliche Wende hinkriegen, werden wir bei einer Einstaatenlösung landen, bei der Israel weder jüdisch noch demokratisch sein wird. Ein Land mit 50 Prozent Juden, 50 Prozent Moslems, und einem guten Drittel der Bevölkerung, der nicht abstimmen darf. Weil wir sonst einen muslimischen Premierminister hätten oder einen palästinensischen. Das wird eine Tragödie für die Israelis und Juden.

Was sollte Ihrer Meinung nach passieren, damit es zu einer Zweistaatenlösung kommen kann?

Wir müssen die Stimmung in der israelischen Bevölkerung ändern, mit einer neuen Regierung, die an den Frieden glaubt. Die internationale Gemeinschaft soll die Situation nicht nur nach den Machtverhältnissen bewerten, sondern aufgrund des internationalen Rechts und moralischen Überlegungen.

Die Regierung Trump ist zu einseitig, sie hat ihre Vermittlerrolle verspielt. Westeuropa ist der Schlüssel. Grossbritannien, Frankreich oder Deutschland, Freunde von Israel, könnten sich direkt einbringen – wenn sie Palästina als Staat anerkennen. Dann wird die internationale Gemeinschaft wieder eine Rolle spielen.

Das Gespräch führte Simone Hulliger.

Infografik Arabische Israelis

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57 Kommentare

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  • Kommentar von Jeanôt Cohen (Jeanot)
    Wenn es um Israel geht schreiben viel sehr viel Unsinn. Zum Beispiel das Israel das einzige Land ist dass gegen eine 2 staten Lösung ist. Verschwiegen wird das alle arabische Länder und alle terror Gruppierungen wie Hamas gegen eine 2 staten Lösung sind. Das natürlich eine Karte mit wo wer wohnt, auch die Araber die in Israel gut leben. Was nicht ersichtlich ist, die Tatsache das der "Westbank und Gaza, Juden rein sind. Und kein Wort über wo die Juden die da waren, geblieben sind.
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    1. Antwort von Larissa Möller (Larissa Möller)
      Sogar ein Israelischer Ex-Diplomat Alon Liel lehrt : “Israel ist das einzige Land, das die Zweistaatenlösung nicht unterstützt.” (siehe oben) Anstatt, besetzt Isreal immer mehr Pälestinenser Gebiete.
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  • Kommentar von Larissa Möller (Larissa Möller)
    Erwartet man, dass die Palästinenser nach 2000 Jahren den Juden den Platz freimachen? Oder bis der Messiah erscheint und danach die Menscheit glückselig auf dieser Erde lebt?
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    1. Antwort von Thomas Leu (tleu)
      @ Larissa Möller: Wir erwarten gar nichts und ich verstehe Ihren Kommentar nicht. Ich kann aus Ihren Worten nicht schliessen, dass Sie sich wirklich mit dem Problem auseinandergesetzt haben, sonst würden Sie sich nicht darüber lustig machen.
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    2. Antwort von Larissa Möller (Larissa Möller)
      @Thomas Leu (tleu)
      Nachdem keine Lösung zustande kommt, frage ich welche Lösungen der Alte Testament bietet; schliesslich wird ihr Anspruch auf diesem Gebiet daraus hergeleitet.
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  • Kommentar von Jean Piere Grano (J.-P. Grano)
    Bitte in Wikipedia im Artikel zu Israel die Abschnitte "Zionistische Bewegung" und "1948: Unabhängigkeitskrieg" lesen. Der Staat Israel ist ein Produkt der ehemaligen britischen Kolonialmacht einerseits und militanter zionistischer Untergrundbewegungen andererseits verbunden mit der Masseinwanderung insbesonderer osteuropäischer Juden in das ehemals osmanische Palästina. Und all das gegen den Widerstand der dort bereits heimischen arabischen Bevölkerung. Das ist keine Basis für Frieden!
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    1. Antwort von Beat Reuteler (br)
      Ihre Darlegung hat nur einen kleinen Schönheitsfehler: Er stimmt so nicht. 1. Es gab auch zur osmanischen Zeit bereits eine Jüdische Bevölkerung. 2. anfänglich gab es keinen nennenswerten Widerstand gegen die Einwanderung, denn die Juden brachten Geld ins Land. Sie kauften die Äcker, die sie bearbeiten wollten, nicht wenige Araber wurden dabei reich. 3. Die Engländer waren keine Kolonialmacht, sondern Mandatsmacht (Völkerbund). 4. Die Engländer behinderten die Einwanderung sogar.
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    2. Antwort von Jean Piere Grano (J.-P. Grano)
      @ Reuteler: ad 1) Das war die damalige ansässige jüdische Minderheit, nicht die Masseinwanderung insbes. im 20.JH ad 2) doch - mit Beginn der Masseinwanderung. Ab dann wurden die Ansässigen aus dem eigenen Land gedrängt ad 3) ein von den aliierten Siegern des 1.WK (Großbritannien, Frankreich, Italien) beschlossenes "Mandat" = Kolinialregime (Konferenz von Sanremo ) ad 4) wenig erfolgreich => viele Illegale und umso mehr Masseneinwanderung nach 1948 (Israels kriegerische Gebietserweiterung)
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