Fifa-Kenner: «Sepp Blatter ist enorm nervös»

Fifa-Experte Guido Tognoni äussert sich zum Fifa-Knall. Selbst für den ehemaligen Medienchef des Weltfussballverbandes kommt der Rücktritt überraschend.

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«Blatter verdient ein Kompliment»

2:46 min, vom 2.6.2015

«Wenn die Fifa so kurzfristig eine Medienkonferenz einberuft, dann muss etwas wichtiges passiert sein.» Mit dem Rücktritt hat aber auch Guido Tognoni nicht gerechnet.

«Blatter hat einen überaus stilvollen Abgang genommen, mit guter Miene und guter Körperhaltung. Jeder weiss, wie gerne Sepp Blatter diesen Job hat. Ich hätte nicht gedacht, dass er in dieser Situation auf eine so stilvolle Weise sein Amt zur Verfügung stellt.»

Tiefgreifende Reformen möglich

Als möglichen Grund für den abrupten Abgang vermutet Tognoni den stetig gewachsenen Druck auf Blatter. Es müsse viel passiert sein in den vergangenen Tagen, sagt Tognoni gegenüber «10vor10». «Die amerikanische Justiz treibt die Fifa vor sich hin. Blatter ist enorm nervös.»

WM in Katar 2022 in Gefahr?

Tognoni weiter: «Es besteht jetzt eine grosse Möglichkeit, dass man die Fifa tiefgreifend reformiert.» Die Gleichberechtigung aller 209 Landesverbände sei nicht mehr zeitgemäss. Tognoni: «Das Parlament der Fifa repräsentiert nicht mehr den modernen Fussball, da muss sich einiges ändern.»

Auch die WM in Katar 2022 ist laut Tognoni in Gefahr. «Katar muss ein wenig zittern. Denn auch Katar ist im Fokus der Ermittler.»

Sendungsbeiträge zu diesem Artikel

  • Der fünffache FIFA-Präsident

    Aus Tagesschau vom 2.6.2015

    Sepp Blatter hat die Fifa geprägt wie kein anderer. Das machen ihm auch seine Kritiker nicht streitig. Fast 40 Jahre stand er im Dienst des Weltfussball-Verbands.

  • Sepp Blatter tritt ab

    Aus Tagesschau vom 2.6.2015

    Mitten in der tiefsten Krise der FIFA hat Präsident Joseph Blatter doch noch persönliche Konsequenzen gezogen. Einschätzungen von FIFA-Kritiker Guido Tognoni und SRF-Korrespondent Arthur Honegger in Washington.