Fifa: Ist ihre Entwicklungshilfe mehr Schein als Sein?

«Football for the Planet» oder «Football for Hope» heissen Programme der Fifa. Gerne rühmt sich der Weltfussballverband für sein soziales Engagement in Entwicklungsländern. Hilfswerke bezweifeln aber den Nutzen der Projekte.

Eine Gruppe Kinder posiert mit David Beckham.

Bildlegende: Von vielen Fifa-Projekten würde die breite Öffentlichkeit nicht profitieren, kritisieren Hilfsorganisationen. Keystone/Archiv

Heile Welt im Fifa-Werbevideo: Man sieht behinderte Männer mit Krücken Fussball spielen und Kinder, die lachend einem Ball hinterherrennen. So stellt der Weltfussballverband seine Entwicklungsprojekte dar.

Jürg Nepfer, der bei der Fifa die entsprechende Abteilung leitet, nennt verschiedene Beispiele, wie die Fifa Aufbauarbeit leistet: In Südafrika hat sie Trainingszentren für Jugendliche gebaut. Auf der Pazifikinsel Guam eine Solarstromanlage erstellt. Und im kriegsversehrten Somalia angehende Fussballtrainer ausgebildet. Nepfer ist zufrieden: «Ich glaube, dass wir stolz sein können. Es geht nicht um den Verband, sondern um die Länder. Das zeigt, was der Fussball in einem Land bewirken kann.»

Ein Verbandsgebäude wie ein Präsidentenpalast

2,6 Milliarden Dollar habe die Fifa in den letzten 15 Jahren für Entwicklungsprojekte ausgegeben. Rund 170 Millionen im Jahr. Verschiedene Schweizer Hilfswerke sehen die Fifa-Projekte jedoch kritischer. Etwa Joachim Merz vom Schweizerischen Arbeiterhilfswerk Solidar Suisse. Nur ein kleiner Teil dieser 2,6 Milliarden sei für echte Entwicklungsprojekte ausgegeben worden. «Das soziale Engagement fällt sehr dünn aus. Wenn man die Fifa an ihren eigenen Ansprüchen misst, Fussball als ein Mittel für soziale Entwicklung zu benutzen, bleibt sie weit hinter diesen eigenen Vorgaben zurück», kritisiert Merz.

Die meisten Projekte der Fifa seien direkte Fussballprojekte: neue Fussballplätze oder Verbandssitze in den Ländern der Welt. Projekte eben, von denen die breite Gesellschaft nicht profitiere. Ein solches Beispiel kennt auch Marianne Meier vom Kinderhilfswerk Terre des Hommes aus eigener Anschauung von einem Besuch in Sambia: «Dort hat der Fussballverband weit und breit das schönste Gebäude. Ich dachte, es sei der Präsidentenpalast. Das Interesse lokale Projekte zu unterstützen, war aber nicht gross vorhanden.»


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«Nur Schönfärberei»

Natürlich gebe es auch gute Projekte der Fifa, die tatsächlich zur Entwicklung eines Landes beitrügen. Aber leider sei das nur eine Minderheit. Die Hilfsorganisationen werfen der Fifa auch vor, sie benütze ihre Projekte hauptsächlich für die Imagepflege. Die Fifa wolle sich vor allem gut darstellen, sagt Joachim Merz von Solidar Suisse: «Man möchte überdecken, dass man in erster Linie ein profitorientiertes Unternehmen ist. Was an sozialer Verantwortung stattfindet, ist Schönfärberei.»

Gegen solche Vorwürfe verwahrt sich die Fifa. Es gehe ihr nicht einfach um PR, sondern sehr wohl um echte Verbesserungen, sagt Federico Addiechi, bei der Fifa für den Bereich Nachhaltigkeit zuständig: «Wir haben es geschafft, dass Themen wie Nachhaltigkeit, Menschenrechte, Arbeitsrechte und Umwelt neu Teil der Fifa-Agenda sind», streicht er hervor.

Die Entwicklungsprojekte des Weltfussballverbandes sind umstritten. Die Fifa selber sagt, sie sei auf einem guten Weg. Die Kritiker hoffen, dass der Verband seine Entwicklungsprojekte künftig ernster nimmt und ausbaut. Sonst blieben die Versprechen der Fifa zu oft nur schöne Worte.