Festnahmen und neue Terror-Drohungen in Kenia

In den Städten Kenias werde weiteres Blut fliessen, kündigte die somalische Al-Shabaab-Miliz zwei Tage nach dem Massaker an einer Universität im ostafrikanischen Land an. Derweil konnten laut Medienberichten mehrere Verdächtige verhaftet werden.

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Angst vor mehr Terror in Kenia

1:14 min, aus Tagesschau vom 4.4.2015

Keine Sicherheitsmassnahmen könnten verhindern, dass es weitere Anschläge geben werde, teilte die Islamisten-Miliz Al-Schabaab mit. Die Extremisten aus Somalia sind für den Angriff auf die Universität der kenianischen Stadt Garissa verantwortlich, bei dem laut dem Innenministerium am Donnerstag 148 Menschen – vorwiegend christliche Studenten – getötet wurden.

SRF-Afrika-Korrespondent Patrick Wülser über die Polizei

«Die kenianische Polizei ist schlecht ausgebildet und hat in den vergangenen zwei Jahren wenig gelernt. Mit dem Anschlag auf ein Einkaufszentrum in Nairobi vor anderthalb Jahren war klar, dass Kenia nun Ziel der Al-Schabaab ist. Die Frequenz hat zugenommen: In den vergangenen zwei Jahren kamen im Land rund 400 Menschen durch die Miliz ums Leben. Für den Anschlag auf die Universität von Garissa gab es klar Warnungen von westlichen Nachrichtendiensten. Doch der Präsident Uhuru Kenyatta hat sich über diese Warnungen mokiert und gesagt, Kenia sei ein sicheres Land.»

Die Bürger Kenias unterstützten die «gewaltsame Politik» ihrer Regierung. Den «Preis» dafür würden sie «mit Blut» bezahlen, hiess es in einer Erklärung der Miliz weiter. Die Organisation mit Verbindungen zu Al-Kaida drohte mit einem «langen, schrecklichen Krieg».

Kenianische Bürger halten Schilder mit Solidaritätsbekundungen in die Höhe.

Bildlegende: Kenianische Muslime bekunden ihre Solidarität mit den 148 Opfern des Anschlags auf die Universität von Garissa. Keystone

«Die Bedrohung besteht weiterhin»

Wie der Sprecher des Innenministeriums, Mwenda Njoka, der Agentur dpa bestätigte, haben die kenianischen Behörden in der Zwischenzeit fünf Verdächtige festgenommen. Einer der Schützen sei festgenommen worden, als er vom Tatort entkommen wollte, sagte Njoka.

Drei weitere Verdächtige wurden auf der Flucht in Richtung Somalia gefasst. Garissa liegt rund 200 Kilometer von der somalischen Grenze entfernt. «Ich will keine weiteren Details nennen, denn die Bedrohung besteht weiterhin», sagte Njoka. «Eine Attacke dieser Grössenordnung ist viel komplexer, da sind mehr als nur zwei, drei oder fünf Leute daran beteiligt.»

SRF-Afrika-Korrespondent Patrick Wülser über die Region Garissa

«Garissa liegt in einer heissen, staubigen, sehr unwirtlichen Gegend – der Staat hat sich dort gewissermassen abgemeldet. Die Leute sind wütend, sie sehen sich venachlässigt. Sie sind mehrheitlich Muslime und auch wütend auf Al-Schabaab. Doch vor allem junge Menschen finden dort eben aus Enttäuschung einen Weg zu Al-Schabaab.»

Obama und die EU kondolieren

US-Präsident Barack Obama hat den Anschlag in einem Telefonat mit Kenias Präsident scharf verurteilt. Im Juli will Obama erstmals in seiner Amtszeit nach Kenia, der Heimat seines Vaters, reisen. Die «terroristische Gewalttat» an der Universität von Garissa, «wo unschuldige Männer und Frauen schamlos und brutal niedergemetzelt wurden», könne mit Worten gar nicht angemessen verurteilt werden, sagte Obama nach Angaben des Weissen Hauses.

Auch die EU sicherte der kenianischen Regierung ihre Unterstützung zu. «Gewalttätiger Extremismus hat wieder einmal das Recht der Menschen in Kenia auf ein Leben in Frieden und Religionsfreiheit angegriffen», erklärte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini am Freitag in Brüssel. Die Terroristen wollten die verschiedenen Glaubensrichtungen spalten. Man werde den Menschen in Kenia beistehen, diesen Terror zu bekämpfen.

SRF-Afrika-Korrespondent Patrick Wülser über Medien in Kenia

«In Nairobi findet eine Diskussion statt. Die Medien sind sehr kritisch und fragen genau nach: Wie konnte das passieren? Warum brauchte die Polizei Stunden, um zu reagieren? Auf der anderen Seite wurde von der Regierung eine Gratiszeitung verteilt, in der quasi ein Heldenepos beschrieben wird: Die Elitetruppen hätten innerhalb von 17 Minuten das ganze Massaker beendet.»

Al-Shabaab droht mit weiteren Massakern

2:15 min, aus Echo der Zeit vom 04.04.2015

Eine Miliz mit 5000 bis 9000 Kämpfern

Die islamistische Al-Shabaab-Miliz in Somalia führt seit neun Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Die Rebellengruppe ging 2006 aus einer Jugendorganisation der Union islamischer Gerichte hervor, die damals die Kontrolle über Teile des Landes und die Hauptstadt Mogadischu übernommen hatte. Äthiopische Truppen vertrieben die Islamisten wieder von der Macht, die Kämpfer der «Al-Shabaab» – arabisch für «die Jugend» – setzten ihren Aufstand aber fort und griffen zuletzt auch immer wieder das Nachbarland Kenia an.

Die islamistische Miliz verfügt derzeit schätzungsweise über 5000 bis 9000 Kämpfer und will eine strenge Auslegung der religiösen Gesetze der Scharia durchsetzen. Im Februar 2012 erklärte die Gruppe dem Terrornetzwerk Al-Kaida die Treue, doch treten Teile der Führung inzwischen für einen Anschluss an die Dschihadistengruppe Islamischer Staat (IS) ein.