Zum Inhalt springen

Header

Video
Verletzungen gehörten zum Kalkül der Schlägertrupps
Aus Tagesschau vom 22.07.2019.
abspielen
Inhalt

Festnahmen nach Gewaltakten Wer hinter den Hongkonger Schlägertrupps steckt

Die Männer, die am Wochenende Demonstranten mit Stangen verprügelten, agierten möglicherweise im Auftrag Chinas.

Was ist passiert? In Hongkong hat die Polizei sechs Männer festgenommen, die am Wochenende pro-demokratische Demonstranten, die von einem Protestmarsch kamen, angegriffen haben sollen. Die Attacken fanden in einer U-Bahn-Station statt. Videoaufnahmen des Vorfalls haben weltweit für Aufsehen gesorgt. Darauf ist zu sehen, wie die Schläger in weissen T-Shirts brutal auf die Demonstranten losgehen und sie mit Stöcken schlagen.

Schläger in weissen T-Shirts
Legende: Sonntag, nach dem Protestumzug: Männer in weissen Shirts und Atemschutzmasken, bewaffnet mit Stangen und Baseballschlägern, greifen Teilnehmer der Demonstration an. Reuters

Wer sind die Festgenommenen? Die Männer werden verdächtigt, an den Übergriffen in der Nacht von Sonntag auf Montag beteiligt gewesen zu sein. Laut Polizei sollen einige von ihnen auch Verbindungen zu den Triaden haben, einer Art chinesischer Mafia – und damit zum organisierten Verbrechen. Die chinesische Regierung habe diese Schlägertrupps wahrscheinlich nicht direkt angeheuert, glaubt SRF-China-Korrespondent Martin Aldrovandi. «Aber Aktivisten und Oppositionspolitiker werfen Peking vor, dass es einen gewissen Zusammenhang gibt zwischen den chinesischen Behörden und den Triaden.»

Welche Rolle spielt China dabei? Die chinesischen Behörden stehen indirekt mit dem organisierten Verbrechen in Verbindung, wie Sicherheitsexperte Adam Ni erklärt. «Dieses Netzwerk geht auf die Zeit zurück, als Hongkong noch von Grossbritannien kontrolliert wurde und China über die Triaden Einfluss auf die Stadt ausübte.» Diese Verbindungen bestehen bis heute.

Wenn die chinesische Regierung nicht will, dass der Mob auf Menschen einschlägt, dann kann sie diese Übergriffe auch stoppen.
Autor: Adam NiChina-Sicherheitsexperte

Denn die Mafia habe ein Interesse daran, in China legale und illegale Geschäfte zu machen. Die chinesische Regierung wisse davon, akzeptiere dies stillschweigend und habe so wiederum Einfluss auf die Triaden, so Ni. Das bedeutet: «Wenn die chinesische Regierung nicht will, dass der Mob auf Menschen einschlägt, dann kann sie diese Übergriffe auch stoppen.»

Was hätte Chinas Regierung davon? Einerseits könnte sie damit zeigen, dass das demokratische System, der Rechtsstaat in Hongkong nicht nur Vorteile hat. Andererseits werden die Demonstrantinnen und Demonstranten damit auch eingeschüchtert. Adam Ni erklärt das so: «Wenn Peking Hongkongs Regierung oder die Polizei damit beauftragt hätte, so brutal gegen die Demonstranten vorzugehen, würde Peking dafür verantwortlich gemacht. Wenn aber die Mafia dies tut, ist Peking nicht direkt dafür verantwortlich.»

Ähnliche Vorfälle vor fünf Jahren

Personen-Box aufklappenPersonen-Box zuklappen
Ein Demonstrant mit einem gelben Regenschirm
Legende:Keystone/Archiv

Es ist nicht das erste Mal, dass es in Hongkong zu solchen Gewaltexzessen kommt. Bei den grossen Regenschirm-Protesten vor fünf Jahren gab es auch schon brutale Angriffe auf die Demonstrierenden. Damals wurde ebenfalls vermutet, dass die Triaden dahinterstecken.

Wie reagiert man in Hongkong auf die Videos? Die Übergriffe wurden offiziell nicht gutgeheissen, sie wurden von allen verurteilt, auch von der Peking-treuen Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam. Sie versprach eine Untersuchung. «Es gab aber auch Kontroversen», weiss Korrespondent Aldrovandi. «Zum Beispiel wurde ein Peking-freundlicher Abgeordneter auf Aufnahmen dabei beobachtet, wie er den Schlägern die Hand gab.» Das sei vor dem Angriff gewesen. «Er hat sich danach halbherzig davon distanziert.»

Was bedeutet das für künftige Demonstrationen? Dieses Wochenende ist eine weitere, pro-demokratische Grossdemonstration in Hongkong geplant. «Man kann davon ausgehen, dass sich noch mehr Leute der Bewegung anschliessen werden, um sich solidarisch zu zeigen mit den Opfern», so Aldrovandi. «Sie werden gegen die brutalen Übergriffe auf die Strasse gehen.»

Schliessen

Keine wichtigen News verpassen

Erhalten Sie die wichtigsten Nachrichten per Browser-Push-Mitteilungen. Mehr

Push-Benachrichtigungen sind kurze Hinweise auf Ihrem Bildschirm mit den wichtigsten Nachrichten - unabhängig davon, ob srf.ch gerade geöffnet ist oder nicht. Klicken Sie auf einen der Hinweise, so gelangen Sie zum entsprechenden Artikel. Sie können diese Mitteilungen jederzeit wieder deaktivieren. Weniger

Sie haben diesen Hinweis zur Aktivierung von Browser-Push-Mitteilungen bereits mehrfach ausgeblendet. Wollen Sie diesen Hinweis permanent ausblenden oder in einigen Wochen nochmals daran erinnert werden?

5 Kommentare

Navigation aufklappen Navigation zuklappen

Sie sind angemeldet als Who ? (whoareyou) (abmelden)

Kommentarfunktion deaktiviert

Uns ist es wichtig, Kommentare möglichst schnell zu sichten und freizugeben. Deshalb ist das Kommentieren bei älteren Artikeln und Sendungen nicht mehr möglich.

  • Kommentar von M. Roe  (M. Roe)
    Es sollte +ist eigentlich allen klar, dass sich China niemals aus diesem "Krieg" zurückziehen wird. Wenn schon die Hongkonger sich so vor China fürchten, sollte das eigentlich genügend Warnung für den Rest der Welt sein.Denn die Menschen in HongKong sind zwar noch nicht ganz Chinesen, aber fast. Die westliche Welt wird, nicht zuletzt durch Drogen destabilisier +dadurch immer gleichgültiger. Irgendwie können die Linken schon heute nicht mehr zwischen Gut+Böse unterscheiden.Aus Böse macht man Gut!
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Lesek Hottowy  (Lhot)
    Je länger es dauert desto mehr wird China versuchen, die Demonstranten zu diskreditieren und einzuschüchtern, auch mit Schlägertrups.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen
  • Kommentar von Max Widmer  (1291)
    Keine Angst, es sind nur die weißen Männchen. In der Ukraine waren es die grünen Männchen.
    Ablehnen den Kommentar ablehnen