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Festnahme Puigdemonts Spaniens Presse zeigt sich erleichtert

Katalanische Zeitungen bewerten die Festnahme zwar anders. Doch auch sie meinen: «Sie spielt allen in die Hände.»

Die Festnahme des ehemaligen katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont habe zumindest bewirkt, dass es nun doch zu einem internationalen Urteil komme, schreibt die grösste katalanische Tageszeitung, «La Vanguardia». Bisher hat die spanische Zentralregierung abgelehnt, dass sich eine dritte Partei in den Konflikt zwischen Madrid und Barcelona einschaltet.

Die Festnahme spielt laut der Zeitung nun allen Beteiligten in die Hände: der Zentralregierung von Mariano Rajoy, falls Puigdemont ausgeliefert werde, und den Separatisten, falls Deutschland eine Auslieferung ablehne. Darüber müsse jetzt das deutsche Bundesland Schleswig-Holstein entscheiden, so «La Vanguardia».

Die Justizvollzugsanstalt im deutschen Neumünster.
Legende: Im Gefängnis von Neumünster: Es wird Wochen dauern, bis über eine mögliche Auslieferung Puigdemonts entschieden wird. Reuters

Warum in Deutschland, und nicht anderswo?

Die Zentralregierung sei daran interessiert gewesen, dass Puigdemont in Deutschland festgenommen werde. So interpretiert «La Vanguardia» jedenfalls das Verhalten des spanischen Geheimdienstes. Er habe den Separatistenführer seit seinem Aufenthalt in Helsinki beobachtet und ihn ungehindert nach Deutschland einreisen lassen. Erst dann hätten spanische Agenten die deutschen Behörden alarmiert.

«El Periódico», eine weitere grosse katalanische Tageszeitung, sieht einen möglichen Grund im deutschen Gesetz. Es kennt den Straftatbestand «Hochverrat», andere europäische Länder hingegen nicht. Das sei wichtig, weil Puigdemont in Spanien Rebellion vorgeworfen werde, so «El Periódico».

Puigdemont steht inmitten von sitzenden Zuhörenden. Einer von ihnen steht und klatscht dem Separatistenführer zu.
Legende: Machte auf seiner Europa-Tour auch Halt in Genf: Puigdemont am Institut für internationale Studien und Entwicklung. Keystone

Genugtuung im übrigen Spanien

Puigdemont habe das Land mit seiner Rundreise durch Europa beschämt, schreibt der Leitartikler der Tageszeitung «El Mundo». Seit fünf Monaten habe ganz Spanien seinen Zirkus mitverfolgt. Und das sei nun zu Recht vorbei: «Niemand steht über dem Gesetz.» Nun müsse sich Puigdemont für seine einseitige Unabhängigkeitserklärung verantworten.

Ähnlich sieht es «El País», die grösste Tageszeitung des Landes: Puigdemonts Festnahme habe eines gezeigt: Gegen die Demokratie solle nicht rebelliert werden. «Das Gesetz gilt, auch für Separatisten.»

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7 Kommentare

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  • Kommentar von Willi Fetzer (wi)
    Hochverrat? Na wenn das Hochverrat ist, was die spanische Zentralregierung den Katalanen vorwirft, obwohl doch durch eine Volksabstimmung legitimiert, so frage ich mich dann, was war das 2015 in der BRD, Öffnung aller Grenzen und unkontrollierter Zustrom zu 100'000 Tausenden. Und da gabs keine Volksbefragung! Armes Deutschland, ich möchte nicht in Eurer Haut stecken! Was Ihr auch macht, Ihr werdet nur verlieren! Dank eines Verbündeten der EU, der Euch da nun sehr gezielt hereingeritten hat!
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  • Kommentar von jean-claude albert heusser (jeani)
    Diese Spanische Regierung hat vermutlich "Franko Regime" schon vergessen und eine sehr "eigenartige Auffassung von Freiheit"! Anderst ist das "diktatorische Gehabe" gegenüber den Katalanen nicht zu verstehen! Wenn die Schweiz bei der "Jura Frage" damals so reagiert hätte, wären wir vermutlich vor den Europäischen Gerichrshof zitiert worden!
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  • Kommentar von Hans Fürer (Hans F.)
    Einen solchen Beitrag sollten Sie mit "Einseitige Sichtweise der Regierungsseite" übertiteln. Kein bisschen Verständnis für das bedenkliche Vorgehen der spanischen Regierung gegenüber ihrer Opposition, das sich kaum noch vom gegenwärtigen Zustand in der Türkei unterscheidet.
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    1. Antwort von Marcel Chauvet (xyzz)
      Einen renommierten Rechtsstaat wie den Spaniens mit der Türkei auf eine Ebene zu stellen, ist schon mehr als starker Tobak. Gemäß der gültigen spanischen Verfassung ist eine spanische Zentralregierung verpflichtet, die territoriale Integrität Spaniens zu sichern.
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