Fifa suspendiert Generalsekretär – Valcke bestreitet Vorwürfe

Der Fussball-Weltverband entbindet Generalsekretär Jérôme Valcke von allen Aufgaben. Dem Franzosen wird vorgeworfen, sich beim Ticketverkauf für Endrunden von Weltmeisterschaften persönlich bereichert zu haben. «Frei erfunden» und «ungeheuerlich», kontert der Angeschuldigte.

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Bundesanwaltschaft prüft Fifa-Fall rund um Jérôme Valcke

3:40 min, aus Tagesschau vom 18.9.2015

Neue, schwere Korruptionsvorwürfe gegen das bisherige Fifa-Machtzentrum: Generalsekretär Jérôme Valcke, Blatters engster Vertrauter, wurde vom Weltverband «mit sofortiger Wirkung bis auf weiteres von all seinen Aufgaben entbunden». Der Verband habe von einer Reihe von Vorwürfen Kenntnis erhalten, die den Generalsekretär beträfen. Daher sei eine «formelle Untersuchung durch die Fifa-Ethikkommission» in Auftrag gegeben worden.


Der Mann neben Sepp Blatter

3:07 min, aus Rendez-vous vom 18.09.2015

Die Aufgaben des suspendierten Valcke wird der stellvertretende Generalsekratär Markus Kattner übernehmen. Nach Medienberichten hatte sich Valcke am Donnerstag bereits auf dem Weg nach Moskau zur Veranstaltung 1000 Tage vor der WM 2018 in Russland befunden, sei dann aber mit dem Privatjet auf halben Weg umgekehrt.

Die Nummer zwei im Visier

Der skandalträchtige Verband gab keine weiteren Informationen preis, doch mit Valcke könnte es nun einen absoluten Topmann erwischen. Der 54 Jahre alte Franzose, seit 2007 im Amt, gilt als rechte Hand Blatters, der für Februar 2016 seinen Rücktritt angekündigt hat.

Schon in der Vergangenheit hatte es immer wieder Vorwürfe gegen Valcke gegeben. Doch er überstand – wie bis Mitte dieses Jahres sein Verbündeter Blatter – immer sämtliche Anschuldigungen. Nun könnte es für das Duo eng werden.

Zürcher Marketingagentur erhob Vorwürfe

Dem Franzosen wird vorgeworfen, vom Ticketverkauf für Weltmeisterschafts-Endrunden persönlich profitiert zu haben. Die Vorwürfe hatte die Zürcher Marketingagentur JB Sports Marketing bei einer Präsentation am Donnerstag erhoben. Valcke sei eine Gewinnbeteiligung versprochen worden. Publik gemacht hatte die Vorwürfe die «Süddeutsche Zeitung». Nach Aussagen seines Anwaltes sind entsprechende Anschuldigungen «frei erfunden» und «ungeheuerlich».

Valcke soll Zeugenaussagen zufolge zudem bereits vor der offiziellen Vergabe-Entscheidung mehrmals angekündigt haben, dass die Fussball-WM 2022 fest an Katar zugesagt sei. Der Beschuldigte bestritt laut der «Süddeutschen Zeitung» die Anschuldigungen.

Valcke dementiert

Generalssekretär Jérôme Valcke bezeichnet die Anschuldigungen als haltlos. Nach Aussagen seines New Yorker Anwalts sind entsprechende Anschuldigungen «frei erfunden» und «ungeheuerlich». Valcke habe von dem Mitarbeiter der Marketingagentur JB Sports Marketing niemals Geld erhalten und niemals eingewilligt, von diesem Geld oder andere Wertgegenstände anzunehmen, teilte Valckes Anwalt Barry Berke in der Nacht auf Freitag mit.

Das neuste Kapitel um Korruptionsverwürfe an die Adresse der Fifa und dessen Generalsekretär hat auch das Interesse der Bundesanwaltschaft geweckt. Konkrete Angaben zu den Korruptionsvorwürfen machte die Behörde allerdings nicht. «Es handelt sich um interessante Aussagen, welche die Bundesanwaltschaft bei Bedarf wie andere Medienberichte analysieren wird», sagte Sprecher André Marty.

«Erwarte neue Runde von Festnahmen»

Die neuen Entwicklungen dürften die ermittelnden Behörden in der Schweiz und in den USA aufhorchen lassen. Bereits am Montag hatten die Ermittler an einer Pressekonferenz in Zürich erklärt, dass sie mit den Untersuchungen noch lange nicht am Ende seien. «Ich erwarte eine nächste Runde von Festnahmen. Es kann sein, dass wir weitere Verdachtsmomente feststellen», hatte US-Justizministerin Loretta Lynch erklärt.

Sendungsbeitrag zu diesem Artikel

  • Vom Vertrauten zum Geschassten

    Aus 10vor10 vom 18.9.2015

    Beim Weltfussballverband Fifa wurde am Donnerstag Generalsekretär Jerome Valcke entlassen, einen engen Weggefährten von Präsident Blatter. Die Reihen im Fifa-Exekutivkomittee haben sich in den letzten Jahren deutlich gelichtet.