Fifa reagiert auf Wettspielskandal

Um den Wettsumpf im internationalen Fussball auszutrocknen, schaltet die Fifa ein Online-Meldesystem auf. Im speziell eingerichteten Internet-Portal können mutmassliche Verstösse anonym gemeldet werden.

Hauptsitz der FIFA in Zürich.

Bildlegende: Online-Portal als Sofortmassnahem der FIFA gegen die Wettmafia. Keystone

Vor zwei Tagen hatte die europäische Polizeibehörde über den wohl grössten Wettskandal informiert. Insgesamt 380 Spiele wurden zwischen 2008 und 2011 demnach manipuliert – weitere 300 Parteien sind laut Europol verdächtig.

Nachdem weltweiten Aufschrei reagiert nun der Weltfussballverband FIFA. Auf der Internetseite www.bkms-system.net/FIFA können betroffene Spieler, Funktionäre oder Offizielle mutmassliche Verstösse anonym anzeigen. Die Meldungen sollen direkt an Michael J. Garcia, den Vorsitzenden der FIFA-Ethikkommission, weitergeleitet werden.

Eine weitere Möglichkeit Spielmanipulationen einzudämmen sieht der ehemalige FIFA-Funktionär Guido Tognoni in der Reduktion des Wettangebots. Demnach sollen nur noch auf Spiele der obersten Liga gewettet werden können. Je tiefer der Wettbewerb, desto manipulationsanfälliger seien die Akteure, sagte Tognoni bei Radio SRF4 News.

Der Weltfussballverband hätte es in der Hand unattraktive und schlechtkontrollierbare Partien aus dem Wettangebot zu eliminieren, so Tognoni.

Scharfe Kritik an die Adresse der FIFA

Wenig positives gewinnt der Basler Strafrechtsprofessor Mark Piet dem Kurswechsel der FIFA ab. In einem Interview mit der «Süddeutschen Zeitung» richtet der Reformbeauftragte der FIFA schwere Vorwürfe an den Weltfussballverband.

Pieth sieht die Gefahr, dass die FIFA bei ihren Bemühungen um mehr Transparenz und Demokratie «noch einmal zehn Jahre verliert». Im Visier der Kritik sind vor allem Funktionäre aus Südamerika.

«Wenn Sie die Leute im FIFA-Vorstand anschauen, waren viele verbandelt mit ehemaligen Diktatoren», sagte er. Diese Verbindungen hätten die Personalwahl für den laufenden Reformprozess des skandalumwitterten Weltverbandes behindert, meinte Pieth.