Präsidentenwahl in Frankreich Fillon: Schleuder- statt Amtssitz

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Fillon muss weiterhin zittern

0:34 min, aus Tagesschau vom 4.3.2017

Das Wichtigste in Kürze

  • In einer Umfrage für die Wochenzeitung «Journal du Dimanche» fordern mittlerweile 71 Prozent der Franzosen einen Verzicht des konservativen Präsidentschaftskandidaten Fillon auf seine Kandidatur – das sind sechs Prozent mehr als zwei Wochen zuvor.
  • Er selber will heute Sonntag bei einer Grosskundgebung in Paris zu seinen Anhängern sprechen. Sein Team hofft, dass dabei 45'000 Unterstützer kommen.
  • Erstmals seit Bekanntwerden der Scheinbeschäftigungsaffäre hat sich die Frau des schwer angeschlagenen Präsidentschaftskandidatin geäussert. Sie gibt an, für ihren Mann gearbeitet zu haben. So habe sie ihn unter anderem zu Auftritten in seinem Wahlbezirk begleitet.
  • Die Spitzen der französischen Konservativen haben angesichts der angespannten Lage für Montag ein Treffen angesetzt, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

Fillons Rückhalt bei den konservativen Wählern sinkt in diesem Zusammenhang: Nur noch 53 Prozent wollen für Fillon stimmen – 17 Prozentpunkte weniger als Mitte Februar. Derzeit würden nach Umfragen die Rechtspopulistin Marine Le Pen und der sozial-liberale Kandidat Emmanuel Macron das Rennen unter sich ausmachen. Für die Stichwahl liegt Macron dabei klar vorn.

Fillon selber will heute Sonntag bei einer Grosskundgebung in Paris zu seinen Anhängern sprechen. Fillons Team hofft, dass dabei 45'000 Menschen kommen.

Krisentreffen am Montag

Die Spitzen der französischen Konservativen wollen am Montag das weitere Vorgehen im Präsidentschaftswahlkampf ihres schwer angeschlagenen Kandidaten François Fillon beraten. An den Krisenberatungen sollen alle Kandidaten der Vorwahlen um die Spitzenkandidatur teilnehmen.
«Angesichts der Entwicklung der politischen Situation nur sieben Wochen vor der Wahl» habe man sich entschlossen, ein Treffen der führenden Vertreter der Republikaner um einen Tag vorzuziehen, teilte die Partei am Samstag mit.
Der in der Vorwahl gegen Fillon unterlegene Ex-Regierungschef Alain Juppé hatte nach Angaben aus Parteikreisen signalisiert, als Ersatzkandidat bereitzustehen, sollte Fillon verzichten. Ihm werden - anders als Fillon - in Umfragen gute Chancen gegeben, in die Stichwahl um das höchste Staatsamt zu kommen.

Fillons Frau gibt erstes Interview

Erstmals seit Bekanntwerden der Scheinbeschäftigungsaffäre hat sich die Frau des schwer angeschlagenen französischen Präsidentschaftskandidatin François Fillon geäussert. Penelope Fillon sagte der Sonntagszeitung «Journal du Dimanche», sie habe ihrem Mann jeden Tag gesagt, den Weg bis zum Ende fortzusetzen. Letztendlich werde aber er entscheiden. Mit ihren Aussagen wolle sie den Gerüchten ein Ende machen.

Penelope Fillon sagte, sie habe für ihren Mann gearbeitet. So habe sie ihn unter anderem zu Auftritten in seinem Wahlbezirk begleitet. Darüber hinaus habe sie den Mailverkehr bearbeitet. Sie habe für ihren Mann schriftliche Notizen und Informationsblätter vorbereitet. Er habe absolutes Vertrauen in sie gehabt. Sie deutete an, dass sie auch gewusst habe, dass ihre Kinder als Mitarbeiter ihres Mannes bezahlt worden seien. «Alles war legal und ausgewiesen.»

Fillons Wahlkampf wird seit Wochen vom Verdacht einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten belastet, die Justiz ermittelt.

«Gebt nicht auf»

Für den 63-Jährigen steht viel auf dem Spiel: Zahlreiche Politiker aus dem eigenen Lager hatten in den vergangenen Tagen seinen Rückzug gefordert, um einen Ersatzkandidaten ins Rennen zu schicken. Die Lage hatte sich für Fillon weiter zugespitzt, als er für Mitte März von Ermittlungsrichtern vorgeladen wurde. Dabei droht ihm die Eröffnung eines Verfahrens.

Fillon selber hat hat angesichts wachsender Kritik aus dem eigenen Lager einen Durchhalte-Appell an seine Anhänger gerichtet. «Gebt nicht auf», rief der Konservative gestern bei einer Rede im Pariser Vorort Aubervilliers.

«  Das französische Volk hat es satt, sich seine Stimmen stehlen zu lassen »

Bruno Retailleau
Fraktionschef der Republikaner im Senat

Der Fraktionschef der Republikaner im Senat, Bruno Retailleau, verteidigte Fillon. Er verwies auf das klare Ergebnis der Vorwahl, bei der Fillon zum Kandidaten gekürt worden war. «Ein Mann ist gewählt worden, eine politische Linie ist gewählt worden», betonte er in Aubervilliers. «Das französische Volk hat es satt, sich seine Stimmen stehlen zu lassen.»

In einem Interview des Magazins «Valeurs Actuelles» sagte er, dass die parteiinternen Kritiker Fillons aus dem Umfeld seiner unterlegenen Vorwahl-Gegner stammten.