Fifa und TV-Rechte: Milliardengeschäft soll sauber werden

Die Vergabe von TV-Rechten für die Fussball-WM ist für die Fifa ein Milliardengeschäft. Immer wieder sind dabei Bestechungsgelder geflossen. Interne Reformen sollen dem Treiben künftig einen Riegel vorschieben. Offen bleibt, ob das reicht.

Mehrere Milliarden Menschen sassen beim Eröffnungsspiel der WM 2002 in Japan und Südkorea zwischen Frankreich und Senegal vor den TV-Geräten. Fernsehstationen hatten hunderte Millionen von Franken bezahlt, um die Spiele zeigen zu können.

Jack Warner fängt einen Ball.

Bildlegende: Der Ball rollt nicht mehr: Jack Warner wurde von der Fifa-Ethikkommission lebenslänglich gesperrt. Keystone

TV-Rechte für einen Franken

Nur einer bekam die Übertragungsrechte praktisch gratis: «Fifa-Vize-Präsident Jack Warner aus Trinidad hat dahin gewirkt, dass er die TV-Rechte für einen Franken für sich bekam. Das geht natürlich nicht», sagt Roland Büchel. Der jetzige SVP-Nationalrat hat als ehemaliger Mitarbeiter beim Sportrechtevermarkter ISL den Fall selbst miterlebt. Warner war damals Präsident der Fussballkonföderationen von Nord- und Zentralamerika sowie der Karibik. Er selber sagte, den Erlös aus dem Verkauf der Fernsehrechte habe er in die Fussballförderung in der Karibik gesteckt.

Kritiker wie Büchel glauben allerdings, Warner habe das Geld in die eigenen Taschen fliessen lassen. Als Gegenleistung soll er anderen Fifa-Personen die Stimmen seiner Fussballkonföderation versprochen haben.

Bei den Fernsehrechten ist es immer wieder zu unsauberen Deals gekommen. Dies mag kaum überraschen, schaut man die Summen an, die im Spiel sind: Alleine bei der letzten WM in Brasilien nahm die Fifa 2,4 Milliarden Dollar ein.

Der Vetternwirtschaft Tür und Tore geöffnet

Die Vergabe ist eigentlich klar geregelt: Fernsehstationen können sich jeweils in einem öffentlichen Auktionsverfahren für die TV-Rechte bewerben. Wer letztendlich den Zuschlag erhält, entscheidet die Fifa. Sie vergibt die Rechte allerdings nicht immer an den Höchstbietenden, sondern berücksichtigt auch die Einschaltquoten, weil der Fussball gemäss Fifa-Statuten weltweit verbreitet werden soll.

Xherdan Shaqiri küsst eine TV-Kamera.

Bildlegende: Bilder, welche die Welt bewegen: Milliarden Zuschauer verfolgen die Fussball-WM. Keystone

Doch diese Regelung hatte einen Fehler, wie der Fall Jack Warner zeigt. Sein Vergehen sei nur möglich gewesen, weil er als Mitglied des Fifa-Exekutivkomitees sich und andere bereichern konnte, sagt Hans Lichtsteiner. Der Professor an der Universität Freiburg befasst sich mit Non-Profit-Organisationen wie der Fifa. «Wenn ein Gremium seinen eigenen Mitgliedern Gelder bewilligen kann, ist das immer heikel», betont er. Nach Lehrbuch dürfen Auftraggeber und Auftragnehmer nämlich nicht im gleichen Gremium sitzen.

Mit den Reformen, über die der Fifa-Kongress demnächst abstimmt, soll genau das geändert werden. Die Reformen sehen vor, dass die Macht innerhalb der Fifa in Zukunft verteilt wird und sich nicht beim Präsidenten und den Exekutivkomitee-Mitgliedern konzentriert. Mit diesen Reformen sei die Fifa auf dem richtigen Weg, sagt Sportmanager Büchel: «So eine Art Sonnenkönig, wie es Herr Blatter war, darf es nicht mehr geben.»

Reformen sollen Besserung bringen

Zwar könne Blatter heute keine Millionen mehr verschieben, sagt Büchel. Trotzdem sei es wichtig, dass der Präsident in Zukunft nur noch strategische Entscheide fällen und nicht mehr ins Tagesgeschäft eingreifen soll – wie das die Reformen vorsehen.

Die neue Organisation der Fifa wäre ein wichtiger Schritt, doch damit sei es noch nicht getan, sagt dagegen Professor Lichtsteiner. Es brauche einen Kulturwandel. «Bestimmte Personen werden diesen Kulturwandel nachvollziehen können. Aus der Erfahrung kann man aber sagen, dass gewisse Leute diesen Übergang nicht schaffen. Daher braucht es allenfalls auch neue Kräfte, die diesen Prozess beschleunigen.»

Es braucht bei der Fifa also neue Leute, insbesondere auch an der Spitze. Der neue Präsident wird eine entscheidende Rolle übernehmen, denn er wird den Kulturwandel vorleben müssen. Wer neuer Präsident wird, entscheidet der Fifa-Kongress kommenden Freitag.